Stand: 22.08.2026, 08:18 Uhr
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Nicht nur Nostalgie: Liebhaber entdecken die mechanische Schreibmaschine wieder. Einer der Fans ist US-Schauspieler Tom Hanks.
Frankfurt a.M. – Frankfurt a.M. (epd). Es rattert und klackert wieder: Mechanische Schreibmaschinen werden aus Kellern, Dachböden und Lagern hervorgeholt, geölt und mit neuen Farbbändern bestückt – vor allem in den USA, aber zunehmend auch in Europa. Online-Communitys und Hunderte von YouTube-Clips informieren über historische Modelle und die Praxis des entschleunigten Schreibens ohne Computer. Sie eint die Faszination für die Welt der Tasten und Typenhebel. Das Paradoxe daran: Die Bewegung rund um die analoge Technik organisiert sich vor allem digital.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit dem Evangelischen Pressedienst (epd)
Philosoph und Autor Bernd Kleinhans spricht von einer kleinen Renaissance der Schreibmaschine. Nach seiner Einschätzung treiben – wie schon bei anderen analogen Trends wie der Fotografie - vor allem jüngere Menschen die Entwicklung voran, die mit solchen Geräten kaum noch vertraut sind. Dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagt der Publizist und promovierte Philosoph aus Schwäbisch Gmünd: „Das menschliche Leben ist, wenn man so will, analog. Das betrifft sicher auch das Schreiben.“

Texte aus einem Stück
Die Faszination für Schreibmaschinen passt zur Retro-Welle, zu der auch Vinyl-Schallplatten oder analoge Fotografie gehören. Aus Sicht von Kleinhans macht das Schreiben mit einer mechanischen Schreibmaschine aber auch tatsächlich Sinn. Es ermögliche eine besondere Art konzentrierten Schreibens: „Texte, die mit der Maschine – oder auch mit dem Stift – zunächst analog verfasst werden, sind einheitlicher und aus einem Stück. „Auch Fehler – etwa in der Textstruktur – werden auf einem getippten Papier deutlicher als in einem elektronischen Text.“ Die Schreibmaschine zwinge zum genaueren Nachdenken, sagt Kleinhans. Natürlich könne eine Schreibmaschine kein modernes Textprogramm ersetzen, „aber für erste Rohfassungen und Textentwürfe kann die Schreibmaschine ein Mittel der Wahl sein“.
Auch das Deutsche Schreibmaschinenmuseum in Bayreuth beobachtet ein wachsendes Interesse an historischen Schreibgeräten. Dabei gehe es nicht um einen vollständigen Ersatz von Computer, Textprogramm und Drucker, sagt Museumsleiterin Alexandra Blum dem epd. Viele nutzten mechanische oder elektrische Schreibmaschinen eher für kurze Texte oder Gedichte, fotografierten die fertigen Seiten und teilten sie anschließend in sozialen Medien: „An der Schreibmaschine fasziniert vor allem ihre Unmittelbarkeit: Der Text entsteht direkt, ohne Umwege – der Drucker ist sozusagen schon integriert.“
Künstliche Intelligenz in Hollywood
Gerade weil diese Erfahrung im digitalen Zeitalter weitgehend verschwunden sei, übe sie auf viele Menschen eine besondere, tief empfundene und körperlich spürbare Anziehung aus, erklärt Blum: „Viele haben schon lange keine Schreibmaschine mehr gesehen.“ Wer heute damit Texte erstelle, wolle weit weg von den Ablenkungen eines Computers. Inzwischen gebe es vor allem in den USA und Europa die sogenannte „Typosphere“, eine Gemeinschaft von Menschen, die analoge Schriftmedien förderten.
Der Trend ist auch eine Gegenbewegung zur digitalen Überwachung. Schreibmaschinen könnten nicht gehackt werden, das ist ein wichtiges Argument für den 1964 geborenen US-amerikanischen Philosophen Richard Polt. Er ist eine der prägenden Stimmen der Schreibmaschinen-Revival-Bewegung und sagt: Kaum ein Kommunikationsmittel sei so abhörsicher wie die Schreibmaschine. Sogar in Hollywood findet sich das Motiv: In „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins“ (2023) mit Tom Cruise flüchtet sich der Geheimdienst vor einer außer Kontrolle geratenen künstlichen Intelligenz in ein analoges Schreibbüro voller mechanischer Schreibmaschinen – alles offline.
Klang der Produktivität
Das Schreiben mit einer alten Schreibmaschine habe etwas Rhythmisches an sich, meint Schauspieler Tom Hanks. Für ihn sei das der „Klang der Produktivität“, sagte der 70-Jährige bereits vor Jahren in einem CBS-Interview, das seither in zahlreichen YouTube-Clips kursiert. Die Geräte-Sammlung des US-Schauspielers (Schlaflos in Seattle, Forrest Gump, e-m@il für Dich) soll inzwischen über 300 Exemplare umfassen.
Hanks benutzt laut dem britischen „Guardian“ fast täglich eine Schreibmaschine – nicht unbedingt für längere Texte, dafür sei ein Laptop immer noch das effizientere Werkzeug –, sondern so, wie andere vielleicht etwas auf einen Zettel notierten oder in eine Notiz-App tippten, etwa für eine Einkaufsliste.
Woody Allen nutzt Olympia-Maschine
Auch der 1935 geborene Regisseur Woody Allen schreibt alle seine Texte auf einer alten deutschen Olympia. Die kaufte er nach eigener Aussage im Alter von 16 Jahren für 40 US-Dollar. Das Teil werde ihn noch überleben, habe ihm der Verkäufer damals gesagt: „The guy told me it would be around long after my death.“
Inzwischen gebe es durchaus einen Markt für gebrauchte Schreibmaschinen und Zubehör, sagt Blum vom Deutschen Schreibmaschinenmuseum. Häufig stammten solche Angebote aus Nachlässen. Während mechanische Schreibmaschinen gefragt seien, würden elektrische Modelle aufgrund ihrer großen Verbreitung nur noch eingeschränkt angenommen.
Weder das Schreiben von Hand, glaubt der Medienforscher Kleinhans, noch das Schreiben mithilfe analoger Technik wie der Schreibmaschine seien reine Modewellen: „Es wird parallel immer neben den elektronischen Medien existieren – als Korrektiv und Hinweis auf Defizite der allgemeinen Digitalisierung.“