Skigebiet für zwei Euro: Österreichische Gemeinde macht kurioses Angebot
Stand: 17.10.2026, 20:22 Uhr
Kommentare
Ein Skigebiet für zwei Euro wechselt in der Steiermark die Besitzer. Hinter dem Preis steckt eine Finanznot, die die Gemeinde nicht mehr tragen konnte.
St. Barbara – Zwei Euro: So viel soll in Österreich ein kompletter Skibetrieb kosten. Die Summe klingt nach Aktion oder Schlussverkauf, ist aber das Ergebnis monatelanger Verhandlungen und eines politischen Beschlusses. Hinter der symbolischen Zahl stehen Verträge, Kredite und die Frage, wer am Ende welche Kosten trägt. Für die Beteiligten ist der Preis weniger ein Schnäppchen als ein Hilfsmittel, um eine angespannte Finanzlage in geordnete Bahnen zu lenken.

Die Entscheidung fiel am Freitagabend (16. Oktober) im Gemeinderat von St. Barbara, einer steirischen Gemeinde, die ihr Skigebiet seit Jahren nur mit zusätzlichem Geld am Laufen halten konnte. Der Fall steht zugleich für eine Entwicklung im Alpenraum: Kleine, niedrig gelegene Skigebiete geraten durch Energie-, Personal- und Beschneiungskosten unter Druck, einige haben bereits aufgegeben.
Skigebiet für zwei Euro: Gemeinderat in St. Barbara stimmt der Übergabe der Brunnalm einstimmig zu
Der Gemeinderat von St. Barbara im Mürztal hat am Freitagabend einstimmig beschlossen, die Freizeitbetriebe Veitsch für zwei Euro an zwei private Investoren zu übergeben. Die GmbH betreibt das Skigebiet Brunnalm am Fuß der Hohen Veitsch und gehörte bislang vollständig der Gemeinde. Neue Eigentümer sind Margret Kraischek und Michael Stoppacher. Zum Angebot zählen zwölf Pistenkilometer, 18 Pisten, drei Schlepplifte und ein Sessellift.
Wirksam wird der Verkauf erst mit der aufsichtsbehördlichen Genehmigung: Die Landesregierung soll sie nach Angaben von MeinBezirk in der kommenden Woche beschließen. Laut Bürgermeister Arno Russ (ÖVP) blieben der GmbH zuletzt nur zwei Wege, nämlich Insolvenz oder Verkauf. „Für die Gemeinde ist es nicht tragbar, wir können uns das nicht mehr leisten“, erklärte Russ der Kleinen Zeitung.
Investorensuche verlief schleppend – neue Betreiber stehen vor großen Herausforderungen
Der Vertrag verpflichtet die neuen Eigentümer, den Skibetrieb mindestens drei Jahre weiterzuführen. Die Schulden gehen nicht auf Kraischek und Stoppacher über. Nach Angaben der Rundschau übernimmt die Gemeinde rund 4,5 Millionen Euro mit Unterstützung des Landes Steiermark. MeinBezirk beziffert den Kredit der Freizeitbetriebe auf aktuell noch rund 6,5 Millionen Euro. Die Suche nach einem Käufer verlief zunächst zäh. Russ war im vergangenen Jahr auf Investorensuche, fand aber im In- und Ausland niemanden für eine Kooperation. Er sprach benachbarte Skigebiete und Unternehmer an, das Interesse blieb gering.
Kraischek ordnete die Übernahme gegenüber MeinBezirk nüchtern ein. Der Preis klinge günstig, danach kämen aber die eigentlichen Kosten: „Wenn du da nicht mit Herzblut rangehst, wird das ohnehin nichts.“ Geplant sei, den Betrieb auf mehrere Säulen zu stellen. Neben dem Skibetrieb sind ein Alm-Camping, und Angebote für Pilger und Mountainbiker im Gespräch.
Gaberl, Pusterwald, Braunwald: Immer mehr kleine Skigebiete müssen aufgeben
Die Brunnalm ist nicht das einzige Skigebiet, das ums Überleben kämpft. Am steirischen Gaberl bleiben die großen Schlepplifte nach rund 50 Jahren Betrieb dauerhaft abgeschaltet. Betreiber Thomas Gauss erklärte dem ORF Steiermark, die künstliche Beschneiung habe zuletzt etwa die Hälfte des Umsatzes verschlungen. Dazu kamen höhere Energie- und Lohnkosten, und seit der Corona-Pandemie sei die Zahl der Skifahrer gesunken. Ein Kinderlift, Langlauf und Wandern bleiben erhalten, die großen Lifte sind zum Verkauf ausgeschrieben.
Im steirischen Pusterwald beschloss der Gemeinderat einstimmig den Abbau des 380 Meter langen Gemeindeschlepplifts, berichtet oe24.at. Der 1985 eröffnete Lift stand zwei Winter lang still. Eine Beschneiungsanlage samt Speicherteich hätte über eine Million Euro gekostet, zu viel für eine Gemeinde mit gut 420 Einwohnern. Auch die Versuche, die Anlage an ein größeres Skigebiet abzugeben, Freiwillige zu finden oder sie zu verschenken, scheiterten.
In der Schweiz beschloss der Verwaltungsrat der Sportbahnen Braunwald im Kanton Glarus im Juni, den Skibetrieb auf vier Liften einzustellen. Er nennt Schneemangel als Ursache der roten Zahlen; Kritiker sehen höhere Personalkosten als Auslöser. Die Schulden betragen knapp vier Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Richard Bolt sagte dem SRF: „Wir haben diesen Entscheid nicht leichtsinnig oder vorschnell gefällt.“ Eine Bürgerinitiative bot 300.000 Franken für Bolts Aktienanteil von 46 Prozent, die Verhandlungen laufen. Für die Saison 2026/27 käme eine Rettung ohnehin zu spät. (Quellen: Kleine Zeitung, Mein Bezirk, oe24.at) (jaka)