Stand: 16.08.2026, 06:00 Uhr
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Heinz und Helgard Rothstein aus Korbach sind vom Fahrrad aufs E-Bike-Dreirad umgestiegen und wollen mit ihrem Beispiel anderen Mut machen, denselben Schritt zu wagen.
Korbach – Zwei Räder reichen nicht mehr, drei tun es noch lange: Heinz und Helgard Rothstein aus Korbach fahren E-Bike-Dreirad. Sie nennen es liebevoll ihr „Cabrio“. Früher waren die beiden viel mit dem Fahrrad unterwegs. Als die Kinder klein waren, ging es wochenlang auf Tour, durch verschiedene Regionen. Mit dem Alter kamen Handicaps. Das Zweiradfahren wurde schwieriger. Vor Jahren kaufte Helgard sich deshalb ein Dreirad, vor Kurzem zog Heinz nach.
Der zweite Anlauf zum passenden Gefährt
Der Weg zum passenden Gefährt war nicht ihr erster Versuch. Bereits seit 2017 ist Helgard Rothstein mit E-Dreirad unterwegs – doch das damalige Modell überzeugte sie nicht. Die Kraftübertragung fiel schwer, das Auf- und Absteigen war problematisch. Bei beeinträchtigtem Gleichgewichtssinn wurde selbst das Anhalten an einer roten Ampel zum Balanceakt.
Die Lösung fand sie im Internet bei einem dänischen Hersteller. Schon im ersten Jahr legte sie 730 Kilometer zurück. Heute ist Einkaufen kein Problem mehr. Auch kleinere und mittlere Touren um Korbach schaffen die beiden ohne Mühe. Bis zu 60 Kilometer weit trägt der Akku, je nach Gelände und Tempo.
730 Kilometer im ersten Jahr
„Wir wollen auch anderen Mut machen, sich ein Dreirad anzuschaffen, wenn es mit zwei Rädern nicht mehr geht“, sagt Helgard Rothstein. Ein großer Sitz statt Fahrradsattel, ein verstellbarer Lenker, 24 Gänge, eine Feststellbremse: Die Dreiräder sind auf Komfort und Sicherheit ausgelegt. An der roten Ampel muss niemand absteigen. Auch Zuladung ist möglich. Der Preis dafür ist das Gewicht. „Schieben für längere Zeit geht nicht“, sagen die Rothsteins.
Komfort und Sicherheit stehen im Vordergrund
Zuhause braucht das Dreirad Platz – am besten eine Garage oder einen ebenerdigen Keller. Für den Transport reicht ein normaler Kofferraum nicht aus, nötig ist ein größeres Auto oder ein Anhänger. Die Bahn haben die beiden mit dem Dreirad noch nicht getestet. Wer neu einsteigt, muss sich an die Fahreigenschaften des Dreirads gewöhnen, vor allem in Kurven, sagen sie. Nach etwas Übung geht es zügig voran. Helgard Rothstein zeigt es fast täglich in der Stadt: Sie ist auf ihrem Dreirad unterwegs, sicher und mit sichtlicher Freude.
In die Fußgängerzone? Kommt drauf an
Grundsätzlich sind E-Dreiräder Fahrrädern gleichgestellt. Für Korbach heißt das: Die Fußgängerzone ist nur zwischen 19 und 10 Uhr für den Radverkehr freigegeben, tagsüber ist sie tabu. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn das Dreirad vom Hersteller als Krankenfahrstuhl zugelassen ist, das regelt die Fahrerlaubnis-Verordnung. Entscheidend ist dabei die Zulassung des Fahrzeugs, nicht der Gesundheitszustand des Fahrers. Ein als Krankenfahrstuhl zugelassenes Dreirad braucht zusätzlich ein Versicherungskennzeichen. Nur dann darf es die Fußgängerzone mit Schritttempo und besonderer Vorsicht befahren – rechtlich gilt es dann wie ein Seniorenscooter. Die Stadt Korbach stellt klar, dass es hier keinen Spielraum gibt. „Besondere Ausnahmeregelungen bestehen nicht“, sagt Ingo Sahl, Leiter Zentrale Steuerung und Personal. Wer unsicher ist, findet die Antwort auf dem Typenschild: Nur wenn dort eine Zulassung als Krankenfahrstuhl steht, gilt die Ausnahme.