Formel 1
Kimi Antonelli hat am Sonntag zwar den Grand Prix der USA in Austin gewonnen, muss aber wohl noch eine Woche auf seinen ersten WM-Titel warten. Der 20-jährige Italiener kontrollierte in seinem Mercedes auf dem „Circuit of the Americas“ in Texas von Beginn an das Geschehen und feierte vor Charles Leclerc und Max Verstappen den neunten Sieg in dieser Saison und in seiner Karriere.
Online seit gestern, 21.04 Uhr
(Update: heute, 0.07 Uhr)
Für die vorzeitige Krönung musste Antonelli den sechstletzten Grand Prix gewinnen, was ihm souverän gelang, gleichzeitig hätte jedoch sein Teamkollege George Russell höchstens Neunter und Ferrari-Pilot Lewis Hamilton höchstens Fünfter werden dürfen – was beides nicht eintraf.
„Das war das Resultat, das wir gebraucht haben. Gut gemacht, lasst uns so weiter pushen“, funkte der Sieger zufrieden an die Box. Denn Antonelli konnte den Vorsprung in der WM vor dem Rennen nächsten Sonntag (ab 20.10 Uhr MEZ live in ORF1, Start: 21.00 Uhr) in Mexiko auf 123 Zähler ausbauen.
Tequila in Mexiko oder Caipirinha in Brasilien
Somit liegt die WM-Krone für den Italiener, der sich zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte küren könnte, im fünftletzten Rennen der Saison zum Greifen nahe. Da höchstens noch 125 Punkte zu vergeben sind, ist Antonelli mit zwei weiteren Zählern, so viel gibt es für den neunten Rang, der Titel nicht mehr zu nehmen.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff war stolz auf seine Fahrer und ist bezüglich des Titels gelassen: "Kimi hat auf allen Reifenmischungen keine Fehler gemacht. Es war wirklich die Fahrt eines Champions, der noch kein Champion ist. Er muss in Mexiko nur durchfahren, dann gibts Tequila. Wenn nicht, fährt er in Brasilien durch, dann gibt es Caipirinha.
„Sind jetzt ganz nahe dran“
Antonelli verteilte im Siegerinterview ebenfalls Lob: „Das Team hat es so verdient, sie haben so viel Arbeit investiert. Auch die Strategie haben wir perfekt exekutiert. Wir sind jetzt ganz nahe dran. Hoffentlich können wir es bald schaffen.“
Der zweitplatzierte Ferrari-Pilot gestand seine Chancenlosigkeit gegenüber Antonelli ein, hatte aber trotzdem Spaß: „Es war ein gutes Rennen, leider konnten wir nicht um den Sieg mitfahren. Es war aber ein positives Rennen. Kimi (Antonelli, Anm.) ist ein Einstopprennen gefahren, das hatten wir nicht erwartet. Es war ein bisschen tricky, aber ich habe es genossen. Ich hatte ein gutes Gefühl im Auto, deswegen konnte ich Max (Verstappen, Anm.) angreifen am Ende.“
Blitzstart von Antonelli
Das Spektakel war mit der Rekordkulisse von 467.000 Fans am ganzen Wochenende erneut ein Zuschauermagnet. Antonelli setzte seine Poleposition optimal um und fuhr der Konkurrenz mit seinem Blitzstart auf und davon. Der junge Italiener hielt mit seinen Medium-Reifen das Feld souverän hinter sich.
Nachdem Russell in der 23. Runde eine Fünfsekundenstrafe in der Box mit einem Reifenwechsel kombinierte, fiel der Brite auf den zehnten Platz zurück. Damit war Antonelli zu diesem Zeitpunkt kurzfristig Weltmeister, weil auch der WM-Dritte Hamilton als Fünfter nicht die notwendigen Punkte gemacht hätte. Antonelli holte sich in der 25. Runde einen neuen Satz harter Reifen ab und Verstappen übernahm die Führung.
Konkurrenz kommt nicht mit
Ein Problem hatte Isack Hadjar im zweiten Red Bull, bei dem die Bordelektronik in den Boxenstoppmodus geschaltet hatte, wodurch der Franzose nicht ordentlich Gas geben konnte. Auch Verstappen kämpfte an der Spitze mit technischen Widrigkeiten, funkte an die Box, dass das Auto „unfahrbar“ sei, und bekam in der 32. Runde neue Medium-Reifen mit auf den Weg.
Damit holte sich Antonelli die Führung zurück und fuhr im Stile eines Weltmeisters dem Sieg entgegen. Leclerc, der im Training noch der stärkste Fahrer zu sein schien, verlor pro Runde einige Zehntelsekunden auf den Mercedes-Piloten, holte sich aber am Ende den zweiten Platz vor Verstappen.
Verstappen: „Paket nicht gut genug“
Für Red Bull schaute nach den zuletzt starken Auftritten diesmal der dritte Platz heraus. Verstappen analysierte nüchtern: „Ich glaube, insgesamt ist unser Paket nicht gut genug. Auch die Reifen haben heute nicht funktioniert. Aus irgendeinem Grund hat es nicht geklappt, aber wir hatten Glück mit dem Podiumsplatz – das nehmen wir gerne.“
Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies stimmte seinem Star zu: „Die Balance im Auto hat nicht ganz gepasst, dadurch hatten wir mehr Reifenabrieb. Der Sieg von Kimi war verdient, wir sind mit dem Podiumsplatz zufrieden. Kimi war einfach schneller. Dennoch sind wir überzeugt, dass noch mehr im Auto steckt, als wir derzeit zeigen.“
Grand Prix der USA in Austin
| Endstand nach 56 Runden (308,405 km) | ||||
| 1. | Kimi Antonelli | ITA | Mercedes | 1:35:16,650 |
| 2. | Charles Leclerc | MON | Ferrari | + 13,078 |
| 3. | Max Verstappen | NED | Red Bull | 17,485 |
| 4. | Lewis Hamilton | GBR | Ferrari | 18,515 |
| 5. | Lando Norris | GBR | McLaren | 30,521 |
| 6. | Isack Hadjar | FRA | Red Bull | 34,373 |
| 7. | Oscar Piastri | AUS | McLaren | 52,674 |
| 8. | George Russell | GBR | Mercedes | 54,303 |
| 9. | Liam Lawson | NZL | Racing Bulls | 1:19,183 |
| 10. | Pierre Gasly | FRA | Alpine | 1:27,516 |
| 11. | Nico Hülkenberg | GER | Audi | 1:34,945 |
| 12. | Arvid Lindblad | GBR | Racing Bulls | 1 Runde |
| 13. | Gabriel Bortoleto | BRA | Audi | 1 Runde |
| 14. | Esteban Ocon | FRA | Haas | 1 Runde |
| 15. | Lance Stroll | CAN | Aston Martin | 1 Runde |
| 16. | Fernando Alonso | ESP | Aston Martin | 1 Runde |
| 17. | Alexander Albon | THA | Williams | 1 Runde |
| 18. | Carlos Sainz | ESP | Williams | 1 Runde |
| 19. | Sergio Perez | MEX | Cadillac | 1 Runde |