Stand: 29.09.2026, 23:04 Uhr
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Myanmars Militär bombardiert einen belebten Markt in Rakhine: 49 Tote, 58 Verletzte. Die Arakan Army kündigt Vergeltung an.
Bei einem Luftangriff des Militärs von Myanmar in der Nähe eines Marktes in einem von einer mächtigen Rebellenorganisation kontrollierten Gebiet sind am Montag mindestens 49 Menschen getötet worden. Weitere 58 wurden verletzt, wie Vertreter der Gruppe und ein Verantwortlicher der Rettungskräfte mitteilten. Der Angriff ereignete sich in einer Region, die seit Längerem von heftigen Kämpfen und wachsender Unsicherheit geprägt ist.
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Dieser Artikel von Malek Fouda entstand in Kooperation mit Euronews.
Der Angriff im Westen des Bundesstaates Rakhine war der jüngste in einer Reihe tödlicher Luftangriffe gegen prodemokratische Widerstandsgruppen und ethnische bewaffnete Organisationen im ganzen Land. Beobachter sehen darin ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Militär verstärkt auf Luftmacht setzt, um seine Kontrolle über umkämpfte Gebiete zu behaupten.
Bewaffneter Konflikt seit dem Putsch 2021
Seit das Militär am 1. Februar 2021 der gewählten Regierung von Aung San Suu Kyi die Macht entrissen hat, befindet sich Myanmar in einer schweren Krise. Nachdem die Sicherheitskräfte friedliche Proteste mit tödlicher Gewalt niedergeschlagen hatten, griffen viele Gegner der Militärherrschaft zu den Waffen. Große Teile des Landes gerieten dadurch in einen bewaffneten Konflikt, in dem ethnische Gruppen und prodemokratische Milizen eine zunehmend wichtige Rolle spielen.
Nach Angaben der Arakan Army ereignete sich der Angriff am Montag in der Gemeinde Kyauktaw, rund 340 Kilometer westlich von Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die mächtige ethnische bewaffnete Gruppe mit Sitz in Rakhine kontrolliert Kyauktaw und hat dort in den vergangenen Monaten ihren Einfluss kontinuierlich ausgebaut.
Luftschlag nahe Markt mit zahlreichen Opfern
Die Arakan Army teilte in einer am frühen Dienstag veröffentlichten Erklärung mit, ein Kampfflugzeug habe gegen Mittag zwei Bomben in der Nähe eines örtlichen Marktes abgeworfen und dabei Händler, Käufer und Passanten getötet. 58 weitere Menschen seien verletzt worden, 22 davon schwer. Angaben zum Angriff ließen sich unabhängig nicht überprüfen, da der Zugang zu der Region für Journalisten und Hilfsorganisationen stark eingeschränkt ist.
In der Erklärung hieß es weiter, die Gruppe „wird demnächst wirksame Vergeltungsmaßnahmen gegen die Einzelpersonen und Organisationen ergreifen, die direkt für die Angriffe mit gezielten Luftschlägen verantwortlich sind und dadurch zahlreiche Opfer verursacht haben“. Die Ankündigung schürt Befürchtungen, dass sich die Gewaltspirale in Rakhine weiter beschleunigen könnte.
Rettungskräfte berichten von einem der schwersten Angriffe
Der leitende Rettungsbeamte Wai Hun Aung in Rakhine bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur The Associated Press die Opferzahlen unter Berufung auf Rettungskräfte vor Ort. Er erklärte, der Markt sei das wichtigste Großhandelszentrum der Region und ziehe Händler und Käufer aus dem gesamten Bundesstaat an. Viele der Opfer seien demnach Menschen gewesen, die Waren aus umliegenden Dörfern zum Verkauf gebracht hatten.
„Dies ist einer der schwersten Luftangriffe in Rakhine“, sagte er. Auf sozialen Medien veröffentlichte Fotos und Videos zeigten brennende Gebäude, beschädigte Fahrzeuge und zerstörte Teile einer nahe gelegenen Brücke. Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen, in denen Helfer versuchten, Verletzte mit improvisierten Mitteln in provisorische Kliniken zu bringen.
Militär verteidigt Vorgehen, Rebellen weiten Offensive aus
Das Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Angriff. Es betont bei früheren Vorfällen regelmäßig, nur legitime militärische Ziele anzugreifen, und wirft den Widerstandsgruppen Terrorismus vor. Menschenrechtsorganisationen und lokale Aktivisten halten diese Darstellung jedoch für unglaubwürdig und verweisen auf zahlreiche Angriffe, bei denen vor allem Zivilisten getroffen wurden.
Die Arakan Army ist der gut ausgebildete und bewaffnete militärische Arm einer Bewegung, die für die Autonomie der ethnischen Minderheit in Rakhine gegenüber der Zentralregierung von Myanmar eintritt. Im November 2023 startete sie eine Offensive in Rakhine. Seitdem hat sie ein strategisch wichtiges regionales Militärhauptquartier sowie 14 der 17 Gemeinden des Bundesstaates eingenommen.
Versorgungslage verschlechtert sich dramatisch
Seit sich die Kämpfe in Rakhine verschärft haben, hat das Militär strikte Beschränkungen für Handelsrouten verhängt. Die Versorgungsknappheit hat sich dadurch weiter verschlimmert, viele Regionen kämpfen mit steigenden Lebensmittelpreisen und begrenztem Zugang zu medizinischer Hilfe. Hilfsorganisationen warnen vor einer sich zuspitzenden humanitären Krise, da immer mehr Menschen aus umkämpften Gebieten fliehen.
Im Dezember hat ein Luftangriff des Militärs auf ein Krankenhaus in der Gemeinde Mrauk-U in Rakhine mindestens 34 Menschen getötet und 80 weitere verletzt. Der aktuelle Angriff auf den Markt fügt sich damit in eine Serie von Attacken ein, bei denen zivile Einrichtungen wie Kliniken, Schulen und Marktplätze unter Beschuss geraten sind.