Klinikum Freising: Landkreis schluckt die „bittere Pille“

Stand: 23.10.2026, 20:00 Uhr

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Warum das Klinikum Freising bei Hitze an bauliche Grenzen stößt – und welche Lösungen für den Neubau geplant sind, erklärt Klinikgeschäftsführerin Maren Höntzsch.

Stand Rede und Antwort: Klinik-Geschäftsführerin Maren Höntzsch. © Klinikum

Das Defizit des Klinikums Freising wächst rasant. Der Kreistag sichert das Krankenhaus finanziell ab, fordert aber auch interne Einsparvorschläge.

Freising – Es ist eine „bittere Pille“, die der Landkreis Freising schlucken muss. Mit diesen Worten brachte Landrätin Susanne Hoyer (CSU) die schwierige Entscheidung im Kreistag auf den Punkt. Wie berichtet, benötigt das Klinikum dringend finanzielle Unterstützung. Der Landkreis springt ein – verbindet die Hilfe aber mit dem Auftrag, die Wirtschaftlichkeit des Hauses unter die Lupe zu nehmen.

„Die Situation ist keine Folge eines lokalen Missmanagements“, betonte Hoyer. Vielmehr sei das Klinikum von den strukturellen Problemen der bundesweiten Krankenhausfinanzierung betroffen. Rund 70 Prozent der Kliniken schrieben inzwischen rote Zahlen. „Unser Handeln heute sollte von zwei gleichrangigen Maximen getragen sein“, sagte die Landrätin: der Sicherung der medizinischen Notfall- und Basisversorgung einerseits und der Pflicht, die Zahlungsfähigkeit des Klinikums sicherzustellen, andererseits. Einen Blankoscheck werde der Landkreis aber nicht ausstellen.

Die Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist: Für 2025 schlägt ein testierter Jahresfehlbetrag von 7,8 Millionen Euro zu Buche. Für 2026 erwartet die Geschäftsführung zwischen elf und 12,4 Millionen Euro Minus. 2027 könnten es im Worst Case sogar 17,5 Millionen Euro werden.

Krankenhausreform kostet Millionen

Klinik-Geschäftsführerin Maren Höntzsch machte deutlich, warum die Schere zwischen Kosten und Erlösen weiter auseinandergeht. Für 2027 beziffert sie die zusätzlichen Belastungen durch gesetzliche Rahmenbedingungen auf insgesamt rund 8,1 Millionen Euro. Der größte Posten sind mit rund 3,12 Millionen Euro die Folgen höherer Prüfquoten des Medizinischen Dienstes. „Wir bekommen, grundsätzlich gesagt, für dieselbe Leistung immer weniger Geld“, erklärte sie.

Warum Freising sein Krankenhaus dennoch braucht, begründete die Geschäftsführerin mit der bestätigten Einstufung als Level-2-Haus, der unverzichtbaren Notfallversorgung für einen Landkreis mit rund 180.000 Einwohnern sowie der Versorgung von Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten. Von der geplanten Vorhaltefinanzierung ab 2028 erhofft sie sich zudem Entlastung.

Konsequenzen im Haus gefordert

Doch nicht allen Kreisräten reichte die Krankenhausreform als Erklärung. CSU-Kreisrat Erich Irlstorfer warnte, bei dauerhaften Defiziten zwischen 15 und 20 Millionen Euro lasse sich das Krankenhaus auf Dauer nicht in seiner bisherigen Qualität halten. Er erwarte deshalb von der Geschäftsführung konkrete Einsparvorschläge und eine Aufschlüsselung, wo die Verluste entstünden. „Wir brauchen einen Blick von außen und wir brauchen aber auch Maßnahmen aus dem Haus heraus“, forderte er. Dazu gehöre, niedergelassene Ärzte stärker als Zuweiser zu gewinnen. Patienten dürften nicht an andere Kliniken verwiesen werden, wenn Freising sie selbst versorgen könnte.

Höntzsch bezifferte das interne Einsparpotenzial mit einer Summe bis zu 1,5 Millionen Euro. „Das ist relativ gering, überschaubar.“ Diese Aussage wiederum störte FDP-Kreisrat Tobias Weiskopf. „Ich erachte das für eine große Stange Geld. Das sind zirka zehn bis 20 Prozent Einsparung von dem Beitrag, den wir aktuell leisten. Und ich finde, dass wir solche Größenordnungen in jedem Fall einsparen müssen.“ Sabina Brosch (Grüne) warnte vor bloßem „Löcherstopfen“. Sie stehe hinter dem Klinikum, fordere aber mehr Kostentransparenz, interne Einsparungen und Alternativen zur Verdreifachung des Darlehensrahmens.

AfD-Kreisrat Michael Albuschat sah es anders. „Das Krankenhaus ist nicht verhandelbar. Dieses Lebenselexir ist wichtig für unseren Kreis. Da dürfen wir nicht aufs Geld schauen.“ CSU-Kreisrat Manuel Mück setzte Hoffnungen in die externe Begutachtung und den Ausbau ambulanter Angebote. Gerade das Medizinische Versorgungszentrum könne helfen, Abläufe effizienter zu gestalten und den Operationsbereich zu entlasten.

Mehr Liquidität, mehr Kontrolle

Der Kreistag beschloss, den Bürgschaftsrahmen des Landkreises zugunsten des Klinikums von fünf auf 15 Millionen Euro zu erhöhen. Voraussetzung ist die Zustimmung der Regierung von Oberbayern. Außerdem erhält das Klinikum auf Grundlage seines Wirtschaftsplans für 2026 einen Vorab-Verlustausgleich von fünf Millionen Euro. Für den Verlust von 2025 sind nach bereits geleisteten Vorauszahlungen noch rund 1,28 Millionen Euro auszugleichen.

Ein externes Gutachten soll für voraussichtlich 200.000 Euro die strategische Weiterentwicklung und mögliche Einsparungen prüfen. Zudem wird das bestehende Fünf-Millionen-Euro-Darlehen in ein Ratendarlehen mit 35 Jahren Laufzeit umgewandelt.