Stand: 21.09.2026, 19:09 Uhr
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Lehrkräfte sehen die größte Herausforderung darin, neue Entwicklungen an Schulen langfristig zu verankern. Zum Beispiel KI als Korrekturhilfe bei Klassenarbeiten.
Frankfurt – Viele Schulen in Deutschland wollen Veränderung – doch zwischen Wollen und Umsetzen klafft eine Lücke. Das zeigt der neue Bildungsindikator 2026, der im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „SchultransformNEXT“ erhoben wurde. Das Projekt wird durch das Bundesbildungsministerium gefördert und gemeinsam von Helliwood media & education und dem Bündnis für Bildung umgesetzt.

Grundlage sind anonymisierte Selbsteinschätzungen von Lehrkräften, die sich zwischen April 2023 und März 2026 registriert haben. Insgesamt haben 759 Schulen aus allen Bundesländern teilgenommen und offenbaren, wo sie ihre Stärken und Entwicklungsbedarfe sehen.
Bildungsindikator 2026: Führung stark, Prüfungsformen im Rückstand
Die Auswertung zeigt, dass gute Führung derzeit zu den wichtigsten Stärken schulischer Entwicklung zählt und viele Veränderungsprozesse überhaupt erst ermöglicht. Auch die Basis stimmt vielerorts: Technische Ausstattung, gemeinsame Werte und organisatorische Rahmenbedingungen werden heute positiver eingeschätzt als bei der Auswertung 2023.
Die größte Herausforderung sehen viele Lehrkräfte nicht darin, neue Entwicklungen zu starten, sondern sie langfristig zu verankern. Viele Schulen haben gemeinsame Vorstellungen davon entwickelt, wie eine zeitgemäße Lernkultur aussehen kann. Bei flexiblen Lernformaten, individueller Förderung und veränderten Prüfungsformen sehen sie jedoch weiterhin Entwicklungsbedarf. „Technologische Entwicklungen, insbesondere im Bereich Künstlicher Intelligenz, erhöhen den Veränderungsdruck und eröffnen zugleich neue Möglichkeiten“, sagt Thomas Schmidt, Geschäftsführer von Helliwood media & education. „Entscheidend ist nun, Schulen bei der dauerhaften Umsetzung ihrer Vorhaben verlässlich zu begleiten.“
Veränderte Prüfungen: Wo KI helfen könnte – und wo die Grenze liegt
Zum Beispiel auch wenn es um KI-gestützte Klausurkorrektur geht. Die wird der Lehrerin Jelena von einem Start-up vorgeschlagen, als sie ein Video auf TikTok (@badteacherrr) teilt, in dem sie an einem Esstisch voller Klassenarbeiten sitzt. Simone Fleischmann, frühere Schulleiterin und Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), sieht in solchen Tools Potenzial – aber auch Gefahren.
Sie verweist auf den Lehrermangel in ganz Deutschland und darauf, dass ein Viertel der Kinder die Mindeststandards im Lesen, Rechnen und Schreiben in der vierten Klasse nicht mehr schafft. „Die Herausforderungen steigen. Ich finde es vollkommen legitim, hier nach Entlastung durch KI zu streben.“ Das Deutsche Schulbarometer 2025 zeigt: Nur sechs Prozent der Lehrkräfte nutzen KI zur Bewertung von Schülerarbeiten. „Wir sehen, dass es hier eine KI-Lücke gibt“, sagt Fleischmann der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Ich verstehe jeden Anbieter, der diese Lücke schließen will.“ KI könne bei der Korrektur helfen, weil sie unvoreingenommener bewerte als Menschen. „Wenn KI bei der Bewertung hilft, dann spielt für sie keine Rolle, ob die Schulaufgabe nach der Zigarette des Vaters riecht. Es spielt keine Rolle, wie die Handschrift des Kindes aussieht.“
Vollautomatisierte Korrekturen seien jedoch „schulrechtlich und pädagogisch nicht haltbar“. Es benötige immer eine Einschätzung der Lehrkräfte, die in Beziehung mit den Kindern stünden und sehen könnten, was Jugendliche und Kinder aktuell bewege, was ihre Bedürfnisse oder Probleme seien. „Dieses emotionale, ganzheitliche Bewerten passt zu einem ganzheitlichen Bildungsansatz.“ Wenn sie als ehemalige Schulleitung feststellen würde, dass eine Kollegin voll automatisiert mit KI eine Klassenarbeit erstellt und bewertet habe, „dann kassiere ich die Klausur direkt wieder ein“, sagt Fleischmann. Was es brauche, seien einheitliche Vorgaben der Kultusminister in allen Bundesländern – „gerade für dieses schwierige Feld der Leistungsbewertung“. (Quellen: Bildungsindikator 2026, TikTok, Deutsches Schulbarometer 2025, eigene Recherche)