Käsehändler darf keine Ware in Frischhaltedosen füllen – und wird dafür angegangen

Stand: 18.09.2026, 08:03 Uhr

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Käseverkäufer Volker Dorobek von Käse Stifler auf dem Wochenmarkt, muss immer wieder Kunden zurückweisen, weil sie eigene Dosen für den Käse nutzen wollen.

Käseverkäufer Volker Dorobek von Käse Stifler auf dem Wochenmarkt muss immer wieder Kunden zurückweisen, weil sie eigene Dosen für den Käse nutzen wollen. © Reinartz

Auf dem Offenbacher Wochenmarkt wollen immer mehr Kunden Käse oder Wurst direkt in eigene Boxen. Händlern droht dafür ein Bußgeld.

Offenbach – Seit 40 Jahren steht Volker Dorobek auf Wochenmärkten. „Aber so viel diskutieren wie heute musste ich noch nie“, beklagt er einen Trend, dem offenbar immer mehr Marktkunden folgen: Sie bringen eigene Frischhaltedosen von zu Hause mit und möchten dann Wurst, Fleisch und eben Käse direkt in die Box erhalten. Der Grund dahinter ist ehrenwert wie nachvollziehbar. „Ich will Verpackungsmüll sparen und bin nicht bereit, bei jedem Einkauf am Ende eine Menge Plastikfolie oder Papier mit Kunststoffschicht wegzuschmeißen“, sagt L., die gerade missmutig von Dorobeks Käsestand kommt. Im Korb liegt ein Paket mit Brie und extra altem Gouda – in einer Plastikfolie, die leere Tupperbox daneben.

Regeln für Abgabe in Kundenbehälter

Für die Verpackung auf dem Wochenmarkt gilt Paragraf 6 Absatz 6 der Wochenmarktordnung der Stadt Offenbach. Diese sieht vor, dass zum Verpacken von Lebensmitteln (mit Ausnahme von erdbehaftetem Gemüse, Salat, Küchenkräutern, Zwiebeln, Kartoffeln) ausnahmslos neues, höchstens einseitig bedrucktes Verpackungsmaterial aus Papier, Kunststoff oder sonstigem Rohmaterial verwendet werden darf. Würde ein Händler die Mehrwegverpackung eines Kunden akzeptieren (außer bei den genannten Ausnahmefällen), würde er gegen die Wochenmarktverordnung verstoßen. Hier könnte der Marktmeister mit einem Bußgeld dagegen vorgehen. Würde die Verordnung geändert, wären immer noch viele Voraussetzungen notwendig. Besonders hoch sind die Auflagen für Fisch, Fleisch und Käse. Damit keine Keime auf andere Ware, Stände oder Kunden übertragen werden, dürfte das Behältnis nichts berühren, auch nicht etwa die Waage. Nötig wären Abfüllhilfen, besondere Tabletts zum Wiegen, Personalschulungen und zusätzliche Handschuhe.

Kurz zuvor hat Dorobek ihr mit aller gebotenen Deutlichkeit erklärt, dass er ihr aus Hygienegründen keinen Käse in die Box legen darf, weil nicht sichergestellt ist, ob die mitgebrachte Verpackung hygienisch einwandfrei ist. Dass die Kundin das in Kauf nimmt, reicht nicht. Die Vorschriften für Lebensmittelhändler sind ein enges Korsett aus Sicherheitsrichtlinien, um die Hygiene hochzuhalten – gerade für diejenigen, die es nicht besser wissen und Dorobek schmierige Plastikdosen auf die Theke stellen.

Beschickern sind Hände gebunden

„Ich kann die Kunden doch verstehen, aber mittlerweile wird man ja richtig angegangen, wenn man sich weigert“, berichtet er vom Alltag auf dem Offenbacher Wochenmarkt. „Die Leute wollen einfach nicht akzeptieren, dass das nicht auf meinem Mist gewachsen ist, sondern wir uns aus gutem Grund an die Vorschriften des Veterinäramtes halten müssen.“

In der Tat sind Dorobek die Hände gebunden, egal wie sehr Kunden lamentieren. Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer stellt klar: „Würde ein Händler die mitgebrachte Mehrwegverpackung eines Kunden akzeptieren, würde er gegen die Wochenmarktverordnung verstoßen.“ Ausgenommen seien nur sogenannte erdbehaftete Gemüse, Salat, Küchenkräuter, Zwiebeln und Kartoffeln. Bei allen anderen Lebensmitteln drohe dem Händler ein Bußgeld.

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Auch Bäckereiverkäuferin teilt Erfahrungen

Eine Bäckereiverkäuferin am Platz macht Tag für Tag ähnliche Erfahrungen wie der Käsehändler. „Da kommen Leute mit Bechern, in denen noch die Cappuccinoreste vom Vortrag kleben“, sagt sie. „So etwas kann ich nicht guten Gewissens unter meine Maschine stellen.“ Eine einfache, freundliche Erklärung reichte vielen Kunden aber nicht mehr. „Die werden richtig sauer und manch einer hat schon gedroht, dann seinen Kaffee woanders zu kaufen.“

An anderer Stelle auf dem Wochenmarkt gehen derweil munter Frischhalteboxen über die Theke, ohne, dass nur ein Gedanke an die Hygiene oder die Marktordnung verschwendet wird. Man kann das pragmatisch nennen. Volker Dorobek nennt es falsch verstandenen Umweltschutz. „Diese Kunden retten damit nicht die Welt, sondern machen sich selbst womöglich krank“, sagt er. Dass es Kollegen gebe, die es nicht so genau nähmen, wisse er. „Aber das kann ja wohl nicht das Maß sein.“