Kasseler Trinkwasser bald wieder teurer?

Stand: 16.08.2026, 06:00 Uhr

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Trinkwasser Wasserhahn

Städtische Werke sollen Kasselwasser ablösen: Stadt plant Umstellung bei der Wasserversorgung. © Monika Skolimowska

Städtische Werke sollen wieder Versorger werden, um bestehende Defizite in der Stadtkasse aufzufangen. Kasselwasser soll sich nur noch ums Abwasser kümmern.

Kassel – Es war eine der größten Fehlentscheidungen der Stadtverwaltung in der jüngeren Vergangenheit: 2012 hatte Kassel die Wasserversorgung rekommunalisiert, um sie der Kontrolle der Landeskartellbehörde zu entziehen, die sinkende Trinkwasserpreise gefordert hatte. Die Entscheidung sorgte in der Folge nicht nur für viel Ärger und rechtliche Probleme, sondern sie belastete die Stadtkasse auch mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag. Zum 1. Juli 2027 – also 15 Jahre nach der Gründung von Kasselwasser – soll die Verantwortung für die Wasserversorgung wieder in die Hände der Städtischen Werke gelegt werden. Kasselwasser soll sich dann nur noch ums Abwasser kümmern. Wenn die Stadtverordneten den Plänen des Magistrates zustimmen, wird es für die Kunden auch absehbar teurer.

Um das Problem zu verstehen, ist ein Blick ins Jahr 2008 nötig. Damals lagen die Städtischen Werke im Streit mit der Landeskartellbehörde, die eine Senkung der Preise um 37 Prozent forderte. Der mehrheitlich zum Stadtkonzern KVV gehörende Versorger und die Verwaltung wiesen die Forderung zurück. Nach einem langen Rechtsstreit endete das Verfahren mit einem Vergleich. 2012 mussten die Städtischen Werke deshalb 17,8 Millionen Euro ihren Kunden erstatten.

Noch immer warten etliche Mieter in Kassel auf ihr Geld

Damit die Kartellwächter nicht weitere Preissenkungen verfügen konnten, präsentierte die Stadt einen vermeintlich geschickten Schachzug, der von den Stadtverordneten – mit Ausnahme von FDP und Piraten – mitgetragen wurde. Indem die Wasserversorgung in die Hände des neu gegründeten städtischen Eigenbetriebs Kasselwasser gelegt wurde, waren die Preiskontrolleure schachmatt gesetzt. Denn diese sind nur für Preise, nicht aber für öffentliche Gebühren zuständig. Doch bald zeichneten sich juristische Schwierigkeiten ab, nachdem Gebührenzahler gegen ihre Bescheide klagten. Denn als Eigenbetrieb hätte Kasselwasser auf seine Gebühren nicht länger Konzessionsabgaben – wie sie auch in die früheren Wasserpreise eingerechnet waren – aufschlagen dürfen.

So entschied es in letzter Instanz der Hessische Verwaltungsgerichtshof. Weil über die Konzessionsabgabe zuletzt jährlich etwa 4,5 Millionen Euro in die Stadtkasse geflossen waren, musste die Kommune für den strittigen Zeitraum jüngst über 30 Millionen Euro an die Hauseigentümer erstatten. Noch immer warten etliche Mieter auf ihr Geld, weil die Rückrechnungen kompliziert sind.

Weil die Stadt im Modell des Eigenbetriebs Kasselwasser keine Konzessionsabgaben mehr von den Verbrauchern verlangen darf, fehlen jährlich 4,5 Millionen Euro im städtischen Haushalt. Deshalb plant der Magistrat, die Trinkwasserversorgung wieder in die Hände der Städtischen Werke Netz und Service GmbH (NSG) zu legen. Diese könnte wieder die Konzessionsabgabe auf die Bürger umlegen.

Stadt will Betriebsmodelle abwägen

Welche Folgen die beabsichtigte Neuorganisation für den künftigen Trinkwasserpreis hat und wie viele Mitarbeiter wegen der Aufgabenverschiebung möglicherweise von Kasselwasser zur NSG wechseln, ist noch unklar. Zunächst soll eine Prüfung aufzeigen, welche wirtschaftlichen und rechtlichen Auswirkungen eine Neustrukturierung hätte und welches Betriebsmodell präferiert werden sollte. Erst auf dieser Basis sollen die Stadtverordneten abschließend entscheiden.