„Krasse Polizeigewalt gegen unsere Schüler“: Protest an Frankreichs Gymnasien wächst – 440 Festnahmen
Stand: 29.09.2026, 22:57 Uhr
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Schüler protestieren und blockieren hunderte Gymnasien. Die Polizei greift hart durch. Und jetzt gehen auch Lehrkräfte auf die Straße.
Paris – Schlechte Ausstattung, überfüllte Klassen und fehlende Lehrkräfte. Seit Freitag (25. September) protestieren Schülerinnen und Schüler in mehr als 180 Städten in ganz Frankreich gegen diese und weitere Missstände an den Lycées, den Gymnasien im Land. Zum Teil wurden die Schulen durch Demonstrantinnen und Demonstranten vollständig blockiert.

Die Proteste finden vorwiegend in Bezirken nahe Paris und in den Banlieus statt Aber auch in Lille, Lyon, Grenoble und Nizza gingen Menschen gegen die ihrer Ansicht nach unzureichenden Strukturen an Schulen auf die Straße. Seit Freitag dehnten sich die Schülerproteste immer weiter aus. Inzwischen kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Ordnungskräften und Hunderten Festnahmen.
Blockierte Gymnasien, hartes Vorgehen der Polizei und Verletzte bei Schülerprotesten
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez sprach im Sender BFMTV von 440 festgenommenen Menschen, wobei die Zahlen aktuell noch vorläufig seien. Vorgeworfen werden ihnen zumeist Sachbeschädigung oder Angriffe auf Ordnungskräfte. 338 Einrichtungen waren laut französischem Kulturministerium von Blockaden oder Protestaktionen im Tagesverlauf betroffen. Die Gymnasialgewerkschaft USL sprach von 400 blockierten Gymnasien.
Bereits am Montag (28. September) waren bei Protesten an Schulen in mehreren Städten Frankreichs Dutzende Menschen verletzt und mindestens 164 festgenommen worden, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Während die Regierung Gewalt seitens der Protestierenden beklagte, warnten die Gewerkschaften davor, die Polizei gegen die legitimen Proteste der jungen Leute einzusetzen.
Auf Anweisung des Innenministers Nuñez gehen die Polizeikräfte hart gegen die Schülerinnen und Schüler vor. Laut Tagesschau-Angaben erlitt ein Schüler durch eine Tränengasgranate schwere Verletzungen im Gesicht.
Lehrer solidarisieren sich bei Protesten in Frankreich mit Schülern
Die Lehrer verurteilen dieses Vorgehen und solidarisieren sich mit ihren Schülern, indem sie inzwischen mit ihnen auf die Straße gehen. Eine Lehrerin des Lycée Paul Eluard im Banlieue Saint Denis im Norden von Paris sagte der Tagesschau: „Uns fehlen Tische. Stühle brechen jeden Tag zusammen, es gibt ein riesiges Gefühl der Ungleichheit gegenüber den Schulen im Pariser Stadtzentrum. Aber wir streiken auch, weil es so krasse Polizeigewalt gegen unsere Schüler gegeben hat. Wir sind heute hier, um sie mit unserer Präsenz physisch zu schützen.“
Neben den grassierenden Schülerprotesten stand in Frankreich am Dienstag außerdem ein nationaler Streiktag im öffentlichen Dienst an. In dessen Mittelpunkt standen befürchtete Einsparungen im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr, den Premier Sébastien Lecornu noch am Donnerstag vorlegen will. Nötig sind Milliardeneinsparungen, da Frankreichs Staatsverschuldung inzwischen auf einen Rekordwert von fast 119 Prozent des Bruttoinlandsproduktes angestiegen ist. (Verwendete Quellen: BFMTV, dpa, Tagesschau) (fh)