Stand: 21.09.2026, 07:54 Uhr
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Eine Analyse hat enthüllt, welche Pflanzen die Bienen von Imker Erwin Heberer in diesem Jahr angeflogen haben. Das Ergebnis überrascht ihn selbst.
Heusenstamm – In voller Imker-Montur betritt Erwin Heberer sein Grundstück an der Martinseestraße. Kaum ist er bei seinen Bienenvölkern angekommen, bekommt er bereits Besuch: Eine Biene schwirrt auf ihn zu, kreist prüfend um seinen Kopf und scheint kurz zu kontrollieren, wer sich da den Stöcken nähert. Dann zieht sie weiter. Heberer bleibt gelassen. Seit fünf Jahren hält der Rentner Bienen – hobbymäßig, wie er betont. „Ich bin so gesehen noch Jung-Imker“, sagt der Heusenstammer und lacht.
Was seine Bienen in einem Jahr gesammelt haben, interessiert ihn besonders. Deshalb lässt Heberer seinen Honig jedes Jahr analysieren. Nicht, um ihn teurer zu verkaufen oder mit einem besonderen Etikett zu versehen, sondern aus reiner Neugier. Die Analyse zeigt dabei nicht nur, ob Brom- oder Himbeeren im Honig gelandet sind. Sie schlüsselt die einzelnen Pflanzenarten erstaunlich genau auf. „Da sind verschiedenste Brombeeren aufgeführt: Armenische, Schleichers oder Dreigrifflige Brombeere – ich sehe da kaum Unterschiede, aber die Analyse zeigt auch solche Details.“

Wegen ihrer blauen Farbe: Wald-Vergissmeinnicht bei Insekten beliebt
Im vergangenen Jahr war das Ergebnis noch wenig überraschend: Brom- und Himbeeren machten den größten Anteil aus. Rund um die Bienenstöcke wachsen schließlich zahlreiche Sträucher, die den Insekten reichlich Nahrung bieten. In diesem Jahr aber trägt Heberers Honig eine ganz andere Handschrift: 68,77 Prozent stammen vom Wald-Vergissmeinnicht. Dahinter – weit abgeschlagen – landet Raps mit 14,34 Prozent.
Die kleine Pflanze mit den zarten blauen Blüten ist zunächst nicht auffällig unter den Futterpflanzen. Das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) wächst unter anderem an Wald- und Wegesrändern, in Gebüschen, auf Waldschlägen und in Hochstaudenfluren. Von Mai bis Juni steht es in voller Blüte. Dass es den Bienen besonders ins Auge fällt, hat jedoch einen Grund: Für sie ist die Pflanze offenbar attraktiver, als es ihr unscheinbares Erscheinungsbild vermuten lässt. „Die Bienen mögen das Vergissmeinnicht besonders wegen seiner blau strahlenden Farbe und weil der Pollen sehr fein ist“, sagt Heberer. Die feinen Pollen ließen sich leicht aufnehmen und auch wieder abgeben.

Der Zeitpunkt passt ebenfalls. Heberer hat seinen Honig in diesem Jahr bereits im Mai geerntet – genau zu jener Zeit, in der das Wald-Vergissmeinnicht blüht. Die Analyse legt deshalb nahe, dass die Bienen in dieser Zeit besonders häufig auf den blauen Blüten unterwegs waren. Dabei ist die Pflanze durchaus anspruchsvoll: Längere Trockenheit verträgt sie nicht, sie braucht einen gleichmäßig feuchten Boden. Dass sie in diesem Frühjahr rund um Heusenstamm dennoch so reichlich vertreten war, überrascht daher umso mehr. Zumal April und Mai in der südlichen Mitte und im Süden Deutschlands vergleichsweise trocken waren und die Bodenfeuchte deutlich unter dem langjährigen Mittel lag.
„Geschmacksunterschied ist extrem“: Honig bringt jedes Jahr neue Aromen
Für Heberer ist das Ergebnis vor allem ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich der Inhalt eines Honigglases von Jahr zu Jahr verändern kann. „Den Geschmacksunterschied merkt man ganz extrem“, sagt er. Mal schmeckt der Honig stärker nach den Früchten und Blüten, die rund um seine Bienenstöcke wachsen, mal bringt er ganz andere Aromen mit. In diesem Jahr steckt darin offenbar eine überraschend große Portion Wald-Vergissmeinnicht.