Kultusminister will neues Pflichtfach in der Schule: „Digitale Zukunftskompetenz verankern“

Stand: 06.10.2026, 22:23 Uhr

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Hessen führt im kommenden Schuljahr als einziges Bundesland „KI und Digitale Welt“ als neues Pflichtfach an allen fünften Klassen ein. Warum das notwendig ist, erklärt Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) im Interview mit Ippen.Media.

Wiesbaden – Hessen hatte das neue Schulfach zunächst in einem Pilotprojekt getestet. Ab dem Schuljahr 2027/28 soll es im Rahmen des Bildungschancenpakets verpflichtend in Jahrgangsstufe 5, ein Jahr später auch in Jahrgangsstufe 6 mit einer Unterrichtsstunde pro Woche werden.

Warum braucht Hessen ein Schulfach KI?

Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung verändern unseren Alltag, unsere Arbeitswelt und die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen und bewerten. Das geht fast in Schallgeschwindigkeit. Deshalb reicht es nicht aus, KI lediglich gelegentlich in einzelnen Fächern anzusprechen. Unser neues Pflichtfach, das wir „KI und Digitale Welt“ nennen, soll allen Schülerinnen und Schülern wichtige Kompetenzen vermitteln. Mit dem neuen Fach verankert Hessen digitale Zukunftskompetenz verbindlich im Stundenplan.

„Mit dem neuen Fach verankert Hessen digitale Zukunftskompetenz verbindlich im Stundenplan.“

Findet Medienbildung nicht ohnehin schon an fast allen Schulen statt?

Was bisher läuft, soll weiterlaufen, aber jetzt wird im nächsten Schuljahr die eine Stunde wöchentlich für alle fünften Klassen verbindlich. KI als Pflichtfach ist deutschlandweit einmalig. Es geht nicht darum, bestimmte Programme oder KI-Anwendungen bedienen zu können. Die Kinder sollen vielmehr verstehen, wie Systeme und Algorithmen grundsätzlich funktionieren, welche Möglichkeiten sie bieten und wo ihre Grenzen und Risiken liegen. 

Schüler lassen sich von der KI die Hausaufgaben machen, betrügen sogar im Abitur damit und sind häufig versierter als manche Lehrer. Was sollen die ihnen in diesem Fach vermitteln? 

Die Anwendung der KI ist das eine, im Mittelpunkt steht aber der verantwortungsvolle Umgang damit. Digitale Technologien sollen sinnvoll und sicher eingesetzt, gleichzeitig auch kritisch beurteilt werden. 

Wir wissen, dass KI fehleranfällig ist. Wichtig ist, dass die Kinder lernen, das zu reflektieren. Eine Verbindung aus KI-Kompetenz, Finanzbildung, Verbraucherbildung und Nachhaltigkeit macht das Fach aus unserer Sicht zu einem wichtigen Bestandteil zeitgemäßer Bildung.

KI führt zu einer rasanten wirtschaftlichen Transformation. Darum müssen wir junge Menschen darin schulen. Sie müssen damit umgehen können - sie müssen Ergebnisse aber auch kritisch reflektieren können. Wir wollen keine KI-Experten erziehen, sondern ein Verständnis dafür entwickeln, wie digitale Technologien funktionieren und wie sie verantwortungsvoll – auch im eigenen Konsum – eingesetzt werden. 

Wie sieht der Lehrplan aus?

Grundlagen digitaler Technologien, Beschäftigung mit Algorithmen, erste Programmiererfahrungen, aber auch Datenschutz, Datensicherheit und Mediennutzung sollen eine Rolle spielen. In den Klassen 5 und 6 liegt der Fokus auf Medienbildung in Kombination mit Finanzbildung und Verbraucherbildung. Ab Klasse 7 liegt der Fokus vermehrt auf Informatik. 

„Im Mittelpunkt steht der verantwortungsvolle Umgang mit KI.“

Wie soll das an den Schulen umgesetzt werden? Werden Lehrer fortgebildet?

Grundsätzlich können Lehrkräfte aus allen Fächerkombinationen eingesetzt werden. In Abhängigkeit zu den fachlichen Vorkenntnissen können sie dafür auch Fortbildungsmodule belegen, die wir in Hessen kontinuierlich ausbauen. Das war übrigens auch bei der flächendeckenden Einführung des KI-gestützten Chatbot Telli, der heute AIS.chat heißt, vor genau einem Jahr der Fall. Allein in den ersten drei Monaten haben Lehrerinnen und Lehrer im ganzen Land über 10.000 Fortbildungen wahrgenommen.

