Hohe Kosten für Öl, Gas und Sprit: Energie-Vergleich zeigt, wie teuer der Winter werden könnte
Stand: 17.10.2026, 20:22 Uhr
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Gasspeicher so niedrig wie nie und Sprit, Heizöl sowie Gas werden rasant teurer. Droht Deutschland in diesem Winter der Engpass? Wir zeigen, wie es dazu kommen konnte.
Berlin – Man kennt diesen Moment an der Spritsäule: Der Zapfhahn klickt, die Zahlen am Display laufen schneller, als man schauen kann, und plötzlich wird ein voller Tank zur kleinen Rechenaufgabe. Was früher in Deutschland Routine war, fühlt sich inzwischen wie ein Warnsignal an.
Es ist kein Zufall, dass so viele Menschen gerade genauer auf ihre Kontoauszüge schauen. Ob Auto, Ölheizung oder Gastherme, ob Speditionshalle oder Fabrik: Überall steigt die Rechnung rapide an. Wie groß der Preissprung tatsächlich ist, zeigt erst ein Blick zurück in den Herbst des vergangenen Jahres. Das Ergebnis fällt erstaunlich deutlich aus.
Energiepreise im Vergleich: Was Sprit, Heizöl und Gas heute mehr kosten als 2025
Beim Sprit sind die Zahlen besonders eindrücklich: Der Preis für Superbenzin ist binnen eines Jahres um rund 30 Prozent gestiegen, Diesel sogar um rund 45 Prozent. Im EU-Vergleich bleibt Tanken in Deutschland trotz Tankrabatt teuer, vor allem wegen der Steuern und Abgaben. Die Freigabe der strategischen Reserven kann Autofahrer nur vorübergehend entlasten, die Energiepreise bleiben damit hoch.

Beim Heizöl fällt der Anstieg noch deutlicher aus: rund 80 Prozent innerhalb eines Jahres. Gas verzeichnet im Großhandel sogar einen Anstieg um fast 128 Prozent, berichtet Tagesschau.de. Im September lagen die Energiepreise insgesamt 14,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Für Haushalte, die im Winter heizen müssen, ist das eine sehr konkrete Belastung.
Heizkosten im Winter: Warum viele Haushalte ihre Tanks nicht rechtzeitig auffüllen
Besonders heikel ist die Lage für Haushalte mit Ölheizung. Heizöl hat sich binnen eines Jahres um rund 80 Prozent verteuert, bei den Gaspreisen für Endverbraucher liegt das Plus bei rund 40 Prozent. 3000 Liter Heizöl kosten derzeit rund 5000 Euro. Rechnet man die Steigerung zurück, hätte dieselbe Menge vor einem Jahr etwa 2800 Euro gekostet. Viele Haushalte haben ihre Tanks kurz vor dem Winter deshalb noch gar nicht gefüllt, andere tanken bewusst kleinere Mengen.
Auch Händler spüren die Zurückhaltung. Bei einem Brennstoffhändler aus Oberbayern sind die Aufträge wegen der Preisexplosion drastisch zurückgegangen. Seine Margen seien gleichbleibend und sehr dünn, anders als bei den Ölkonzernen. Der Mann warnt in dem Tagesschau-Bericht vor einem Engpass: „Es kann sich stauen, wenn es kalt wird und die Leute dann dementsprechend alle auf einmal kommen, dann wird es zu Wartezeiten kommen.“
Speditionen am Limit: Eine Million Euro Mehrkosten und eine Branche unter Druck
Besonders hart trifft es die Logistik, denn Transporte laufen ohne Diesel nicht. Ein Unternehmer aus Franken, der eine internationale Spedition betreibt, nennt im Vergleich zu 2020 eine Million Euro Mehrkosten im Jahr, allein für den Sprit der Transporte. Eine Summe, die sich mitnichten eben aus der Portokasse begleichen lässt.
Der Bundesverband Logistik & Verkehr warnt deshalb vor einem Kollaps der Branche. Die Liquidität sinkt, Investitionen werden verschoben und Fuhrparks reduziert. Das heißt: Heute fehlt das Geld für neue Lkw, morgen fehlen Kapazitäten für Waren aus Industrie und Handel, und Lieferketten geraten ins Wanken.
Spritpreisdeckel in Deutschland: Rettungsanker oder Gefahr für die Versorgung?
Die Politik reagiert mit einem geplanten Spritpreisdeckel. Ab Januar soll ein staatlich festgelegter Höchstpreis gelten, doch Ökonomen warnen vor unerwünschten Folgen. Andrej Putisek von der Hochschule für Technik Stuttgart erläutert das Grundproblem: „Wenn ich in einem ansonsten freien Markt einen Preis deckle, habe ich zwei Effekte“. Diese Effekte beschreibt er so: „Eine steigende Nachfrage und ein gesunkenes Angebot“, woraus sich eine Knappheit ergeben würde.
Ähnlich angespannt ist die Lage beim Gas. Der Füllstand der deutschen Gasspeicher war Anfang Oktober so niedrig wie noch nie. Viele Unternehmer und Privatleute fürchten deshalb nicht zu Unrecht, dass Deutschland in diesem Winter das Gas ausgehen könnte.
Importverbot von russischem LNG erhöht Rechnung für EU-Länder
Derweil sieht der US-Thinktank Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) die EU mit etwa 72,4 Prozent Füllstand in den Winter gehen. Dabei handelt es sich um den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Mit dem vollständigen EU-Importverbot für russisches Flüssigerdgas ab Januar 2027 sei den EU-Ländern angeraten, ihren Gasbedarf für den kommenden Winter um sieben Prozent zu senken.
Gleicht man den Speicherengpass stattdessen durch zusätzliche Gasimporte aus, kostet das laut IEEFA rund drei Milliarden Euro zusätzlich. Das sind zwölf Prozent mehr als im Jahr 2025, weil der Krieg zwischen den USA und dem Iran die Gaspreise in die Höhe getrieben hat.
Netzentgelte: Warum der Jahreswechsel die nächste Kostenwelle bringt
Warum die Energiepreise noch steigen: Laut Verivox klettern die Stromnetzgebühren zum Jahreswechsel bundesweit um 1,9 Prozent, von 428 auf 436 Euro brutto, obwohl der Bund milliardenschwere Zuschüsse zahlt. Der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten sinkt allerdings: 2027 sind 5,525 Milliarden Euro vorgesehen, 15 Prozent weniger als 2026.
Beim Gas kündigt Verivox Preiserhöhungen von 10 bis 20 Prozent an. Haushalte müssen damit höhere Heizkosten und Stromrechnungen verkraften, Betriebe kämpfen mit schrumpfenden Margen, und die Politik muss zwischen Entlastung und neuen Risiken abwägen. So senken Sie Ihre Kosten im Winter 2026/27. (Quellen: Tagesschau.de, Institute for Energy Economics and Financial Analysis, Verivox)