Trump und der Krieg gegen Iran: Er findet den Ausgang nicht

Trump und der Iran-Krieg

Jetzt widersprechen ihm auch die eigenen Leute


Aktualisiert am 24.09.2026 - 07:48 UhrLesedauer: 6 Min.

Während der Generaldebatte in New York wählen sowohl der US-Präsident als auch sein iranischer Amtskollege harte Worte. Im Hintergrund wird zwar wieder verhandelt, doch die US-Regierung scheint weiter keiner Lösung näherzukommen.

David Schafbuch berichtet aus New York

Donald Trump sagte am Dienstag, dass er vor einer "großen Entscheidung" stehe. Er könne mit dem Iran ein Abkommen schließen, das dem Land eine erfolgreiche Zukunft ermöglicht. "Oder soll ich die iranische Republik vernichten – und zwar schnell?", dachte der US-Präsident laut während der Generaldebatte in New York nach.

Danach fragte Trump auch, ob er das Land in die Hölle schicken solle, "ohne Überlebenschance und ohne Hoffnung auf zukünftige Größe oder nachfolgende Generationen". Es erinnerte an Äußerungen des Präsidenten aus dem vergangenen April. Trump hatte damals in Bezug auf den Iran damit gedroht, die USA könne "eine ganz Zivilisation untergehen" lassen.

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Einen Tag später sprach dann der iranische Präsident Massud Peseschkian an gleicher Stelle zu den UN. Es war ein geschichtsträchtiger Auftritt: Erstmals sprach bei der Generaldebatte der Regierungschef eines Landes, das sich gleichzeitig mit den USA im Krieg befindet.

Iran wirkt im Krieg gegen die USA nicht geschwächt

Der 71-Jährige sagte in der Generaldebatte, dass sein Land von Trump als Terrorist diffamiert wurde. Tatsächlich aber sei der Iran "Opfer des Terrorismus". Als Beispiel nannte Peseschkian die Tötung des Staatsoberhauptes Ajatollah Chamenei oder den Beschuss einer iranischen Schule. Beide Attacken gehen auf das US-Militär zurück, das sich seit Februar im Krieg mit dem Iran befindet. Aus Protest gegen Peseschkians Worte verließ die US-Delegation den Saal.

Rhetorisch schenkten sich Trump und Peseschkian kaum etwas auf der Bühne in New York. Doch es blieb dort nicht ausschließlich bei gegenseitigen Drohungen. Nach einigen Monaten diplomatischer Funkstille wurden auch neue Gespräche geführt, um den Krieg beizulegen.

Bislang deutet aber wenig darauf hin, dass sich die Verhandlungsposition der USA gestärkt hat. Im Gegenteil scheint der Iran weiter politisch an Selbstbewusstsein gewonnen zu haben – während Trump noch immer keinen Ausweg aus dem Krieg findet. Den USA könnte im Gegenteil drohen, dass sich der Krieg bald noch weiter ausbreitet.

Zwischen Trumps und Peseschkians Reden hatte es am Dienstag nach längerer Pause wieder indirekte Verhandlungen über den Krieg gegeben. An dem Treffen nahmen von US-Seite die beiden Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner teil. Für den Iran sprach Außenminister Abbas Araghtschi.

Rubio: "Ich denke, es wird einen Deal geben"

Drei Stunden habe das Treffen gedauert und sei "sehr gut" verlaufen, sagte Trump am Dienstag vor Journalisten. Witkoff schrieb auf X von einer "erfolgreichen Gesprächsrunde". Man erhoffe sich davon "konstruktive und vielversprechende" Ergebnisse. Tatsächlich war der Friedensprozess in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Die letzte Runde, bei der über ein Ende des Kriegs gesprochen wurde, fand Anfang Juli in Katar statt.

Viel mehr drang vonseiten der USA vorerst nicht nach außen. US-Außenminister Marco Rubio sprach am Mittwoch davon, dass man ein Friedensabkommen weiter für möglich halte. "Ich denke, es wird einen Deal geben", sagte Rubio vor Journalisten in New York. Aber eine solche Einigung brauche Zeit.

Gleichzeitig schloss er nicht aus, den Druck auf den Iran zu erhöhen, falls es keine Fortschritte gebe. Der US-Präsident habe dafür wirtschaftliche und militärische Möglichkeiten, sagte Rubio. Weiter ins Detail wollte er dabei nicht gehen.

Der Außenminister sah wie Trump am Vortag auch einen Zusammenhang mit den Verhandlungen und den kommenden Zwischenwahlen in den USA. Wie der US-Präsident behauptete der Minister, der Iran würde die Ergebnisse der Wahlen abwarten, ehe das Land für einen Deal bereit sei. Denn das Regime in Teheran erhoffe sich, dass der US-Präsident die Wahl verliert.

"Verstehen unser System nicht sehr gut"

Laut Rubio mangelt es dem Iran offensichtlich an Kenntnissen über das politische System der USA. Zwar ist es richtig, dass Trumps republikanische Partei bei den Zwischenwahlen als Verlierer hervorgehen könnte. Der Präsident wird aber nicht selbst auf den Stimmzetteln stehen. Stattdessen wird im November ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus des Kongresses wiedergewählt. "Ich glaube, sie verstehen unser System nicht sehr gut", meinte der Außenminister dazu.

