Hochradioaktiver Abfall: Frankreich will 37 Milliarden Euro in Atommüll-Endlager investieren

Stand: 26.10.2026, 13:09 Uhr

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Frankreich plant, rund 37 Milliarden Euro in den Bau eines Atommüllendlagers zu investieren. Deutschland profitiert davon wohl indirekt.

Châtenay-Malabry – Frankreich ist eine der weltweit führenden Nationen bei der Produktion von Atomstrom. Laut den aktuellen Zahlen der World Nuclear Association (WNA) deckte das Land im Jahr 2024 68 Prozent seines Strombedarfs durch Kernenergie. Das entspricht 380 von insgesamt 570 Terawattstunden (TWh). Wasserkraftwerke sind mit 14 Prozent die zweitwichtigste Stromquelle.

Das mögliche Endlager für Atommüll im lothringischen Bure liegt nur gut 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Foto: ncy

Das mögliche Endlager für Atommüll im lothringischen Bure liegt nur gut 120 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. © /ncy

Auch in Zukunft wird Kernenergie für Frankreich eine wichtige Rolle spielen. Die neue Strategie zur Energieversorgung des Landes sieht den Bau von sechs neuen Atomkraftreaktoren ab 2038 sowie die Option zum Bau von acht weiteren Reaktoren vor. Um alle 57 bestehenden Reaktoren in den 18 Atomkraftwerken am Netz zu halten, soll die Laufzeit auf 50 oder 60 Jahre verlängert werden.

Frankreich rechnet mit Gesamtkosten von 37 Milliarden Euro für ein Atommüllendlager

Die staatliche Organisation Andra (Agence Nationale pour la gestion des Déchets Radioactifs – Nationale Behörde für die Entsorgung radioaktiver Abfälle) ist in Frankreich für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich. Mit Cigéo verfolgt die Behörde ein Projekt zur geologischen Tiefenlagerung von hochradioaktiven Abfällen und langlebigen mittelradioaktiven Abfällen.

Das geplante Endlager mit einer Kapazität von 83.000 Kubikmetern Atommüll soll in der Nähe des ostfranzösischen Dorfes Bure entstehen. Es soll in 500 Metern Tiefe in einer stabilen geologischen Tonformation errichtet werden. Allerdings muss die französische Regierung noch eine Baubewilligung erteilen, was für das Jahr 2028 erwartet wird. Darauf sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für das Jahr 2035 geplant.

Die Kosten sind immens. Allein in der ersten Bauphase sind 9,7 Milliarden Euro eingeplant. Über den gesamten Lebenszyklus der Anlage – 100 Jahre nach Betriebsbeginn soll die Kapazität der Stollen erschöpft sein – sollen sich die Gesamtkosten auf 37 Milliarden Euro belaufen. Die Gelder sollen zum Großteil von den Betreibern der Kernkraftwerke kommen.

In Deutschland warten 27.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle auf Entsorgung

In Deutschland sind seit 2023 keine Atomreaktoren mehr in Betrieb. Laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) warten hierzulande jedoch noch 27.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit nennenswerter Wärmeentwicklung auf eine Endlagerung. Ein Export nach Frankreich ist nicht möglich, da die Kapazitäten von Cigéo nur für französisches Material vorgesehen sind.

Die BGE hat derzeit die Aufgabe, die Vielzahl der grundsätzlich für ein Endlager geeigneten Teilgebiete in Deutschland auf wenige, deutlich kleinere Standortregionen zu reduzieren. Der Vorschlag der BGE für die Standortregionen wird für Ende 2027 erwartet. Dieser Vorschlag wird anschließend vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) geprüft. Die Entscheidung über die Standortregionen, die in Phase II übertägig erkundet werden, trifft schließlich der Bundesgesetzgeber.

Dennoch profitiert Deutschland wohl indirekt vom französischen Endlager. Laut dem Strom-Report importierte Deutschland im Jahr 2025 insgesamt rund 76,2 TWh Strom. Schätzungsweise stammen rund 23 Prozent davon aus Atomkraftwerken. Da Frankreich mit 11,2 TWh einer der wichtigsten Stromexporteure für Deutschland ist, ist davon auszugehen, dass ein bedeutender Anteil davon Atomstrom ist.

Finnland hat Genehmigung für das weltweit erste Endlager für hoch radioaktive Kernbrennstoffe erteilt

In Finnland ist man schon weiter. Dort wurde kürzlich die Betriebsgenehmigung für das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Kernbrennstoffe erteilt. In der unterirdischen Anlage „Onkalo” im Ort Eurajoki sollen rund 6.500 Tonnen abgebrannte Uranstäbe aus den fünf finnischen Kernreaktoren für mindestens 100.000 Jahre sicher gelagert werden. Allerdings steht die Freigabe durch die finnische Strahlenschutzbehörde STUK noch aus. (Quellen: World Nuclear Association, Bundesgesellschaft für Endlagerung, Andra, Strom-Report)