Publiziert24. Juli 2026, 17:30
Ghana und ElfenbeinküsteKinderarbeits-Vorwurf: Lindt & Sprüngli wehrt sich gegen US-Klage
Eine US-Anwaltskanzlei verklagt Lindt & Sprüngli wegen angeblich irreführender Aussagen zum Kampf gegen Kinderarbeit. Der Schokoladenhersteller weist die Vorwürfe zurück.

Darum gehts
- Die US-Anwaltskanzlei International Rights Advocates hat Lindt & Sprüngli in Washington D.C. verklagt.
- Die Kläger werfen dem Schokoladenhersteller vor, Konsumenten mit Nachhaltigkeitsversprechen zu täuschen und weiterhin von Kinderarbeit in Ghana und der Elfenbeinküste zu profitieren.
- Lindt weist die Vorwürfe als unbegründet zurück und verweist auf ein Überwachungssystem sowie Präventionsprogramme vor Ort.
Das kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die Schweiz: Gleichzeitig mit den neuen US-Zöllen wegen angeblicher Zwangsarbeit ist der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in den USA verklagt worden. Die Anwaltskanzlei International Rights Advocates wirft dem Unternehmen vor, seine Bemühungen gegen Kinderarbeit in den Kakao-Anbauländern Ghana und der Elfenbeinküste falsch darzustellen, wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» am Donnerstagabend zuerst berichtete.
Die Klage wurde beim Gericht im District of Columbia eingereicht. Laut den Klägern verspreche Lindt zwar, Kinderarbeit in seiner Lieferkette zu bekämpfen, profitiere aber weiterhin davon. Auch unternehme der Schokoladenhersteller zu wenig, um Kinderarbeit zu verhindern. Zudem würden Nachhaltigkeits- und Zertifizierungshinweise auf den Verpackungen Konsumentinnen und Konsumenten über die tatsächlichen Zustände täuschen.
Lindt weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen erklärte bereits gegenüber der Nachrichtenagentur «AWP», die Vorwürfe seien unbegründet. Auf Anfrage von 20 Minuten wiederholt Lindt & Sprüngli: «Wir haben Kenntnis von der anhängigen Klage vor dem Gericht im District of Columbia in den USA. Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe unbegründet.»
«Wir verurteilen jede Form von Kinderarbeit aufs Schärfste und weisen die in der Klage erhobenen Vorwürfe zurück», heisst es. Zudem hat laut einer Mediensprecherin des Konzerns die Organisation hinter der Klage bereits ähnliche Klagen gegen andere Schokoladenhersteller erhoben.
Überwachungssystem gegen Kinderarbeit
«Kinderarbeit im Kakaoanbau in Westafrika ist ein ernstes und systematisches Problem mit verschiedenen Ursachen, einschliesslich Armut sowie politischen, geografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren», sagt die Mediensprecherin von Lindt & Sprüngli.
Die Sprecherin führt weiter aus: «Wir engagieren uns seit Jahren mit verschiedenen Massnahmen, um sie in unserer Lieferkette zu verhindern. Wir arbeiten mit einem Überwachungssystem, das Risiken früh erkennen soll, führen Kontrollen durch und setzen auf Präventionsprogramme vor Ort.»
Lindt & Sprüngli hatte bereits letztes Jahr das Ziel angekündigt, ab 2026 ausschliesslich Kakao von Lieferanten zu beziehen, die über ein Überwachungssystem zur Verhinderung von Kinderarbeit verfügen.
Laut Angaben der Mediensprecherin macht das Unternehmen keine weiteren Angaben zum Prozess.
Wie beurteilst du die Nachhaltigkeitsversprechen von grossen Schokoladenherstellern?
Ich finde es gut, dass sie sich engagieren und glaube ihnen.
Ich bin skeptisch und vermute oft Greenwashing.
Es ist schwierig, die wahren Bemühungen zu erkennen.
Ich achte beim Schokoladenkauf nicht speziell darauf.
Mir ist das Thema wichtig, aber ich weiss nicht, wem ich vertrauen soll.
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Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Lifestyle
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