Küchenhersteller mit dritter Insolvenz binnen sechs Jahren – 120 Jobs in Gefahr
Stand: 11.08.2026, 19:10 Uhr
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Der Iran-Krieg legt Bauprojekte am Golf lahm. Das wirkt sich auch auf Brigitte Küchen aus Hiddenhausen aus. Das Unternehmen muss erneut Insolvenz anmelden.
Hiddenhausen – Schon zum dritten Mal seit der Übernahme durch Investor Steffen Liebich im Jahr 2020 muss der ostwestfälische Küchenhersteller Brigitte Küchen Insolvenz anmelden. Am 27. Juli beantragte das Unternehmen ein Verfahren in Eigenverwaltung. Für rund 120 Beschäftigte der H. Frickemeier Möbelwerk GmbH, zu der Brigitte Küchen gehört, ist die Zukunft ungewiss. Besonders bitter: Die Nachricht erreichte die Belegschaft ausgerechnet während der Betriebsferien.

Als Hauptgrund für die erneute Schieflage nennt Firmenchef Steffen Liebich den Ausbruch des Iran-Kriegs. „Es tut mir sehr leid, dass die Nachricht die Mitarbeitenden ausgerechnet in den Sommerferien ereilt“, sagte er gegenüber der Fachzeitschrift möbel kultur. Der Einbruch aller Wirtschaftsaktivitäten im Nahen Osten habe es „zwingend notwendig gemacht, die Kapazitäten der Firma an die Wirklichkeit anzupassen“.
Dritte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren: Küchenhersteller aus NRW vor ungewisser Zukunft
Liebich, der als Vorstand der Beteiligungsgesellschaft Kairos Industries AG auf Sanierungen im deutschen Mittelstand spezialisiert ist, verweist auf die massiven Folgen des Konflikts für wichtige Absatzmärkte: Auch Anrainerstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien seien durch Raketeneinschläge und gekappte Handelsrouten betroffen. Tourismus, Wirtschaft und Baugewerbe in der Region seien praktisch zum Erliegen gekommen.
Auch Sachwalter Dr. Frank Kebekus bestätigt gegenüber der Bild das Ausmaß der Probleme: „Das ist ein Riesenproblem, da es sehr wichtige Absatzmärkte für das Unternehmen sind. Wir haben dort unten allein vier Vertretungen, deren Geschäft aktuell komplett zum Erliegen gekommen ist.“ Weil zahlreiche Bauvorhaben in der Region auf Eis liegen, sei auch die Nachfrage nach den Küchen aus Hiddenhausen stark eingebrochen.
Doch nicht nur die Lage im Nahen Osten belastet das Geschäft: Kebekus macht auch die schwache Baukonjunktur in Deutschland, ausbleibende Bauprojekte sowie die Zurückhaltung vieler Verbraucher bei größeren Anschaffungen verantwortlich. Liebich ergänzt, geplante Baumaßnahmen seien hierzulande von der Politik nicht im versprochenen Umfang vorangetrieben worden, das Verbrauchervertrauen sei dahin – Investitionen würden trotz theoretisch hoher Kaufkraft zurückgehalten.
Lieferanten würden Zahlungsunfähigkeit „nicht spüren“
Es ist bereits die dritte Insolvenz für Brigitte Küchen unter Liebichs Führung. 2020, im Jahr der Übernahme, folgte das erste Verfahren im Zuge der Corona-Pandemie. 2024 geriet das Unternehmen erneut in Schwierigkeiten, nachdem der pandemiebedingte Küchenboom abrupt nachgelassen hatte. Liebich weiß, dass die Branche bei der dritten Insolvenz eines einst familiengeführten Küchenproduzenten binnen nur sechs Jahren genau hinschaut.
Zur finanziellen Situation betont der Investor, es gebe bei Brigitte Küchen keinerlei Bankverbindlichkeiten, und die Lieferanten würden die Zahlungsunfähigkeit im Zuge der Insolvenz „nicht spüren“. Intern habe man dennoch zeitnah handeln müssen. Wie viele der zuletzt 115 Mitarbeiter konkret betroffen sind, wollte Liebich noch nicht beziffern.
Produktion läuft weiter, Messeauftritt bleibt geplant
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage will der Investor an dem Küchenhersteller festhalten. Nach den Betriebsferien soll die Produktion im Werk Hiddenhausen ab dem 12. August planmäßig weiterlaufen. Auch die Teilnahme an den Herbstmessen im September ist weiterhin vorgesehen – dort sollen sowohl Brigitte Küchen als auch die zur Unternehmensgruppe gehörende Marke RWK Kuhlmann vertreten sein. RWK Kuhlmann war nach eigener Insolvenz 2025 von Liebich übernommen und in das Portfolio integriert worden.
„Das Unternehmen besitzt einen Nukleus, der wirtschaftlich erfolgreich sein kann, daran glauben wir“, sagt Liebich. Der Wettbewerb in Deutschland sei zwar „extrem hart“, dennoch wolle man den Küchenproduzenten weiter aufrechterhalten. Große Aufträge aus Großbritannien und Asien stünden kurz vor dem Abschluss. „Wir versuchen wie alle anderen unser Glück im Ausland“, so Liebich.
Als Sachwalter des Insolvenzverfahrens wurde Rechtsanwalt Dr. Frank Kebekus bestellt. Brigitte Küchen bietet Einbauküchen in unterschiedlichen Stilrichtungen sowie individuelle Möbel fürs gesamte Zuhause an. Derweil musste auch ein Möbelhändler aus München Insolvenz anmelden. (Quellen: möbel kultur, bild.de, dpa) (han)