Kein Gießen, kein Hagelschaden: Wie eine fränkische Bäuerin der Klimakrise trotzt

Stand: 03.10.2026, 08:00 Uhr

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Bäume und Büsche, die auf Feldern wachsen, darunter Licht und Schatten für Pflanzen und Tiere: So könnte die Landwirtschaft der Zukunft aussehen. Eine Bäuerin erntet damit in der Klimakrise erste Früchte.

Kleinsendelbach – Wenn Lilly Schmidtlein mit den Gummistiefeln über das Gras auf ihrem Feld läuft, sprüht sie vor Elan. Es scheint, als nehme sie jeden Grashalm, jeden Busch und jeden Baum genau wahr. Jedenfalls erzählt sie, warum sie ihn genau an dieser Stelle gepflanzt hat. Die Johannisbeere wächst unter dem Apfelbaum, die Haselnuss im Halbschatten der Pappel, die Zierquitte neben der Weide.

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Dieser Artikel von Johanna Husarek entstand in einer Content-Partnerschaft mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Darunter Erdbeeren, Sonnenblumen und Kräuter wie Salbei. Alles gedeiht, scheinbar kreuz und quer. Was wild wirkt, hat jedoch System: Agroforst nennt sich die Anbaumethode, die die 35-jährige Nebenerwerbsbäuerin aus Kleinsendelbach im Landkreis Forchheim nördlich von Nürnberg betreibt.

Rote Äpfel am Zweig eines Apfelbaumes.

Äpfel am Zweig eines Apfelbaumes. © epd-bild/Heike Lyding

Agroforst heißt: Bäume oder Sträucher werden mit Ackerkulturen oder Weidetieren auf der gleichen Fläche kombiniert. Eine Methode mit Zukunft, gerade in Zeiten der Klimakrise, sagt Schmidtlein. Erst vor acht Jahren hat sie damit angefangen. Damals habe sie mancher dafür belächelt, sagt die Betriebsleiterin vom Hof vErde.

Ihr Bauernhof ist schon seit Generationen in Familienhand. „Jetzt sieht man erste Ergebnisse, da überzeugt die Sache an sich“, sagt Schmidtlein. Mit der Sache meint sie nicht allein die Beerensträucher, Obstbäume und Kräuter, die den Boden bedecken und feucht halten und die sie fast nie gießen muss.

„Wir sind von Dürren und Starkregen kaum betroffen, auch Hagel schadet den Kulturen kaum.“ Die Bäume kühlen die Fläche, sagt sie im Schatten einer Pappel und zeigt auf eine Wiese nebenan. Dort habe es im Sommer oft 30 Grad Celsius oder mehr.

Sandstürme und unreife Früchte

„Agroforst kann in Zeiten des Klimawandels viel bewirken“, erläutert Frank Burger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft im oberbayerischen Freising. „Es kann sein, dass der Anbau von Feldfrüchten künftig in gewissen Gegenden gar nicht mehr anders möglich ist“, sagt der Wissenschaftler.

In Unterfranken zum Beispiel, auf den Feldern und in den Weinbergen, habe man schon diesen Sommer erlebt, dass manche Früchte bei der Trockenheit einfach nicht mehr ausreiften. Mit den Alpen im Rücken wären die Landwirte in Oberbayern zwar klimatisch besser dran, sagt Burger.

Aber überall dort, wo während der Flurbereinigung viele Bäume abgeholzt wurden, fliege einem das Ergebnis jetzt buchstäblich in Form von Sandstürmen um die Ohren. Hecken hingegen bremsten den Wind, Bäume bildeten Dächer, sagt Burger. Überdies würden Bäume Wasser in der Fläche halten und Kohlenstoff im Boden binden.

Auch die Tierwelt profitiert: Eine artenreiche Landwirtschaft ziehe zahlreiche Tierarten an. „In einer Landschaft mit Bäumen, in der ich spazieren kann, fühle ich mich auch als Mensch wohler“, ergänzt er.

Die Vorteile der Methode überwiegen die Nachteile: Vieles sei Handarbeit und arbeitsintensiv, erzählt Schmidtlein. In den Anfangsjahren reiche der Ertrag nur zur Selbstversorgung, verdient sei zunächst nichts. „Aber am Ende belohnt uns unsere Ernte mit sagenhaftem Geschmack“, sagt sie zufrieden.

Wenige Idealisten wagen sich an Neuland

Das Modell ist allerdings noch selten, abgesehen von Streuobstwiesen und uralten Hecken. In ganz Deutschland gibt es nach Angaben des Fachverbands für Agroforstwirtschaft rund 240 solcher Felder. Bisher seien es vor allem Idealisten, die sich damit beschäftigen, sagt Burger. Bio-Bauern beispielsweise, die ihre Äcker wieder mit nützlichen Tierarten besiedeln wollen.

Oder Landwirte, die wertvolles Holz für den Verkauf erzeugen oder aus schnell wachsenden Bäumen Energie gewinnen. „Theoretisch kann es aber jeder Bauer machen. Das ist natürlich Neuland, eine sehr komplexe Sache, man muss sich beraten lassen und die ganzen bürokratischen Hürden nehmen“, sagt Burger.

Lilly Schmidtlein, ihre Familie, Freunde und freiwillige Helfer sind da schon weiter. Mittlerweile schult die Expertin für Agroforst europaweit Neueinsteiger, gibt Weiterbildungen, engagiert sich politisch. „Der Boden, auf dem ich stehe, nährt mich“, sagt die studierte Sozialökonomin. „Ich kann es mit meinem Gewissen gar nicht vereinbaren, dass wir die Grundlage unseres Lebens zerstören. Ich will auch gar nicht mehr anders leben.“