Stand: 09.10.2026, 20:00 Uhr
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Lilly Wiedemann ist selbst überrascht von dem Wirbel, den sie da ausgelöst hat: Ihr Gemälde, das einen schlafenden Wiesn-Besucher zeigt, ist zum Internet-Hit geworden. Ein Rausch der Kunst – im doppelten Sinne.
München – Da flackt er, der Mann. Er kommt von der Wiesn und hat es sich auf einer Bank in der U-Bahnstation Max-Weber-Platz bequem gemacht. Dieser Rausch versetzte die Künstlerin Lilly Wiedemann (24) auch in einen – allerdings kreativen. Und so malte sie das Foto, das auf Instagram viral ging, auf Leinwand in Öl.
Ergänzte das angeschnittene Foto und bot es auf Ebay zum Verkauf an. Am Donnerstag (8. Oktober) um 17 Uhr war die Online-Auktion vorbei – und Lilly um über 1000 Euro reicher.
Szene mit Wiesn-Besucher geht im Internet steil: „Ich bin überwältigt“
Lilly, die im südöstlichen Großraum München lebt, ist begeistert. „Damit hätte ich nie gerechnet, ich bin überwältigt“, sagt sie uns am Telefon. Dass mittlerweile viele Internet-Surfer ihr eigenes Gemälde abmalen und ebenso online stellen, stört sie nicht weiter.

Sie freut sich doppelt, dass sich mittlerweile das „Original“ – also nicht die Foto-Vorlage, sondern der echte Rausch-Mann – bei ihr gemeldet hat. „Er ist ganz begeistert und will auch nicht am Verkaufserlös beteiligt werden, sondern hat nur um ein, zwei Kunstdrucke gebeten, falls ich das Motiv drucken lassen sollte“, erzählt uns Lilly. „Klar mache ich das, er war ja meine Muse.“
Künstlerische Begabung liegt in der Familie
Lilly hat in München studiert – aber nicht Kunst, auch wenn jeder in ihrer Familie sehr künstlerisch veranlagt ist. „Mein Bruder kann toll zeichnen, meine Mutter schneidert wunderbare Kleider, und von meinem Vater habe ich das Mal-Gen“, zählt die gebürtige Altöttingerin auf.
Lilly hat Wirtschaftspsychologie studiert. Was hilft es den schönsten Bildern, wenn sie keiner kennt? Nun ist sie Vertriebsmitarbeiterin und malt, wann immer sie Zeit hat oder sie die Muse küsst.
„Die Hose habe ich zuerst gemalt“
Wie bei dem Mann mit der Lederhosn. „Die Hose hat mich sofort angesprochen, die habe ich auch zuerst gemalt und dann gepostet. Ich finde Feedback immer sehr hilfreich.“
Überhaupt das Internet. Hier entdeckt sie etliche Motive für ein mögliches späteres Gemälde. Dafür hat sie einen dicken Ordner angelegt mit Fotos aus dem Netz und auch eigenen. Zum Beispiel: ein Paar vor einem Gemälde. Das hat sie in der Alten Pinakothek gemacht. „Das Foto war eigentlich eine Raum-Ansicht, und erst beim näheren Hinschauen daheim habe ich die beiden entdeckt.“ Sie zoomte das Paar groß und verewigte es in Öl.
Ein Wochenende Arbeitszeit für einen Internet-Hit
Für ein Gemälde benötigt Lilly ca. 30 Stunden, je nach Detailreichtum. Aber ihren bisherigen Hit hat sie an nur einem Wochenende geschaffen.
Ob der rauschende Erfolg in den Medien sie zu einem weiteren Bild dieser Art inspiriert? Was sagt die Wirtschaftspsychologin in ihr? „Ich glaube, das wäre falsch, und ich will auch nicht auf dieses Motiv festgelegt werden.“ Dazu ist das Leben viel zu bunt.
Aber „Schlafender Mann in Lederhose“, so nennt Lilly ihr Werk, ist auf jeden Fall ein hellwacher Karriere-Anschieber. Irgendwann von Kunst allein zu leben, davon träumt sie schon. „Ich glaube: Das tut jeder, der künstlerisch tätig ist.“