Landkreis Hildburghausen
von MDR THÜRINGEN
Stand: 03.11.2025 08:38 Uhr
Nach der Weihe der weltweit ältesten evangelischen Steinkanzel in der Heldburger Stadtkirche (Kreis Hildburghausen) hofft die Stadt jetzt auf mehr Touristen. Wie Bürgermeister Christopher Other (CDU) MDR THÜRINGEN sagte, will die Stadt den frisch gehobenen Schatz vermarkten und so Gäste aus ganz Deutschland anlocken.
Zusammen mit der Veste Heldburg könnte die Heldburger Stadtkirche vor allem Geschichtsinteressierte begeistern. Am Reformationstag war in der Heldburger Kirche die frisch restaurierte Steinkanzel aus dem Jahr 1536 mit einem Festgottesdienst geweiht worden.
Ein Mann fotografiert in der Stadtkirche in Heldburg die Steinkanzel.
Kanzel in Zusammenarbeit mit Martin Luther entstanden
Die vier Platten der rund 500 Jahren alten Kanzel lagen zuletzt in einem Raum in der Kirche. Der Zustand sei sehr schlecht gewesen, so Pfarrer Nikolaus Flämmig, der vor drei Jahren nach Heldburg kam und die Platten der Kanzel dort vorfand. Die Kanzel war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Superintendent Friedrich Schwalbe in Auftrag gegeben worden.
Die Bilder der Kanzel wurden nach Vorlag von Lucas Cranach dem Älteren gefertigt.
Alle vier Steinbilder an der Kanzel in Heldburg (Kreis Hildburghausen) sind nach Vorlagen von Lucas Cranach dem Älteren gefertigt worden. Die Bilder entstanden in den 1520er Jahren in Wittenberg, teilweise zusammen mit seinem engen Freund Martin Luther.
Die Erfindung des Buchdruckes machte es möglich, dass die evangelischen Bildideen als Druckgrafiken nach Heldburg gelangten. Auf einer der Steinplatten ist beispielsweise die Darstellung von Gesetz und Evangelium dargestellt. Sie gilt als das bekannteste Lehrbild des Protestantismus. In der Mitte sitzt der Mensch zwischen dem Gesetz des Alten Testaments (links dargestellt mit Adam und Eva und dem Propheten) und dem Evangelium. Ebenfalls dargestellt ist Lucretia, als Symbol für weibliche Stärke und Tugend.
Bedeutung der Kanzel vor 200 Jahren nicht erkannt
Allerdings fiel die Kanzel vor 200 Jahren der "Mode" zum Opfer. Damals erkannte man die Bedeutung der Kanzel nicht. Stattdessen wurde alles einheitlich und neugotisch gestaltet, die Kanzel zerschlagen.
Mit der finanziellen Hilfe von Bund und der evangelischen Kirche wurde die Kanzel jetzt wieder restauriert. Die Kosten belaufen sich auf etwa 185.000 Euro. Die Kanzel gilt als einzigartiges Zeugnis der frühen Reformation. Zu besonderen Anlässen soll jetzt von dort aus immer in der Kirche gepredigt werden.
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MDR (bee/jml)
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