Stand: 16.10.2026, 19:15 Uhr
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Im Usinger Land landen immer häufiger Kühlschränke und Möbel an Containern und in Wäldern. Ein Ordnungsamtsleiter erklärt, warum Täter kaum erwischt werden.
Usinger Land – „Was ist nur mit den Menschen los?“, fragt sich Helmut Kern, der zweite Vorsitzende des Taunusklubs Niederreifenberg. Was er an der Grünecke in Oberreifenberg, wo auch die Altkleider-Container stehen, beobachtet hat, hat ihn schier sprachlos gemacht. „Nicht allein, dass unsere Mitbürger die Altkleider-Container falsch nutzen und ihre Kleidung einfach neben die oft überfüllten Container werfen, jetzt auch noch dies: Direkt daneben eine Kloschüssel nebst Rohren.“.
Er habe zum Thema „Altkleidercontainer“ in der Vergangenheit bereits mit den Umweltpaten und der Gemeindeverwaltung Schmitten korrespondiert, berichtet er. Illegale Müllablagerungen an Containern und Grünecken und im Wald sind aber offensichtlich im ganzen Usinger Land ein zunehmendes Problem.
Hans-Jörg Bleher, Leiter des für Neu-Anspach, Usingen und Grävenwiesbach zuständigen Ordnungsamtes, sagt: „Manche Bürger entsorgen offenbar grundsätzlich andere Dinge an den Containern und Grünecken. Manchmal stehen dort ganze Kühlschränke. Im Wald liegen oft Möbel, Bauschutt oder Autoreifen.“ Die Bauhofmitarbeiter seien fast ständig damit beschäftigt, nicht ordnungsgemäß entsorgten Müll zu beseitigen. „Die Kosten dafür tragen die Kommunen“, macht er deutlich.
Natürlich führe das Ordnungsamt regelmäßig Kontrollen durch um die Verursacher zu finden, aber es könne nicht jemand den ganzen Tag neben Containern oder einer Grünecke stehen, sagt der Amtsleiter. Die schwarzen Schafe stellten auch nur dann Müll ab, wenn sie sich unbeobachtet fühlten. Bleher stellt fest: „Die Chance, jemanden auf frischer Tat zu ertappen, ist eher gering. Am ehesten gelingt das dem Umweltranger, der mit dem Fahrrad unterwegs ist.“
Bleher ärgert sich darüber, dass manche Leute sich einfach nicht an die Regeln halten und ist überzeugt: „Wer illegal Müll ablädt, müsste viel mehr zur Kasse gebeten werden.“ Ohne konkrete Beweise sei es aber schwierig, Bußgelder für Ordnungswidrigkeiten zu verhängen. Extreme Fälle mit starker Umweltbelastung stellten sogar einen Straftatbestand dar. Aber wenn der Verursacher nicht bekannt sei, ließe sich auch das nicht ahnden.
Daher appelliert Bleher an Bürger, die Müllsünder beobachten, dies zu melden und beim Ordnungsamt oder der Polizei zur Anzeige zu bringen und sich bei Bedarf als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Wichtig sei es, Ort und Uhrzeit zu notieren und den Täter und sein Vorgehen genau zu beschreiben. Wenn jemand Müll aus einem Fahrzeug auslade, sollte man auch das Kennzeichen aufschreiben und das Auto möglichst genau beschreiben. Als Beweis könne man auch das Fahrzeug mit gut erkennbarem Kennzeichen fotografieren. Das Foto sollte man aber nicht in den sozialen Medien verbreiten, sondern nur für die Anzeige verwenden.
Bleher rät davon ab, Müllsünder zu fotografieren. Da gebe es Probleme mit dem Datenschutz und den Persönlichkeitsrechten. Aus diesem Grund dürften in der Nähe von Containern oder Grünecken auch keine Überwachungskameras aufgestellt werden.
In diesem Zusammenhang weist Bleher auf ein gerade laufendes Projekt der Stadt Bad Nauheim hin. Die Kurstadt setze datenschutzkonform Wildmüll-Blitzer ein, um Verursacher zur Verantwortung zu ziehen. Die Kameras würden zunächst verpixelte Aufnahmen von Ablagevorgängen verfolgen. Bestätige sich ein Verdachtsfall, würden mithilfe von künstlicher Intelligenz verpixelte Bildbereiche stufenweise freigegeben, um die Zuordnung zu einer Person oder einem Fahrzeug zu ermöglichen. Über die Erfolgsquote und die Kosten in Bad Nauheim konnte Bleher noch nichts sagen, aber er kann sich vorstellen: „Vielleicht ist das auch eine Chance für andere Kommunen.“