Autonomes Fahren
Jetzt aber wirklich: Tesla verspricht echten, selbstfahrenden Modus für Privatautos für 2027
Das soll allerdings nur in jenen Zonen gehen, wo auch Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer unterwegs sein dürfen
Andreas Proschofsky
Tesla und das Thema selbstfahrende Autos: Das ist eine reichlich komplizierte Geschichte. Seit gut einem Jahrzehnt verspricht Firmenchef Elon Musk mit unschöner Regelmäßigkeit, dass die eigenen Fahrzeuge schon bald komplett alleine und ohne menschliche Aufsicht fahren können – nur um dieses Versprechen dann wieder zu brechen.
Mit den eigenen Robotaxis hat man in dieser Hinsicht zwar zuletzt gewisse Fortschritte gemacht, derzeit bleiben diese aber auf wenige US-Bundesstaaten mit besonders laxen Verkehrsvorschriften beschränkt. Für jene, die einen Tesla selbst besitzen, gilt das aber ohnehin nicht, da gilt all das weiterhin lediglich als Assistenzsystem. Ein in der fünfteiligen Skala des autonomen Fahrens als Level 2 klassifiziertes System, bei dem jederzeit ein menschlicher Fahrer zum Eingreifen bereit sein muss. Unlängst musste Tesla gar den Namen der eigenen Software auf "Assistiertes Fahren" ändern, um eine realistische Chance auf die ersehnte europaweite Zulassung zu haben.
Full Self Driving (jetzt aber wirklich)
Nun soll aber alles anders – und zwar zur Abwechslung wirklich. Das behauptete zumindest Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy am Rande der Vorstellung der aktuellen Quartalszahlen. Bereits ab dem zweiten Quartal 2027 soll es echtes "Full Self Driving" für Tesla-Besitzer geben, berichtet Electrek. Damit soll es möglich werden, sich einfach in Ruhe auf der Rückbank auszuruhen und das Auto die gesamte Arbeit übernehmen zu lassen – wie man es von Robotaxis bereits kennt.
Klingt gut, hat aber natürlich einen Haken: All das ist auf jene fix definierten Zonen beschränkt, wo auch die Robotaxis von Tesla schon jetzt vollständig autonom unterwegs sind. Also nicht einfach gewisse US-Bundesstaaten, sondern eben Bereiche von einzelnen Städten, die vom Hersteller fix definiert sind.
Relationen
Ein Umstand, der eine gewisse ironische Qualität besitzt, immerhin war genau diese Beschränkung auf fixe Zonen immer als vermeintlicher Nachteil für Konkurrenten wie Waymo herausgestrichen worden. Doch nicht nur das, Tesla gesteht nun ein, dass man eigenen Karten benötigt, um echtes "Full Self Driving" anbieten zu können. Genau diese werden gerade aufgebaut, und sollen nach und nach verstärkt zum Einsatz kommen.
Derzeit gibt es Teslas Robotaxi-Vollbetrieb ohne Sicherheitsbeifahrer lediglich in ein paar Städten in Florida und Texas. In San Francisco ist das Unternehmen zwar auch aktiv, dort handelt es sich aber offiziell nur um einen Limousinendienst samt Fahrer wie ihn Uber auch anbietet – und keine echten Robotaxis, wie sie etwa Waymo und Zoox dort anbieten.
Klar ist damit auch: In Europa dürfte all das nicht so schnell ankommen. Immerhin ist selbst Teslas "Assistiertes Fahren" bisher auf wenige ausgewählte Staaten beschränkt. Ein echter selbstfahrender Betrieb dürfte noch ganz andere rechtliche Fragen aufwerfen. Hilfreich könnte für Tesla aber sein, dass die Konkurrenz gerade nach Europa drängt. So hat Waymo mittlerweile Testfahrten in London, München und Madrid aufgenommen. Eine Zulassung für Waymo würde aber nicht automatisch heißen, dass auch Tesla Robotaxis unterwegs sein dürfen, gelten diese doch durch den Verzicht auf zusätzliche Sensoren und die reine Nutzung von Kameras zur Erfassung des Umfelds als grundlegend weniger sicher. (apo, 23.10.2026)
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.