Besorgniserregender Insolvenz-Trend setzt sich fort – eine Branche überrascht aber

Stand: 06.08.2026, 18:12 Uhr

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Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte bleiben die Insolvenzen auf immens hohem Stand. Auch in den nächsten Monaten rechnen Ökonomen „mit sehr vielen Insolvenzen“.

Halle/Saale – Geopolitische Krisen, die mehrjährige Rezession sowie konjunkturelle Stagnation setzen Unternehmen im Land schon lange sichtlich zu. Unter welch gravierendem Druck die deutsche Wirtschaft steht, wurde etwa mit den Ende Juni (23. Juni) veröffentlichten Zahlen zu Unternehmensinsolvenzen für das erste Halbjahr 2026 deutlich. 

Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte bleiben die Insolvenzen auf immens hohem Stand. Auch in den nächsten Monaten rechnen Ökonomen „mit sehr vielen Insolvenzen“.

Fotomontage aus Bäckerei-Auslage, Autoproduktion und Supermarkt-Regal © dpa | Sebastian Kahnert, dpa | Sven Hoppe, dpa | Heiko Rebsch

Im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2025 stiegen die Unternehmensinsolvenzen Creditreform zufolge im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf rund 12.900 Fälle. Wie nun bekannt wurde, hält die Misere auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte an. 

Insolvenzen lagen im Juli 7 Prozent über denen des Vorjahresmonats

Dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge mussten im Juli insgesamt 1689 Personen- und Kapitalgesellschaften im Bundesgebiet Insolvenz anmelden. Dies teilte das IWH am Donnerstag mit. Damit ging die Zahl der Unternehmenspleiten im Vergleich zum Vormonat Juni zwar um knapp 1 Prozent zurück, doch unter Bezugnahme auf eine Langfrist-Perspektive zeichnen die Juli-Insolvenzzahlen ein alles andere als positives Bild.

Im Vergleich zum Juli 2025 stiegen die Insolvenzen im Bundesgebiet nämlich um ganze sieben Prozent an. Und auch im Vergleich zu einem durchschnittlichen Juli der Prä-Corona-Pandemiejahre liegen die aktuellen Insolvenzzahlen n-tv zufolge auf sehr hohem Niveau. Gegenüber den Durchschnittswerten der Jahre 2016 bis 2019 wurden im Juli gar 75 Prozent mehr Insolvenzen verzeichnet. 

Dem IWH-Insolvenztrend zufolge waren im Juli darüber hinaus in den größten zehn Prozent aller insolventen Unternehmen insgesamt über 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Außerdem waren in der Industrie mit knapp 6000 Jobs etwas mehr von Insolvenzen betroffen als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate.

Finanz- und Versicherungsdienstleister weisen höchste Insolvenzzahlen seit Messbeginn durch das IWH auf

Von den IWH-Ökonomen selbst hieß es zur neu veröffentlichten Statistik, die Insolvenzzahlen lägen auf einem „außergewöhnlich hohen Niveau“. Aus der neuen Juli-Insolvenzstatistik geht aber auch ein besonders auffälliger Einzelaspekt hervor: Im Juli nämlich wurden im Sektor unternehmensnahe Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern die höchste jemals im Insolvenztrend erfasste Anzahl an Insolvenzen gemessen. Ungewöhnlich niedrig fiel dagegen die Zahl neuer Insolvenzen im Gastgewerbe aus.

„Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen“, gab IWH-Insolvenzforschungsleiter Steffen Müller zu bedenken. Gerade die finanziellen Reserven vieler kleinerer Unternehmen seien durch die lang anhaltende Rezession im Land inzwischen aufgebraucht. (Verwendete Quellen: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Creditreform, n-tv)