St. Pauli ärgert sich: Warum gab es diesen Elfer nicht?

Anzeige

FC St. Pauli

„Ich kann es nicht verstehen...“: Elfer-Wut nach St. Paulis heißem Neustart 

Fürths Verteidiger Jannis Heuer erwischte im Kopfballduell Ricky-Jade Jones nur im Gesicht. Einen Strafstoß gab es dafür aber nicht.
IMAGO/Susanne Hübner, Susanne Huebner

St. Pauli startet mit einem 1:1 gegen Fürth in die Zweitliga-Saison. Neben starken Paraden von Ben Voll sorgt vor allem eine umstrittene Elfmeter-Szene in der Nachspielzeit für Diskussionen.

Der FC St. Pauli ist zurück in der Zweitklassigkeit – ohne Ausrufezeichen. Zum Auftakt kamen die Kiezkicker am heimischen Millerntor gegen Greuther Fürth nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und konnten sich trotz einer ordentlichen Leistung bei großer Hitze auch bei ihrer neuen Nummer eins Ben Voll bedanken, dass sie keinen Fehlstart in die neue Spielzeit hinlegten. Ärger und Verwirrung gab es wegen eines nicht gegebenen Elfmeters in der Nachspielzeit. Kein Foul, obwohl sogar Blut geflossen war, sondern nur ein „Unfall“? Bis weit nach Spielende wurde darüber diskutiert.

Applaus für die eigene Mannschaft gab es nach dem Abpfiff im Backofen Millerntor, großen Jubel aber nicht. Dafür fehlten nach intensiven 98 Minuten vor 29.218 Zuschauenden ein Tor und zwei Punkte mehr, kurz: ein Sieg bei der Rückkehr ins Unterhaus nach zwei Jahren Bundesliga.

„Schwierig“ sei die Stimmungslage, räumte der neue Abwehrchef Marcus Mathisen nach der schweißtreibenden Partie ein. Der Däne hatte St. Pauli unmittelbar nach Wiederanpfiff mit einem wuchtigen Kopfball nach einer Ecke des Ex-Fürthers Branimir Hrgota in Führung gebracht (46.) – eine Co-Produktion der einzigen beiden Neuzugänge in der Startelf. Beim schnellen 1:1-Ausgleich durch Klaus (52.) war Mathisen dann allerdings ebenfalls beteiligt. Er hätte „ein bisschen enger an ihm dran sein“ können, befand der ansonsten richtig starke Däne selbstkritisch.

Anzeige

St. Pauli hat bei den Zahlen die Nase vorn

St. Paulis neuer Trainer Marcel Rapp attestierte seiner Mannschaft eine grundsätzlich gute Leistung. Das Bestreben, immer nach vorn zu spielen und ein Tor erzielen zu wollen, sei über die gesamte Spieldauer sichtbar gewesen, allerdings hätten häufig Kleinigkeiten zum zweiten oder dritten Treffer gefehlt.

Anzeige

Die WochenMOPO 32/2026

Drei Wochenpost-Cover auf rotem Hintergrund, das mittlere Heft im Fokus.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

• Klimawandel: Platzt nun der Traum vom Sommerurlaub im Süden?

• Autoscooter: 100 Jahre Vollgas, Rammen, Anbaggern

• 16 Seiten Sport: Irvines Abgang und die Folgen für St. Pauli

• 40 Seiten Rätsel und Kultur: Maximale Metal-Power beim „Elbriot“, das MS Dockville und vieles mehr

„Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der Gegner Chancen bei Kontern hatte“, so der Coach. „Das war der Makel. Da müssen wir besser werden.“ Abgesehen von den beiden Toren waren es die größten Chancen der Partie, die St. Paulis neuer Stammtorwart Voll in Klassemanier vereitelte. Damit avancierte der 25-Jährige zum besten Kiezkicker auf dem Platz.

Voll rettet St. Pauli mehrfach vor dem Rückstand

Anzeige

Bei den Spieldaten hatten die Gastgeber leicht die Nase vorn, ob bei Ballbesitz (58:42 Prozent), Torschüssen (18:15), Ecken (9:2), gewonnenen Zweikämpfen (54:46 Prozent) oder Luftduellen (65:35 Prozent). Dennoch ging die Punkteteilung angesichts der Fürther Großchancen in Ordnung.

