Archäologische Schätze im Wallis: 2500 Jahre alte Funde aus Gletschereis

Publiziert8. Oktober 2026, 14:24

GletscherschwundWas lag da 2500 Jahre im Eis? Fund im Wallis gibt Rätsel auf

Im Unterwallis ist ein 90 Zentimeter langes Holzstück aufgetaucht. Es könnte zu einem uralten Ski oder Schneeschuh gehören.

Ammar Jusufi

Darum gehts

  • Ein Archäologe hat am Col de Barberine im Unterwallis ein 90 cm langes Holzstück entdeckt, das Teil eines 2500 Jahre alten Skis sein könnte.
  • Bereits vor drei Jahren fand Romain Andenmatten am selben Ort ein ähnliches Objekt, das per Radiokarbonanalyse ins fünfte Jahrhundert vor Christus datiert wurde.
  • Weil die Schweizer Gletscher binnen eines Jahres weitere fünf Prozent ihres Volumens verloren, können Wanderer Funde über die App «IceWatcher» dem Amt für Archäologie melden.
  • Sogar die «New York Times» widmet dem Thema eine Reportage.

Das schmelzende Eis in den Walliser Alpen gibt immer mehr Spuren aus längst vergangenen Zeiten frei. Wie der «Walliser Bote» berichtet, stiess ein Archäologe nun auf ein Holzstück, das Teil eines rund 2500 Jahre alten Skis oder Schneeschuhs sein könnte. Selbst die «New York Times» berichtet inzwischen über die Walliser Gletscherarchäologie in einer grösseren Reportage.

Entdeckt wurde das rund 90 Zentimeter lange Stück Holz am Col de Barberine im Unterwallis. Romain Andenmatten vom kantonalen Amt für Archäologie kennt den Ort bereits gut: Vor drei Jahren fand er dort auf rund 2300 Metern Höhe ein sehr ähnliches Objekt.

Zweiter Teil desselben Skis?

Eine Radiokarbonanalyse datierte den damaligen Fund laut «Walliser Bote» ins fünfte Jahrhundert vor Christus. Das zugespitzte Holz könnte zu einem Ski oder Schneeschuh gehört haben. Ob das neu entdeckte Stück tatsächlich das Gegenstück ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Solche Funde sind für Forschende besonders wertvoll. Gletschereis kann Materialien wie Holz, Leder oder Textilien über Jahrtausende konservieren. Sie geben Hinweise darauf, wie Menschen früher die Alpen überquerten. Die vermeintlich abgeschiedenen Bergpässe wurden unter anderem von Jägern, Hirten und Händlern genutzt.

Gefunden wurden in Schweizer Eisfeldern bereits eine jahrtausendealte Holzschale, ein Köcher aus Birkenrinde samt Pfeilspitzen oder eine geschnitzte Holzfigur.

Archäologen kämpfen gegen die Zeit

Dass solche Gegenstände heute zum Vorschein kommen, hat einen ernsten Hintergrund. Erst Anfang Oktober meldete das Schweizer Gletschermessnetz Glamos, dass die Schweizer Gletscher innert eines Jahres weitere fünf Prozent ihres Volumens verloren haben.

Für die Archäologie entsteht dadurch ein Wettlauf. Wie der «Walliser Bote» schreibt, beginnen organische Fundstücke nach dem Auftauen rasch zu zerfallen. Der Kanton setzt deshalb auch auf die Bevölkerung. Mit der App «IceWatcher» können Wanderer oder Bergsteiger verdächtige Funde dokumentieren und direkt dem Amt für Archäologie melden.

Was hältst du davon, dass schmelzende Gletscher immer mehr alte Fundstücke freilegen?

Das ist spannend, weil dadurch Geschichte sichtbar wird.

Das ist vor allem ein Zeichen dafür, wie stark die Gletscher schrumpfen.

Beides gleichzeitig, faszinierend und beunruhigend.

Ich finde solche Funde interessant, aber mich beschäftigt eher die Klimafrage.

Das ist für mich kein Thema.

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Ammar Jusufi

Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.

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