Bahn-WM: Chinesin Yuan feiert überraschendes Sprint-Gold
Von Peter Maurer aus Shanghai

Jonathan Milan in der Einerverfolgung | Foto: Cor Vos
16.10.2026 | (rsn) – Der dritte Tag der Bahn-Weltmeisterschaften in Shanghai begann mit einem beeindruckenden Weltrekord in der Einerverfolgung von Jonathan Milan in der Qualifikation. Der Italiener verbesserte seine eigene Bestmarke um drei Zehntel und holte sich am Abend dann die Goldmedaille im Finale. Im Sprint der Frauen überraschte die Chinesin Liying Yuan mit dem Sieg, das Punkterennen der Männer ging an den Briten Mark Stewart, dessen Teamkollegin Anna Morris sicherte sich das Omnium der Frauen. Im Zeitfahren über 1.000 Meter siegte der Niederländer Jeffrey Hoogland.
“Erst nach der Ziellinie habe ich die Zeit gesehen. Davor habe ich mich überhaupt nicht darauf konzentriert, sondern nur Vollgas gegeben, um das Finale zu erreichen“, schilderte der neue Weltmeister Milan seinen Qualifikationslauf. In diesem sorgte er mit 3:58.850 Minuten für einen neuen Weltrekord in einem hochklassigen Bewerb. Denn auch der Däne Frederik Madsen blieb unter vier Minuten und wurde zum Finalgegner von Milan.
Im Endlauf unterlag der Däne deutlich und auch Milans Teamkollege, der sechsfache Weltmeister in der Einerverfolgung, Filippo Ganna, bezwang im Kleinen Finale mit Rasmus Pedersen einen Kontrahenten aus Dänemark. Nicht einmal 24 Stunden zuvor hatten die Dänen im Vierer die Italiener bezwungen. Paul-Felix Petry landete auf Rang 13 mit einer Zeit von 4:07.480 Minuten, knapp dahinter wurde mit Max-David Briese der zweite deutsche Starter 16..
Augenstein hatte Mühe, "ein Rennen zu kreieren"
Im Punkterennen gab dann Moritz Augenstein seinen ersten WM-Einsatz in Shanghai. Der Baden-Württemberger belegte in dem von Mark Stewart gewonnenen Rennen den sechsten Rang. “Ich hatte eigentlich gedacht, dass in dem Rennen mehr passieren würde, aber die Leistungsdifferenz der besten zehn Fahrer zu den nächsten war ziemlich deutlich und wir haben uns ständig neutralisiert. Es war echt schwer, ein Rennen daraus zu kreieren“, schilderte Augenstein.
Silber ging an den Franzosen Benjamin Thomas vor dem etwas überraschenden Bronzemedaillisten Carlos Salgueiro aus Portugal. Der Schweizer Noah Bögli wurde Neunter, Heimo Fugger aus Österreich, der mit 18 Jahren sein WM-Debüt in der Elite gab, landete auf Rang zehn. “Die Top Ten waren das Ziel und wenn ich ein bis zwei kleinere Dinge anders gemacht hätte, dann wäre sogar ein wenig mehr möglich gewesen. Es konnte sich aber sehen lassen", bilanzierte der junge Österreicher zufrieden.
Sato schmeißt deutsche Sprinterinnen raus
Im Sprint der Frauen standen noch die Semifinale sowie die abschließenden Medaillen-Duelle auf Programm. Die Goldmedaille sicherte sich etwas überraschend die Lokalmatadorin Yuan, die im Großen Finale die aktuelle Europameisterin Emma Finucane zweimal klar im Griff hatte. Im Kampf um Bronze setzte sich die Japanerin Mina Sato erst im dritten und entscheidenden Lauf gegen die Britin Sophie Capewell durch. Sato hatte im Achtelfinale Pauline Grabosch aus dem Bewerb bugsiert, im Viertelfinale biss sich Lea Sophie Friedrich die Zähne an ihr aus. Friedrich schloss den Wettkampf als Fünfte ab, Grabosch belegte Rang neun.
Zu einem Aufreger kam es im ersten Bewerb des Omniums der Frauen. Denn wenige Runden vor dem Ende des Scratch-Rennens löste die Australierin Maeve Plouffe einen Massensturz aus, der mehr als das halbe Feld zu Boden riss. Darunter betroffen war auch die Niederländerin Lorena Wiebes, die den Bewerb nicht mehr fortsetzen konnte. Nach dem abschließenden Punkterennen sicherte sich die Britin Morris den Sieg vor der Japanerin Tsuyaka Uchino. Bronze ging an die Dänin Amalie Dideriksen. Mitfavoritin Lotte Kopecky belegte nur Rang sieben, die Schweizerin Michelle Andres wurde Elfte, Lea Lin Teutenberg, die ebenfalls in den schweren Massensturz verwickelt war, landete auf Rang 16.
Zwei Deutsche im 1.000-Meter-Finale
Im Zeitfahren über 1.000 Meter holte der Niederländer Jeffrey Hoogland seinen fünften WM-Titel in dieser Disziplin. Er setzte sich vor dem Franzosen Etienne Oliviero und dem Briten Joseph Truman durch. Maximilian Dörnbach, der Vizeweltmeister im Keirin, wurde Sechster. “Ich hätte gedacht, dass die Bahn ein wenig schneller ist. Für mich ist der Bewerb ein guter Abschluss, denn die Zeiten in der Qualifikation und im Finale waren fast identisch“, schilderte der Deutsche, der nach seiner Medaille müde wirkte: “Ich habe nicht gut geschlafen, war erst nach Mitternacht im Bett und nach vier Stunden schon wieder wach.“
Mit Benjamin Boos schaffte es ein weiterer Deutscher in das Finale der besten Acht. Der Anfahrer des Teamverfolgers wurde Siebter. “Ich stand zum ersten Mal beim Kilometer am Start bei Weltmeisterschaften und es ist überraschend gut gelaufen. Ich wollte eine Bestzeit fahren, kam für mich überraschend sogar ins Finale und versuchte dort noch draufzulegen. Das ging aber schwerer als erwartet. Ich habe mich heute aber gut gefühlt und bin zufrieden“, resümierte er.