Ben Voll von St. Pauli pariert im Millerntorstadion einen Schuss von Felix Klaus.
Ben Voll zeigte gegen Fürth mehrere starke Paraden (wie hier gegen Felix Klaus)
IMAGO/Oliver Ruhnke

Der größte Aufreger war – noch vor Arkadiusz Pyrkas sekundenlangem Brüll-Jubel im Gesicht von Gegenspieler Klaus nach einem gewonnenen Sprintduell samt Grätsche, für den der Pole Gelb sah – die Elfmeter-Szene in der Nachspielzeit.

Jones blutet – doch Osmers gibt keinen Elfmeter

Im Kampf um einen hohen Ball im Fürther Strafraum hatte der eingewechselte St. Pauli-Stürmer Ricky-Jade Jones den Ball zuerst erwischt und an Gegenspieler Heuer vorbeigelegt. Der kam zu spät und traf Jones im Gesicht. Ein Volltreffer. Jones ging benommen zu Boden, blutete aus der Nase und musste minutenlang behandelt werden. Foul und Elfer? Oder unglücklicher Zusammenprall und deshalb kein Strafstoß? Das war die Frage. Schiedsrichter Harm Osmers legte sich ziemlich schnell auf Letzteres fest. Zum Unmut der Braun-Weißen.

„Auf jeden Fall ein Elfmeter, weil der Abwehrspieler zu spät kommt“, urteilte Rapp nach dem Spiel am Sky-Mikro. „Wenn er ihn am Boden am Fuß trifft, wäre es wahrscheinlich auch Elfmeter.“

Bornemann widerspricht der „Unfall“-Auslegung

Auch Sportchef Andreas Bornemann war mit Osmers Auslegung, die Szene sei ein „Unfall“ gewesen, nicht einverstanden. „Ich unterstelle nicht, dass er ihn absichtlich abräumt. Aber zuerst am Ball zu sein und am Ende daran gehindert zu werden, weiterzulaufen und vielleicht eine klare Abschlusschance zu haben, ist aus meiner Sicht eine Verhinderung einer Torchance. Und das ist nach Regel eigentlich ein Elfmeter.“ Und Hrgota meinte: „Dann darfst du leider nie Elfmeter geben, weil jeder Elfmeter immer ein Unfall ist.“

Die Gegenrede lieferte wenig überraschend Gäste-Trainer Heiko Vogel, der die Auslegung für korrekt hielt. „Das ist kein Elfmeter, sonst hast du zwölf bis 14 Elfmeter pro Spiel.“ Unstrittig ist, dass seine Mannschaft in dieser Szene Glück gehabt hatte, denn der neutrale TV-Experte Torsten Mattuschka befand: „Für mich ist es ein Elfmeter. Jones ist vor Heuer am Ball. Ich kann es nicht verstehen, wenn da gesagt wird, das sei ein Unfall.“

Rapp schlägt versöhnliche Töne an

Dennoch schlug Rapp am Ende versöhnliche Töne an – anders als sein Vorgänger Alexander Blessin, dessen Ärger über aus seiner Sicht falsche Schiedsrichterentscheidungen meist deutlich länger anhielt. Referee, vierter Offizieller und VAR seien „gute Leute“, so Rapp, „deswegen werden die schon die richtige Entscheidung getroffen haben.“

Der Blick geht nach vorn. Für St. Pauli und auch den neuen Trainer steht nun die nächste wichtige und zugleich besondere Aufgabe an. Die Kiezkicker spielen am Freitag in Kiel, Rapps Wirkungsstätte bis Februar.

Für Rapp geht es nun zurück nach Kiel

„Es ist, wie es ist. Ich werde ein paar mehr Hände schütteln“, ansonsten sei es vor allem ein normales Auswärtsspiel. Er fokussiere sich voll auf sein eigenes Team.

„Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn das Ergebnis nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben.“ Es hätte schon was, wenn Rapp und St. Pauli ihren ersten gemeinsamen Dreier an der Förde feiern.

Anzeige

Anzeige