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Wie genau Rubio und Trump zu dieser Einschätzung gekommen sind, ist unklar. Allerdings können beide damit begründen, warum eine Einigung mit dem Iran bis zu den Wahlen Anfang November nicht mehr möglich sein könnte. Dabei wird der Druck, einen Ausweg aus dem Krieg zu finden, für die USA immer größer. In der vergangenen Woche hatte das Pentagon erstmals öffentlich eingeräumt, dass das US-Militär unter Munitionsmangel leidet. Trump und andere US-Vertreter hatten entsprechende Berichte zuvor stets dementiert.

"Funktioniert definitiv nicht"

Zusätzlich verursacht die Blockade der Straße von Hormus auch in den USA weiterhin hohe Spritpreise. Aktuell liegt der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin (3,8 Liter) laut dem Automobilklub AAA bei 4,50 Dollar. Vor rund einem Jahr war das Benzin mit im Schnitt 3,20 Dollar noch um etwa 40 Prozent günstiger.

Noch deutlicher ist der Anstieg bei Diesel: Dort kostet die Gallone aktuell im Schnitt 6,50 Dollar. Damit ist der Preis im Vergleich zu Vorjahr um rund 76 Prozent gestiegen. US-Präsident brachte aus diesem Grund am Dienstag eine neue Maßnahme ins Spiel: Trump sagte, man prüfe einen Exportstopp für Diesel.

Trump erhofft sich durch die Maßnahme eine Entlastung der Preise. Allerdings erhielt er dafür ungewohnten Gegenwind von Mitgliedern seiner Regierung. "Das grobe Instrument eines Exportverbots für Diesel funktioniert definitiv nicht", sagte US-Energieminister Chris Wright in New York.

Stattdessen könnte der Preis für Benzin und Kerosin dadurch sogar noch steigen. Denn der Kraftstoff müsste dann länger in den USA gelagert werden. Die Folge: Die Ölunternehmen müssten ihre Produktion drosseln, was den Preis noch einmal erhöhen könnte. Auch US-Innenminister Doug Burgum hatte bereits öffentlich vor einem Exportstopp gewarnt, weil andere Länder darauf mit Gegenmaßnahmen reagieren könnten.

Der Iran ließ unterdessen verkünden, dass man während der Gespräche am Dienstag eine Liste an Bedingungen für ein Ende des Kriegs gestellt habe. "Solange unsere Bedingungen nicht erfüllt sind, wird die Straße von Hormus nicht geöffnet und wir werden nicht verhandeln", sagte Mohsen Resai, Generalsekretär des mächtigen Sicherheitsrats.

Neues Problem im Jemen

Zu diesen Bedingungen gehörten laut Medienberichten etwa das Ende der US-Blockade in der Meerenge, die Auszahlung eingefrorener iranischer Vermögenswerte und das vollständige Ende aller Kampfhandlungen. Auf ähnliche Punkte hatten sich beide Staaten eigentlich schon im Juni geeinigt. Doch Trump hatte später das Abkommen für nichtig erklärt und stattdessen größere Zugeständnisse des Iran gefordert.

Dazu ist es bislang nicht gekommen. Stattdessen drohen die USA, auch durch den Krieg im Jemen weiter unter Druck zu geraten. Durch eine Blitzoffensive ist es den dortigen Huthi-Rebellen zuletzt gelungen, die Westküste des Landes zu erobern. Die Miliz, die vom Iran unterstützt wird, ist dadurch in der Lage, die Meerenge Bab al-Mandab zu kontrollieren.

Dadurch kann die Miliz einen weiteren essenziellen Korridor für den Welthandel versperren: Vom Mittelmeer über den Suezkanal gelangen Schiffe zunächst in das Rote Meere, ehe sie durch die Meerenge in den Indischen Ozean weiterfahren können.

Laut den Huthis sollen aktuell lediglich Schiffe aus Saudi-Arabien an der Durchfahrt gehindert werden. Für den Golfstaat ist das allerdings ein Problem: Denn wenn das Land Öl verschifft, muss es entweder durch die Straße von Hormus oder durch Bab al-Mandab.

Greifen die USA im Jemen ein?

Laut US-Medien soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Trump deshalb schon um militärische Hilfe gegen die Huthis gebeten haben. Am Wochenende soll der Präsident ein Eingreifen aber abgelehnt haben. Dem Sender Fox News sagte der Präsident, dass die Huthis bislang zugesagt hätten, US-Truppen in der Region nicht anzugreifen.

Ob es dabei bleiben wird, ließ Marco Rubio am Mittwoch offen. Der US-Außenminister hob hervor, dass die USA mit Saudi-Arabien im vergangenen Jahr ein militärisches Partnerschaftsabkommen geschlossen haben. Das Weiße Haus teilte damals mit, dass man seine Rolle als "regionaler Sicherheitsförderer" stärken wolle.

"Wir werden diesen Verpflichtungen nachkommen", sagte Rubio dazu in New York. Der Präsident habe auch im Umgang mit dem Jemen mehrere Optionen. Mehr wollte der Minister öffentlich dazu allerdings nicht sagen.