Weil der Fokus ab Jahrgangsstufe 7 im Fach „KI und Digitale Welt“ auf Informatik liegt, bietet es sich an, Lehrkräfte aus diesem Fachbereich einzusetzen. Darum werden wir die Platzkapazitäten ab dem Jahr 2027 in den Weiterbildungskursen Informatik verdoppeln. Schon im Referendariat sollen Lehrkräfte an das neue Fach herangeführt werden. Die Bereitschaft, „KI und digitale Welt“ zu unterrichten, soll zudem ein Vorrangmerkmal für die Einstellung in den Schuldienst bei Lehrkräften werden.

Sind zusätzliche Lehrstellen vorgesehen?

Das Fach „KI und Digitale Welt“ wird eine zusätzliche Pflichtstunde in den Klassen 5 und dann auch 6. Im Rahmen des Bildungschancenpakets stellen wir im Laufe der Legislaturperiode 680 zusätzliche Lehrkräfte ein, davon 280 im Bereich Digitales und Zukunftskompetenzen.

Bei der Einführung des schuleigenen KI‑Chatbots Telli (heute AIS.chat) vor einem Jahr, war ein Hauptargument, Daten der Schüler könnten mit einem EU-basierten Chatbot besser geschützt werden. Nun wird im Unterricht doch US-basierte KI verwendet. Ist der Datenschutz plötzlich unwichtig?

Datenschutz bleibt beim Einsatz von KI in der Schule selbstverständlich verbindlich. Im neuen Fach wird aber kein bestimmtes KI-System vorgeschrieben. Lehrkräfte müssen bei der Nutzung von KI-Anwendungen die geltenden datenschutzrechtlichen Vorgaben beachten und können hierfür unter anderem die datenschutzkonforme Umgebung AIS.chat nutzen. Zugleich gehört es ausdrücklich zum Bildungsauftrag des Fachs, unterschiedliche KI-Systeme kritisch zu vergleichen, etwa mit Blick auf Datenschutz, Urheberrecht, Datenqualität und mögliche Verzerrungen.

An den Grundschulen wird parallel das Internet-ABC verpflichtend …

Ähnlich wie die Fahrradprüfung oder der Schwimmunterricht wird ein „Medienführerschein“ für alle vierten Klassen ab dem Schuljahr 2027/28 verpflichtend. Auch das ist die Vorbereitung für das Fach „KI und digitale Welt“ in der weiterführenden Schule. Alles steht damit in einem bildungspolitischen Kontext und bereitet unsere Schülerinnen und Schüler noch gezielter auf ein Leben in einer rundum digitalisierten Welt vor.

KI und Digitale Welt - Neues Schul-Pflichtfach in Hessen

Ab dem Schuljahr 2027/28

Das neue Fach wird zunächst verpflichtend im Jahrgang 5 eingeführt und wächst in den laufenden Schuljahren mit den Kindern bis zur Jahrgangsstufe 10.

• Medienführerschein im Jahrgang 4: Wie funktioniert das Internet? Was passiert, wenn private Bilder weitergeschickt werden? Wo lauern Gefahren in sozialen Medien?

• Einführung „KI und Digitale Welt“ mit Fokus auf Medienbildung in den Jahrgangsstufen 5 als verpflichtendes Schulfach. Inhalte: Medienbildung, Einstieg in Informatikwissen und reflektierte Nutzung der KI, sowie Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung ergänzt (einstündig)

Ab dem Schuljahr 2028/29

• Aufbaukurs „KI und Digitale Welt“ in Jahrgangsstufe 6

Ab dem Schuljahr 2029/30

• Aufbau des Pflichtangebots „KI und Digitale Welt“ mit Fokus auf Informatik zwischen Jahrgangsstufe 7 und 10. Inhalte: Verantwortungsvoller Umgang mit Informatiksystemen und künstlicher Intelligenz (KI). Wesentlicher Beitrag zur Grundbildung in Informatik, zur fundierten beruflichen Orientierung und zur gezielten Vorbereitung auf weiterführende Bildungsgänge im MINT-Bereich. Belegverpflichtung (einstündig) im Rahmen des Wahl- und Wahlpflichtunterrichts (Haupt-und Realschulen Jahrgangsstufe 7/8; Gymnasium Jahrgangsstufe 9/10).