Statistisch am Soll, örtlich extrem

Juli-Wetter in Berlin und Brandenburg

Statistisch am Soll, örtlich extrem

Blitze entladen sich am Himmel über Brandenburg (Quelle: picture alliance/dpa/P.Pleul)
Blitze entladen sich am Himmel über Brandenburg (Quelle: picture alliance/dpa/P.Pleul)

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Im Durchschnitt etwas wärmer, regional trockener und dazu sonniger als im Klimamittel - aber ohne große Ausreißer wie in den vergangenen Monaten: Rein statistisch war das Juli-Wetter in Berlin und Brandenburg fast schon auffällig unauffällig für 2026. Das zeigen die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes, kurz DWD [dwd.de].

Für Berlin wurde demnach ein Temperaturmittel von 19,7 Grad errechnet. Das sind 1,4 Grad über dem Durchschnitt der Jahre von 1961 bis 1990. Der DWD bezeichnet diesen Zeitraum als "Klimanormalperiode". Diese Referenz wird international von Meteorolog:innen genutzt, um die Veränderungen des Klimas besser zu verdeutlichen.

Laut dem DWD sind pro Quadratmeter im Schnitt 68 Liter Niederschlag in Berlin runtergekommen. Der Referenzwert der Klimanormalperiode liegt bei 54 Liter pro Quadratmeter. So nass war der Juli in keinem anderen Bundesland. Die Sonne schien laut DWD durchschnittlich 232 Stunden über der Hauptstadt, neun mehr als der Referenzwert.

Ähnlich das Bild in Brandenburg. Das Temperaturmittel gibt die Bundesbehörde mit 19,2 Grad an - 1,3 Grad mehr gegenüber der Referenzperiode. Im Durchschnitt fielen rund 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Sonnenscheindauer sei "leicht überdurchschnittlich" gewesen mit rund 238 Stunden (Referenzwert der Jahre 1961 bis 1990 für Brandenburg: 223 Stunden).

Im Yachthafen des Kölner Rheinauhafens liegen mehrere Boote auf dem Trockenen (Quelle: picture alliance/M.John)
Im Yachthafen des Kölner Rheinauhafens liegen mehrere Boote auf dem Trockenen (Quelle: picture alliance/M.John)

Von der extremen Trockenheit und den hohen Temperaturen, die im Westen und Südwesten Deutschlands den Juli beherrschten, blieb die Region also verschont. Derzeit ist etwa in Nordrhein-Westfalen die Rheinschifffahrt durch Niedrigwasser gefährdet [wdr.de]. Während in Baden-Württemberg erneut an einem Tag mehr als 40 Grad gemessen wurden [swr.de]. Der DWD spricht von einem "ausgeprägten Südwest-Nordost-Gefälle" bei Temperatur, Niederschlägen und Sonnenscheindauer.

Ein Monat dreht dauerhaft auf

Was die ermittelten Durchschnittswerte für die Bundesländer jedoch verschleiern, ist, dass es auch Berlin und Brandenburg im Juli Wetterextreme gab. "Eigentlich war der Juli eine ziemliche Achterbahnfahrt, was die Temperaturen angeht", sagt Alexander Rudolph vom ARD-Wetterkompetenzzentrum auf Anfrage von rbb|24. "Wir hatten einerseits kühle Nächte, andererseits zum Monatsende auch sehr heiße Tage."

Insgesamt hat die Region nun im 15. Jahr hintereinander einen Juli erlebt, dessen Temperaturschnitt den Wert der Klimanormalperiode übertraf. Vergleicht man die Daten der zurückliegenden drei Jahrzehnte für Brandenburg mit den ersten drei Jahrzehnten seit Beginn der Wetteraufzeichnung, wird deutlich: Einen unterdurchschnittlich warmen Juli gibt es kaum noch.

Wetterexperte Rudolph sagt zudem, dass es einen Gewöhnungseffekt gibt. "Ein Grad zu warm ist bereits eine ordentliche Nummer. Es fällt vielen jedoch schwer, das mit Erfahrungswerten zu vergleichen." Die meisten Menschen könnten sich die Sommer der vergangenen Jahre erinnern, sagt er. Einen Vergleich über mehrere Jahrzehnte zu spannen, falle vielen jedoch schwerer. "Wer hat noch im Kopf, wie ein Sommer in den Sechzigern ablief, geschweige denn im vorindustriellen Zeitalter?"

Aus heutiger Sicht sei das eine schlechte Ausgangssituation. "Schließlich werden seit 2018 Rekorde von Hitze oder Trockenheit relativ häufig gebrochen", so Rudolph. "Was eigentlich extrem ist, nehmen viele Leute gefühlt als normal wahr."

In Durchschnitten versteckte Extreme

Ähnlich sei das bei Wind oder Niederschlägen in der Region, sagt er. Aufgrund einiger Gewitterlagen sei von beiden örtlich viel und häufig im Juli gemessen worden. In manchen Landstrichen blieb es hingegen windstill und niederschlagsarm. "Vereinzelt hat es Extreme gegeben, die allerdings im Monatsmittel und über die Fläche hinweg nicht weiter auffallen."

So wurde etwa in Berlin-Dahlem ein besonders nasser Juli festgestellt: 107,7 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fing die dortige DWD-Wetterstation ein - das sind 140 Prozent dessen, was für den Monat zu erwarten wäre. Der Süden der Stadt liegt seit Januar insgesamt deutlich über dem Berliner Niederschlags-Soll.

Besonders selten regnete es jedoch wenige Kilometer westlich von Dahlem: In Potsdam wurden 52,1 Liter pro Quadratmeter eingefangen (68 Prozent des langfristigen Mittels), in Werder an der Havel waren es sogar nur 41,2 Liter pro Quadratmeter (51 Prozent).

"Wird das gemittelt, landen wir grob bei 100 Prozent, obwohl die Verteilung sehr unterschiedlich ist", so Meteorologe Rudolph, "und je nachdem, wo man sich befindet, ergibt sich ein ganz eigenes Bild vom Juli."

Wie stark ein einzelner Gewitterguss die Statistik beeinflussen könne, zeigten insbesondere die Messwerte aus Dahlem, sagt er. "Am 14. Juli wurden dort mehr als 44 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das heißt, ein Großteil der gesamten Niederschläge im Juli fiel an einem einzigen Tag." Sowie mehr als im gesamten Juli in Werder an der Havel.

Die ungleiche Verteilung trägt dazu bei, dass einige Landkreise und Gemeinden im Juli Niedrigwasser meldeten oder Brände in ausgedörrten Wäldern oder auf knochentrockenen Feldern erlebten. Trotz der insgesamt eher durchschnittlichen Niederschlagsmengen in Brandenburg.

Der zuletzt vergleichsweise nasse Sommer in Berlin kann darüber hinaus nicht ausgleichen, dass seit Januar viel weniger Niederschläge gefallen sind als üblich. Insgesamt war 2026 bislang in beiden Bundesländern deutlich zu trocken.

Wie sehr die Wasserreserven der Böden aktuell strapaziert sind, zeigt auch der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig [ufz.de]. Demnach sind in der Region rund um Berlin, in der Uckermark, in Teltow-Fläming und der Lausitz die Böden aktuell besonders trocken.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 31.07.2026, 19.30 Uhr

Video: rbb24 Brandenburg aktuell, 31.07.2026, Attila Weidemann

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