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Österreichs schnellste Marathonläuferin wird am Sonntag in Graz den „Halben“ bestreiten. Ein weiterer Schritt in Richtung Olympia 2028.
© GEPA pictures


vor 14 Minuten9. Oktober 2026 um 06:00
Es ist ein wenig ein Déjà-vu, wenn man Julia Mayer sagen hört, dass sie in Graz den Halbmarathon „nur“ aus dem Training heraus laufen wird und „schwere Beine“ hat. Denn selbiges sagte sie auch im Vorjahr, und dann verpasste sie mit 1:11:11 Stunden ihren persönlichen Rekord nur verdammt knapp. Nach der langen Saison habe sie noch genug im Tank und sei „richtig gut drauf. Aber für mich zählt nur die Qualifikation für Olympia. Alles ist auf das fokussiert und alles, was dazukommt, nehmen wir mit“. Und so fällt die Prognose für den Sonntag mit einem Lachen typisch österreichisch aus: „Schau ma einmal, was passiert.“ Auf jeden Fall will sie sich den Sieg beim Area-Süd-Marathon schnappen, der die Halbmarathons von „Kärnten Läuft“ und Graz in einer Wertung verbindet.
Auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen geht sie keine Kompromisse ein und lässt keine Eventualitäten zu. Trainer Vincent Vermeulen und sie ordnen in der Planung Los Angeles 2028 wirklich alles unter, und das fordert von der 33-Jährigen auch einige Opfer. „Ich weiß, dass leider Gottes der Marathonlauf so extrem hart ist und es so viele extrem Gute gibt. Meine Ziele und Träume sind so groß, dass ich gar nicht darüber nachdenke, ob und wie ich mich motivieren muss. Das Ziel ist so riesig, dass ich alles in Kauf nehme. Das klingt vielleicht negativ, aber in 99 Prozent der Fälle macht es extrem viel Spaß. Ich habe es mir ja ausgesucht, weil es mir taugt.“ Aber sie leugnet nicht, dass es die gewissen Momente gibt, in denen man sich vielleicht denkt, dass ein „normales Leben auch ein Hit wäre. Den Gedanken verwerfe ich dann aber sofort, weil ich ja so ein Leben gar nicht möchte. Ein 08/15-Leben wäre halt überhaupt nicht meines. Da gehe ich lieber fünfeinhalb Stunden trainieren, als Nine-to-Five zu arbeiten“.
Doch geht es im Leben einer Spitzensportlerin bei Weitem nicht nur um den Sport. Die Nebengeräusche werden immer lauter, je steiler es nach oben geht. „Ein bisschen stressig ist es derzeit, aber es soll nichts Schlimmeres passieren. Seit der EM passiert neben dem Training so viel. Hunderte Termine und auch private Dinge, die sonst immer liegen bleiben, die ich aber unbedingt machen muss. Es wird mir nicht fad.“ Und auch das ist ein Teil ihrer Entscheidung für den Profisport. Mayer ist begehrt, als Rednerin, Trainingspartnerin oder auch durch ihr Performance Center, das jüngst im burgenländischen Pamhagen eröffnet wurde. Dennoch, sagt sie, könnte sie ihre Karriere ohne das Bundesheer als Basis nicht vorantreiben. Sie hat gelernt, beruflich Dinge an ihr Umfeld abzugeben. So macht ihr Freund Richard Schmied, der als Radprofi 1992 übrigens den Grand Prix von Judendorf gewonnen hatte, das Management und befüllt den freien Raum neben den Trainings im Kalender mit Bedacht. „Er filtert das, und dann besprechen wir, was wir wahrnehmen können. Sonst würde gar nichts mehr laufen, weil ich mir die Zeit einfach nicht nehmen könnte.“
Rund 25 Stunden trainiert sie im Mittel in der Woche. „Viele sehen das nicht, und viele denken, dass ein Sportlerleben einfach immer nur leiwand ist. Aber man ist ja nur so gut, weil man so viel investiert. Dass es da körperliche Schmerzen gibt, ist klar. Aber es gibt auch mental sehr viel Druck und da extrem viel harte Arbeit.“ Auch wenn es gelingt, die vielen Punkte trocken und sachlich unter einen Hut zu bekommen, gibt es einen, der sie emotional fordert. „Richtig schwierig ist es nur, wenn ich Familie und Freunde unter einen Hut bringen möchte“, erzählt sie, „denn das ist mit richtig viel Emotionen verbunden. Wenn ich dafür im Jahr eine ganze Woche habe, in der ich mich zu 100 Prozent auf sie einlassen kann, dann ist das viel. Das ist sehr hart.“
33. Graz-Marathon
Wann: 9. – 11. Oktober
Wo: Grazer Oper
Startnummernausgabe und Nachnennung: Im Rahmen der Marathon-Messe im Citypark am Freitag (10 bis 19) und Samstag (9.30 bis 18). Achtung: Am Marathon-Tag gibt es keine Startnummern mehr.
Bewerbe, Samstag: Maskottchenlauf (13), Bambini-Sprint (13.15), Junior-Marathon (13.30), Familienlauf (16), City-Run (16.30).
Sonntag: Viertelmarathon (9.30), Marathon, Halbmarathon, Staffel (ab 10).
Infos: www.grazmarathon.at.