Inninger Geschichtsblatt endet nach 20 Jahren – aber nicht für immer

Stand: 24.08.2026, 08:21 Uhr

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Ein Ausschnitt aus einer Apian-Karte von der region am Ammersee von 1568. Als wichtige Wegeverbindung ist bei genauem Hinsehen die Stegener Brücke zu erkennen, über die heute die A96 führt.

Ein Ausschnitt aus einer Apian-Karte von der Region am Ammersee von 1568. Als wichtige Wegeverbindung ist bei genauem Hinsehen die Stegener Brücke zu erkennen, über die heute die A 96 führt. © Apian

Der Verein Heimatgeschichte veröffentlicht im Oktober das letzte jährliche Geschichtsblatt über „Krieg, Pest und Notzeiten". Die 80-jährige Vorsitzende Jutta Göbber hat dafür 20 ihrer über hundert Zeitzeugeninterviews verwertet.

Inning – Mit dem Inninger Geschichtsblatt Nummer 20 über „Krieg, Pest und Notzeiten“, das im Oktober veröffentlicht wird, verabschiedet sich der Verein Heimatgeschichte von einer lieb gewordenen Tradition. „Wir werden weiter Geschichtsblätter veröffentlichen, aber nicht mehr unter dem jährlichen Zeitdruck“, sagt Jutta Göbber. Die 80-Jährige ist das Gesicht des Vereins und Vorsitzende seit seiner Gründung im Jahr 2010. Der Verein ist der Nachfolger des heimatgeschichtlichen Arbeitskreises, der seit 1997 unter dem Dach des Inninger Kulturkreises Heimatforschung betrieben hatte. Die ersten Geschichtsblätter waren unter seiner Ägide erschienen. Ab 2010 ist der Verein Heimatgeschichte der Herausgeber.

Jutta Göbber hat an 18 von den bald 20 Geschichtsblättern als Autorin mitgewirkt. Heft Nummer 1 war eine autobiografische Erzählung, erschienen 2007. Jährlich folgten neue Ausgaben, viele sind vergriffen. Von wenigen Publikationen gibt es noch Exemplare, die im Gemeindearchiv erhältlich sind, um das sich die Heimatforscher bis 2025 allein und ehrenamtlich gekümmert haben. Seit 2025 beschäftigt die Gemeinde Inning dort auch die Kunsthistorikerin Andrea Handke. Verein und Gemeindearchivarin arbeiten Hand in Hand.

Seit sie sich mit Heimatforschung in Inning beschäftigt, hat Jutta Göbber Zeitzeugeninterviews geführt. „Es müssen weit über hundert sein. Die kann ich jetzt verwenden“, freut sich die 80-Jährige. In den Geschichten, die die Alten erzählten, spielte der Krieg fast immer eine Rolle. Darum war es schon lange ein Wunsch von Jutta Göbber, das Thema Krieg in einer Ausgabe der Inninger Geschichtsblätter aufzugreifen. Und dieses Mal ist sie Allein-Autorin.

Auf knapp 110 Seiten erzählt sie von „Krieg, Pest und Notzeiten“, von Angst und Hoffnung in Inning und in der Region. Sie berichtet vom Dreißigjährigen Krieg und der großen Bedeutung der Brücke in Stegen dabei. Von der nicht belegten, aber anzunehmenden Geschichte, dass die Inninger Frauen und Kinder in den Kellern im Kellerberg vor den Schweden versteckten. Inhalte aus 20 ihrer Zeitzeugeninterviews ergänzen die Geschichte Innings im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. „Große Schlachten fanden bei uns nicht statt“, schreibt Jutta Göbber im Vorwort. „Die Fronten verliefen woanders. Doch die verschiedenen gegnerischen Truppen zogen häufig durch unser Gebiet und wüteten in den Dörfern.“

Jutta Göbber tritt bei Wahl wieder an

„Ich habe bis zuletzt alle Interviews mitgeschrieben, nie aufgenommen“, erzählt Jutta Göbber. „Und ich habe die Interviews immer gegenlesen lassen“, sagt sie. „Nur einer hat etwas gestrichen. Das hab’ ich dann auch weggelassen. Ich hatte das Vertrauen der Menschen, das wollte und will ich nicht missbrauchen.“ So hält sie es bis heute – auch im Inninger Geschichtsblatt Nummer 20, für dessen Layout und Bildbearbeitung komplett ihr Stellvertreter Franz Meier verantwortlich ist. „Wir konnten dadurch eine Menge Geld sparen“, freut sie sich. Ergänzt werden die Berichte durch Inhalte aus Postkarten und Feldpost, zum Beispiel von einer Karte vom 12. März 1918, auf deren Rückseite steht: „Alle meine Lieben! Eine Ansicht von unserem Heim, fein und zart, aber hart. Läuse und Flöhe hüpfen in die Höhe. Auf ein Wiedersehen...“

Wer meint, dass sich die Vereinsvorsitzende mit dem Heft Nummer 20 im Alter von 80 Jahren von der Heimatforschung verabschiedet, irrt gewaltig. Bei den Neuwahlen, die in der Jahresversammlung im September auf der Tagesordnung stehen, wird sie noch einmal kandidieren. Als Vorsitzende wird sie dann im Oktober auch die neueste Ausgabe der Geschichtsblätter präsentieren.