Mövenpick Frankfurt: Ausverkauf beim Messe-Hotel

Ein Mann wirft ein Kopfkissen nach dem anderen zur Seite. Er wühlt sich durch den weißen Berg, hebt ein Kissen an, legt es zurück und sucht weiter. „Ich brauche große Kissen für daheim“, sagt er. Nach einigen Minuten hält er schließlich zwei in der Hand. Ein paar Meter weiter sucht eine Frau nach Rotweingläsern. Zu Hause habe sie nur noch drei. Doch hier wird sie nicht fündig: „Nur noch Biergläser hab ich gesehen.“

Die beiden sind zwei von 150 Menschen, die sich im Erdgeschoss des Mövenpick-Hotels an der Frankfurter Messe tummeln. Wo bis vor wenigen Monaten Hotelgäste ein und aus gegangen sind, geht es inzwischen um andere Fragen: Was ist noch zu haben? Was kostet es? Und wie bekommt man es nach Hause?

Das frühere Vier-Sterne-Hotel ist seit Mitte Februar geschlossen. Nun öffnet das Mövenpick noch einmal seine Türen – allerdings nicht für Übernachtungsgäste. Seit dem 13. Oktober können die Besucher an sechs Verkaufstagen die Einrichtung des Hauses erwerben. Betten, Sessel, Tische, Fernseher, Badzubehör, Dekoration, Geschirr und Küchengeräte sind im Angebot. Sogar die Lampen, die noch von der Decke hängen, stehen zum Verkauf.

Für das Gebäude selbst ist die Räumung ein Zwischenschritt. Das siebenstöckige Hotel mit seiner auffälligen rot-silbernen Fassade wurde 2006 eröffnet. Rund 45 Millionen Euro flossen damals in den Bau. Das Haus im Europaviertel verfügte über 288 Zimmer und 13 Konferenzräume. Zuletzt wurde es von der Berliner Revo Hospitality Group betrieben. Im Januar dieses Jahres wurde die Insolvenz der Hotelgruppe bekannt. Seit dem 16. Februar steht das ehemalige Mövenpick leer.

Einkaufswagen gefüllt: Ein Kunde belädt den Servierwagen mit Badzubehör beim Mövenpick-Ausverkauf.
Einkaufswagen gefüllt: Ein Kunde belädt den Servierwagen mit Badzubehör beim Mövenpick-Ausverkauf.Alina Vogelsang

„Alle bereit?“, ruft Astrid Eilers am 15. Oktober kurz vor zwölf ihren Mitarbeitern zu. Sie ist Gründerin von Twins Company und organisiert den Verkauf. Bei Hotelauflösungen übernimmt das Unternehmen verwertbare Gegenstände und verkauft sie weiter. „Alle freuen sich: Hotels als meine Kunden, die Käufer, die Umwelt. Und wir können davon leben“, sagt Eilers.

Aus Sicherheitsgründen dürfen sich nur 150 Besucher gleichzeitig in den Räumen aufhalten. Draußen bildet sich bereits eine rund 50 Meter lange Schlange. Zwei Tage vorher, beim Verkaufsstart, sei der Andrang noch deutlich größer gewesen, sagt Eilers. „Es war bombastisch.“ Im Schnitt hätten Interessierte mehr als zwei Stunden anstehen müssen, um im Erdgeschoss nach brauchbaren Stücken zu stöbern.

Hotel zum Mitnehmen

Zu kaufen gibt es fast alles, was in einem Hotelzimmer, einer Küche oder einem Restaurant gebraucht wird. Ein Wasserkocher kostet zehn Euro, eine Duschbrause fünf Euro, Kleiderbügel gibt es für einen Euro und Gläser für 50 Cent. Ein Mann schiebt einen voll beladenen Wagen durch das Gedränge. Er kauft für seinen Gastronomiebetrieb im Waldschwimmbad Neu-Isenburg ein. Um ihn herum drängen sich weitere Besucher durch den Verkaufsraum. Wer etwas entdeckt hat, sichert es sich lieber gleich. Auch Kinder sind dabei. Sie passen am Rand auf bereits ergatterte Sachen auf, während ihre Eltern weitersuchen.

Nicht sehr beliebt: Für alte Kabeltelefone interessiert sich kaum jemand.
Nicht sehr beliebt: Für alte Kabeltelefone interessiert sich kaum jemand.Alina Vogelsang

Doch nicht jeder Besucher kommt mit einer Einkaufsliste. Ein Mann ist ohne konkretes Ziel hergekommen. Er möchte sich für sein Zuhause umsehen. Andere haben ganz bestimmte Produkte im Blick: Eine Frau kauft Küchenutensilien für ein soziales Hilfsprojekt. Gerade wenn Geld knapp sei, lohne es sich, gebrauchte Gegenstände zu kaufen, sagt sie. Die Preise seien einfach niedriger, der Zustand sei oft noch gut. Eilers kennt den Markt: „Ich mache das seit 25 Jahren. Ich weiß genau, was ich für welchen Preis verkaufen kann.“

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist bereits klar: Unter der Marke Scandic soll das Haus von 2027 an wieder Gäste beherbergen. Geplant sind ein Umbau, zusätzliche Zimmer, ein ganztägig geöffnetes Restaurant sowie Veranstaltungs- und Ausstellungsräume im Erdgeschoss.

Bis dahin muss alles aus dem ehemaligen Mövenpick verschwinden. Deshalb sind weitere Verkaufstermine für den Samstag, Dienstag, Donnerstag und Samstag, den 17., 20., 22. und 24. Oktober, angesetzt. Was sich bis dahin nicht verkaufen lässt, kommt in die Lagerhalle der Twins Company nach Berlin und wartet dort auf einen neuen Besitzer.

Vieles, vor allem Gläser und Besteck, verschwindet an diesem Donnerstag in großen Mengen in Einkaufskörben. Für manche Gegenstände dürfte die Suche nach einem neuen Zuhause aber länger dauern: Ein Tisch voller alter Kabeltelefone scheint kaum jemanden zu interessieren.