„Jede Kleinigkeit hilft“: Wie wohnungslose Menschen in Hamm durch heiße Tage kommen

Stand: 01.08.2026, 17:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Caritas Hamm stehen gerade an heißen Tagen im Kontakt mit wohnungslosen Personen in Hamm. Jetzt verteilt sie erstmals sogenannte Sommerhilfen.

Hamm – Die Hitzewellen treffen jeden – auch diejenigen, die oft vergessen oder auf der Straße ignoriert werden. Die, die am Abend eines heißen Sommertags nicht in eine heruntergekühlte Wohnung heimkehren können, sondern teilweise Tag und Nacht draußen verbringen. „Es ist zwar nicht so schlimm wie die Kälte im Winter“, erzählt der 54-jährige Mohammed, der seit Mitte Februar auf der Straße lebt. „Aber viele unterschätzen die Hitze und zum Beispiel einen Hitzschlag.“

Caritas Hamm verteilt Sommerhilfen an WohnungsloseAktion Team Kristina Köhler, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Caritas Hamm Mara Dondrup, Streetworkerin der Caritas Hamm und Victoria Büsing

Im Nordringpark bekommt Mohammed eine der Sommerhilfen von Streetworkerin Mara Dondrup (Mitte) in die Hand gedrückt. Hier am Kanal verbringen viele wohnungslose Personen die heißen Tage. © Robert Szkudlarek

Schon in den vorherigen Wochen waren die Caritas Hamm und Streetworker zwischendurch immer mal wieder in der Stadt unterwegs, gingen auf wohnungslose Personen zu, fragten sie nach ihren Bedürfnissen und ihrem Wohlbefinden. Jetzt, am Donnerstag, startete die Caritas Hamm erstmalig eine größere Verteilaktion, die durch die sogenannten Sommerhilfen des Landes NRW für wohnungs- und obdachlose Menschen und die WA-Hilfsaktion „Menschen in Not“ ermöglicht wurde.

Allerlei für heiße Tage auf der Straße

Rund 70 gefüllte Beutel und Wasserflaschen mit Krümeleistee standen an dem Tag für bedürftige Personen zum Abholen bereit. Die Taschen enthalten alles Mögliche, was für heiße Sommertage auf der Straße wichtig sein kann: etwa Obst oder Müsliriegel, Sonnencreme, Feuchttücher, Handfächer und eine Karte mit „Hitze-Spots“, auf der Schattenplätze oder Auffüll-Stationen für die Wasserflasche aufgezeichnet sind.

Die Sommerhilfen sind für jeden gedacht – egal, ob die Person nun auf der Straße lebt oder nicht. „Wenn alle, dann alle“, sagt Anna Eckart von der Caritas, also zum Beispiel auch Menschen mit geringem Einkommen oder gesundheitlichen Einschränkungen, für die die Hitze eine große Belastung ist. Die Beutel seien da eine kleine Geste, die aber gut ankommt. Auch Muslu Atlan holt sich am ersten Stopp der Aktion, dem Bahnhof, eine der Wasserflaschen ab. „Die sind gut“, nickt der 50-Jährige. Er war selbst 25 Jahre lang als Streetworker in der Stadt unterwegs und kennt viele Gesichter auf der Straße. „Es nimmt zu“, bemerkt er; es gebe immer mehr Frauen und Männer, die oft durch Drogenprobleme auf der Straße leben. Auch Kristina Köhler, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Caritas Hamm, sieht die Entwicklung: „Die Zahlen steigen extrem“ – aus verschiedenen Gründen wie immer häufigeren persönlichen Schicksalsschlägen oder etwa Mietschulden. Laut Statistik sind in Hamm zurzeit rund 370 Menschen wohnungslos – von der Dunkelziffer mal abgesehen, wie Eckart einwirft.

Caritas Hamm verteilt Sommerhilfen an WohnungsloseAktion Team Kristina Köhler, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Caritas Hamm Mara Dondrup, Streetworkerin der Caritas Hamm und Victoria Büsing

Wer fragt, der bekommt: Victoria Büsing von der Wohnungsnotfallhilfe der Caritas Hamm (links) überreicht Muslu Altan eine der vielen Wasserflaschen, die am Donnerstag verteilt wurden. © Robert Szkudlarek

An heißen Tagen würden sich viele von ihnen an schattigen Plätzen am Kanal und an der Lippe aufhalten, erzählt ein anderer Mann, der sich einen Beutel abgeholt hat. Der Nordringpark ist ebenfalls ein Stopp der Verteilaktion, wo auch Mohammed eine der Sommerhilfen entgegennimmt. „Ich bin froh, dass es solche Leute wie die Streetworker gibt“, sagt er. „Wir wissen das zu schätzen. Es hilft schon, wenn die mal vorbeikommen und fragen, wie es uns geht; dass wir nicht ignoriert werden. Jede Kleinigkeit hilft.“

Während der Hitzewelle Ende Juni sei Mohammeds Routine „ganz normal“ gewesen, abgesehen davon, dass er bei Freunden viel Fußball geschaut habe. Bei ihnen komme der 54-Jährige nachts zudem unter. „Aber man fühlt sich nur wohl in den eigenen vier Wänden“, wirft er ein. Auf der Straße versucht Mohammed an heißen Sommertagen, nicht so viel in die Sonne zu gehen und – auch wenn es widersprüchlich klingt – lange Kleidung als Sonnenschutz und für die Luftzirkulation zu tragen. Und ganz wichtig: „So viel wie möglich trinken“, aber keinen Alkohol. „Wenn ich aber in der Stadt in einem Laden nach einem Glas Wasser frage, werde ich angeschaut wie der letzte Asi“, bedauert Mohammed. „Ich wünsche mir da einfach Verständnis und Rücksicht. Keiner will auf der Straße leben, und wir sind ganz normale Menschen wie jeder andere.“