Italien reagiert deutlich auf deutschen Abschiebe-Plan: Meloni-Minister droht sogar mit Gegenmaßnahme
Stand: 12.08.2026, 22:52 Uhr
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Deutschland plant Abschiebungen nach Italien. In Rom ist man not amused. Melonis Außenminister droht sogar mit Gegenmaßnahmen.
Rom/Berlin – Deutschland will Mitte August erstmals wieder Asylbewerber nach Italien abschieben. Das sorgt im Land von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nicht gerade für Begeisterung. Während man sich in Berlin nur wundert und auf bestehende Absprachen verweist, droht Außenminister Tajani mit Gegenmaßnahmen.

„Wir sind etwas überrascht über die Aufregung in dieser Angelegenheit und die Meinungsverschiedenheiten mit Rom“, zitiert der italienische Corriere della Sera eine Sprecherin des deutschen Innenministeriums. Demnach arbeiten Italien und Deutschland „seit Langem gut in der Migrationspolitik“ und bei der Umsetzung des EU-Asylsystems zusammen.
Deutschland will nach Italien abschieben – Meloni-Minister droht mit Gegenmaßnahme
In Berlin verweist man auf das bilaterale Abkommen mit Italien von 2025, dass die Dublin-Regeln ab Juni 2026 wieder angewendet werden. Hier trat das neue gemeinsame EU-Asylsystem in Kraft. „Das bedeutet, dass auch Abschiebungen nach Italien erfolgen werden“, so Alexander Dobrindts Ministerium ganz selbstverständlich.
Doch in Italien rumort das Thema. Besonders nach den Vorfällen in Ceuta ist die rechte Regierung von Meloni aufgerüttelt. Dementsprechend kommen die Abschiebungen aus Deutschland politisch zur Unzeit. Laut Meloni selbst sei die Rückführung „verfrüht“. Italien behandelt die Lage eher als politisches Scharmützel – meint, die Lage sei nicht klar. Melonis Außenminister Antonio Tajani reagierte nun zudem offen gereizt.
Auf einer Pressekonferenz sagte er laut Corriere zwar ebenfalls: „Ich glaube nicht, dass es ein Problem mit Deutschland in der Dubliner-Frage gibt“. Doch dann ließ er den Satz folgen: „Ich glaube nicht, dass es ein Problem gibt, weil es ja auch noch die Angelegenheit der unter deutscher Flagge fahrenden NGO-Schiffe gibt, die Migranten in Italien an Land gebracht haben“. Laut der Tageszeitung droht Tajani Deutschland damit mehr oder minder offen mit Gegenmaßnahmen. Die Lesart des Corriere: „Wenn Deutschland Asylsuchende nach Italien zurückschickt, könnten genauso viele den umgekehrten Weg gehen.“
Die deutschen NGO-Schiffe, die Migranten aus dem Mittelmeer retten und anschließend auch italienische Häfen anlaufen, hatten in der Vergangenheit für große Aufregung in Italien gesorgt. Teils hatte es die Forderung gegeben, dass die Migranten in diesen Fällen Sache Deutschlands und nicht Italiens seien. Außenminister Tajani hatte laut Ansa schon 2023 gesagt, dass NGOs, die unter deutscher Flagge fahren, „Migranten einsammeln und in ihre Länder bringen“ sollen.
Eine 22-jährige Somalierin soll nach dem Willen Deutschlands am 19. August als Erste nach Italien abgeschoben werden. Sie hatte Italien durchquert, ohne dort Asyl zu beantragen. Den Asylantrag in Deutschland lehnte das Innenministerium aber ab. Nach den Dublin-Regeln müsse sich Italien kümmern. (Verwendete Quellen: Corriere della Sera, Ansa, dpa, frühere Berichterstattung) (rjs)
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