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Mit Kränkungen kennt sich US-Präsident Donald Trump gut aus. Er fühlt sich ständig gekränkt: Die Medien würden ihn unfair behandeln, die Präsidentschaftswahl 2020 sei ihm „gestohlen“ worden, Bundeskanzler Friedrich Merz habe mit all seiner Kritik am kopflos geführten Iran-Krieg „keine Ahnung“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Damit ist man bei der umgekehrten Perspektive: Trump ist versiert darin, andere zu kränken und herabzuwürdigen. Mal ist es der Bundeskanzler, mal putzen Trump und sein Vizepräsident JD Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj herunter wie einen Schuljungen.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Trump: Botschafter-Posten in Berlin seit über zwei Jahren offen
Eine wortlose Geste der Kränkung könnte die fehlende Besetzung von diplomatischen Posten sein. Die Spitze der US-Botschaft in Berlin ist seit mehr als zwei Jahren vakant. Diplomatin Amy Gutmann verließ die Vertretung im Juli 2024 aus privaten Gründen. Seither fungiert der Karrierediplomat Alan Meltzer als Geschäftsträger.
Die US-Botschaft in Berlin sieht auf Anfrage dieser Redaktion durch die Vakanz keine Beeinträchtigung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Meltzer bemühe sich, so ein Botschaftssprecher, umfassend um den Austausch mit allen 16 Bundesländern und sei „bis auf wenige Ausnahmen verantwortlich für Leitung, Koordination und Aufsicht über alle Aktivitäten der US-Exekutive“.
USA: Für Berlin gibt es noch nicht einmal einen Kandidaten
Aber er hat nicht das politische Gewicht eines vom Präsidenten nominierten und vom Senat bestätigten Botschafters. Auch kann er schwerlich behaupten, Trumps Ohr zu besitzen. Genau das, was zählt in einem Washington, in dem Institutionen weniger bedeuten und persönliche Zugänge alles.
Das ist kein Betriebsunfall, sondern hat System.
Von den 196 Botschafter- und vergleichbaren Spitzenposten weltweit sind derzeit 101 unbesetzt (die jüngsten Daten stammen vom 15. September 2026). 37 dieser Stellen weisen laut der American Foreign Service Association (AFSA) immerhin einen nominierten Kandidaten auf. Deutschland nicht.
News aus den USA
Loyalität zu Trump als Stellenbeschreibung
Dass es so schleppend vorangeht, liegt auch daran, dass Trump keinen Mehrwert in der klassischen leisen Diplomatie sieht.
Das Muster ist schwer zu übersehen: Wenn Trump einen Botschafter schickt, dann gern einen, den er kennt, der ihm etwas verdankt, schuldet oder – im Idealfall – beides. Loyalität ist kein Zusatzqualifikationsmerkmal. Sie ist die Stellenbeschreibung. Von 113 Ernennungen, die die AFSA bis 10. August erfasste, waren 93 politische oder sonstige Ernennungen. Nur 20 kamen aus dem Karriereapparat.
In Berlin ist man derzeit noch wenig besorgt über den vakanten Posten. „Für die Bundesregierung ergibt sich kein entscheidender Nachteil“, sagt Dominik Tolksdorf von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). „Die diplomatische Arbeit läuft weiter und mit dem Chargé d’affaires gibt es einen Botschaftsleiter.“ Hinzu komme: Ein von Trump entsandter US-Botschafter könnte die Bundesregierung offen kritisieren und sich gar in die Innenpolitik einmischen. Dies würde Erinnerungen an den Trump-Vertrauten Richard Grenell wecken, der in Trumps erster Amtszeit mit seinen öffentlichen Äußerungen für allerlei Unruhe und Ärger in Berlin sorgte.
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Diplomatie lebt vom Übersetzen und Einordnen
Botschafter sollen die Politik des Präsidenten vertreten, zugleich aber Profis sein, die ihm notfalls mitteilen, dass sie im Gastland gegen eine Wand fährt. Diplomatie lebt vom Übersetzen, Einordnen, Widerspruch – und von jener Fähigkeit, ein Land tatsächlich zu kennen.
Genau diese Rest-Autonomie scheint im Trump-System verdächtig. Schon im Februar 2025 verfügte der Präsident per Erlass, dass Außenpolitik jederzeit unter seiner Autorität umgesetzt wird. Wer sie nicht „faithfully“, also getreu vertrete, müsse mit Konsequenzen bis zur Entlassung rechnen. Ende 2025 ließ die Regierung rund 30 Karrierebotschafter und Spitzendiplomaten zurückrufen. Das State Department erklärte offen, ein Botschafter sei ein „persönlicher Vertreter des Präsidenten“.
Gleichzeitig ist das Ministerium im vergangenen Jahr beispiellos zusammengespart worden: 250 Diplomaten und 1100 Angestellte des öffentlichen Dienstes mussten gehen. Es gilt ein weitreichender Gehalts- und Einstellungsstopp. Dadurch stehen weniger Diplomaten für die Entsendung zur Verfügung, administrative Prozesse dauern länger.
Trump will seine Außenpolitik nicht durch Landeskenner verwässern lassen
Hat Trump Angst vor einer unabhängig denkenden Außenrepräsentanz? Psychologisch lässt sich das schwer beweisen. Politisch braucht man es nicht. Das Prinzip liegt offen zutage: Trump will seine transaktionale, aus dem Bauch und mit Blick auf Macht, Preis und Gegenleistung betriebene Außenpolitik nicht durch erfahrene Landeskenner verwässern lassen. Wo frühere Regierungen Diplomatie als Frühwarnsystem verstanden, behandelt Trump sie eher wie einen Lieferdienst: Bestellt wird oben, ausgeliefert unten.
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Für Deutschland ist die Vakanz keine diplomatische Katastrophe. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, erklärt sie so: „Trump bemisst dem Posten nach meinem Eindruck hohe Bedeutung zu, und dieses Pulver will er nicht voreilig verschießen.“
Die Leerstelle ist aber wohl ein Signal. Europas größte Volkswirtschaft und zentraler Nato-Verbündeter wird seit mehr als zwei Jahren kommissarisch betreut. Das sagt nicht nur: Trump hält Deutschland offenbar nicht für dringend genug, um den Posten zur Chefsache zu machen. Es sagt: Ein funktionierender diplomatischer Apparat ist dieser US-Regierung weniger wichtig als persönliche Gefolgschaft.