Iran-Eskalation: Hormus für geschlossen erklärt – Ölpreis im Fokus

Hormus-Krise spitzt sich zu - Ölpreise im Fokus
Grafik: ChatGPT

Die Lage im Nahen Osten droht erneut zu eskalieren. Nachdem die USA den Iran innerhalb einer Woche bereits zum dritten Mal angegriffen haben, reagierte Teheran mit neuen Raketen- und Drohnenangriffen auf mehrere US-Verbündete und erklärte die Straße von Hormus erneut für geschlossen. Damit rückt der Ölpreis zum Wochenstart wieder in den Fokus der Finanzmärkte. Entscheidend wird nun sein, ob aus der militärischen Eskalation erneut eine höhere Risikoprämie am Ölmarkt entsteht.

Iran-Krieg: Neue Angriffe verschärfen die Lage

Wie Bloomberg berichtet, haben die USA den Iran innerhalb einer Woche bereits zum dritten Mal angegriffen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) ordnete Präsident Donald Trump die jüngsten Luftschläge an, nachdem iranische Streitkräfte ein unter zyprischer Flagge fahrendes Containerschiff im Golf von Oman attackiert hatten. Der Frachter wurde schwer beschädigt, ein Besatzungsmitglied gilt weiterhin als vermisst.

Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf mehrere US-Verbündete in der Region, darunter Jordanien, Katar, Kuwait und Bahrain. Gleichzeitig erklärte die iranische Revolutionsgarde (IRGC), die Straße von Hormus bleibe „bis auf Weiteres“ für den Schiffsverkehr geschlossen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth reagierte mit deutlichen Worten: „Iran hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Jetzt zahlt er den Preis.“

Auch die Revolutionsgarden verschärften den Ton. Die USA versuchten, „Störungen im Süden der Straße von Hormus zu schaffen“, indem sie mehrere Schiffe provozierten, erklärte die IRGC. US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag auf seiner Plattform Truth Social zudem, die Waffenruhe sei „vorbei“ („The Cease Fire is OVER!“). Gleichzeitig signalisierten beide Seiten laut Bloomberg weiterhin grundsätzlich Gesprächsbereitschaft. Die widersprüchlichen Signale unterstreichen, wie unberechenbar die Lage im Nahen Osten derzeit ist.

Straße von Hormus wird wieder zum Risiko

Die Straße von Hormus bleibt der entscheidende Schauplatz des Konflikts. Über die Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweiten Rohöl- und Flüssiggasexports transportiert. Entsprechend sensibel reagieren die Ölpreise auf jede Einschränkung des Schiffsverkehrs.

Nach Angaben des Joint Maritime Information Center bleibt die südliche Schifffahrtsroute entlang der omanischen Küste zwar geöffnet. Gleichzeitig warnte die Organisation vor einer „schwerwiegenden“ Sicherheitslage und möglichen Seeminen. Bloomberg berichtete zudem, dass am Sonntag nahezu kein regulärer Schiffsverkehr mehr in der Straße von Hormus zu beobachten gewesen sei. Lediglich zwei Tanker mit Ölprodukten näherten sich der Wasserstraße.

Hinzu kommt, dass die Revolutionsgarden nach eigenen Angaben bereits zwei Schiffe gestoppt haben. Ein Frachter sei nach einem Warnschuss an der Weiterfahrt gehindert worden, ein weiteres Schiff wegen Missachtung iranischer Anweisungen.

Steigen die Ölpreise wieder?

Für den Ölmarkt ist das eine wichtige Entwicklung. Nachdem Brent-Öl zuletzt deutlich von seinen Hochs zurückgefallen war, könnte die neue Eskalation die geopolitische Risikoprämie für die Ölpreise wieder steigen lassen.

Ein Ölpreisschock wie zu Beginn des Konflikts Ende Februar erscheint derzeit zwar unwahrscheinlich. Solange die südliche Route offen bleibt und es nicht zu einer vollständigen Blockade kommt, dürfte das globale Ölangebot zunächst gesichert bleiben. Dennoch könnte die wachsende Unsicherheit ausreichen, um die Ölpreise wieder nach oben zu treiben.

Entscheidend wird sein, ob sich der Schiffsverkehr in den kommenden Tagen normalisiert oder die Einschränkungen weiter zunehmen. Davon dürfte maßgeblich abhängen, wie stark die Ölpreise auf die jüngste Eskalation reagieren.

Darauf sollten Anleger zum Wochenstart achten

Auch an den Finanzmärkten wächst die Nervosität. Die Wochenendkurse von IG Markets signalisierten bereits eine vorsichtigere Stimmung. Der DAX notierte zuletzt rund 100 Punkte unter seinem Freitagsschluss, der Dow Jones ebenfalls leicht im Minus und Bitcoin gab ebenfalls nach. Zwar besitzen diese Kurse nur eine begrenzte Aussagekraft für den regulären Montagshandel, sie zeigen jedoch, dass Anleger die jüngsten Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

Neben der Lage in der Straße von Hormus dürften in dieser Woche auch die US-Inflationsdaten in den Mittelpunkt rücken. Am Dienstag werden die Verbraucherpreise, am Mittwoch die Erzeugerpreise veröffentlicht. Sollten steigende Ölpreise den Inflationsdruck wieder erhöhen, könnte dies die Zinssenkungshoffnungen dämpfen – ein Faktor, der die Aktienmärkte zuletzt maßgeblich gestützt hatte.

Zum Wochenstart richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf den Nahen Osten. Entscheidend wird sein, ob die jüngste Eskalation den Ölmarkt nachhaltig beeinflusst oder ob die Anleger auch diese neue Zuspitzung als vorübergehendes geopolitisches Risiko einstufen.

FMW/Bloomberg

Stefan Jäger

Über den RedakteurStefan Jäger

Finanzjournalist und Trader

Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.

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