Die große Berliner Show von Nvidia war gerade erst beendet, da liefen auf den Portalen des KI-Konzerns massenhaft Vorbestellungen ein. Es ging nicht um neue Chips, Computer oder Rechenzentren. Es ging um kleine Spielzeugcomputer, die Microducks. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte die ungefähr 25 Zentimeter hohen und auf zwei Beinen watschelnden Roboterenten am Ende seiner knapp zweistündigen Präsentation auf die Bühne gebracht.
Er hatte sich mit ihnen unterhalten, hatte sie zweimal auf und ab gehen, auf Befehl ein paar Purzelbäume, Überschläge und Hindernisläufe machen, sie auf Kommando sitzen, umfallen und wieder aufstehen lassen. Dafür gab es viele Lacher und Applaus und im Internet viele Klicks und zahlreiche Bestellungen. Von mehr als 20.000 Orders ist mittlerweile die Rede.

Die ersten Roboterenten werden samt Zugang zu Entwickler-Kit und KI-Tools im Advent ausgeliefert. Stückpreis: 399 Dollar. Die Maschinen stecken voller Technik: 15 Motoren, die Kopf, Beine, Hals und Schnabel steuern, Frontkamera, NFC-Antennen, WLAN und Bluetooth, Mikrofon, Lidar-System, ein Kamera-Akku als Energiequelle. Die Hardware besteht aus Standardbauteilen, die Software ist Open Source, der Quellcode ist also für jedermann einsehbar und veränderbar.
Nvidia ist auf einem Umweg zu den kleinen Roboterenten gekommen. Die Microducks stammen aus dem Haus des französischen Start-ups Pollen Robotics. Das war im Jahr 2016 in Bordeaux von Forschern um Clément Delangue gegründet worden. Im Jahr 2020 stellten sie ihr erstes Modell eines humanoiden Roboters namens Reachy auf der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas vor. Damit waren die Franzosen auf dem Bildschirm der US-Tech-Industrie.
Im Jahr 2023 schlossen sie eine Finanzierungsrunde über 2,4 Millionen Dollar ab. Ein Jahr später stand ein zweites Reachy-Roboter-Modell bereit. Im Jahr 2025 wurde Pollen Robotics durch die US-KI-Plattform Hugging Face gekauft. Ende August wurden die Microducks erstmals vorgestellt und eine Plattform für Vorbestellungen eröffnet. Im September 2026 kaufte Nvidia für 13 Milliarden Dollar Hugging Face.
Kurz danach stellte nun Nvidia-Chef Huang die Miniroboter auf die Berliner Bühne seiner Entwicklerkonferenz GTC. Mithilfe verschiedener KI-Simulations- und Trainingsprogramme auf der Nvidia-Plattform im Internet lassen sich den französischen Enten über die standardisierten Bewegungsabläufe hinaus weitere kleine Kunststücke beibringen. Darüber hinaus sind sie auch mit Selbstlernmechanismen ausgestattet.