Lachen, diskutieren, Freunde bleiben

Stand: 23.08.2026, 08:00 Uhr

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Matthias Kallmeyer und Ena Kaufmann Bad Vilbel

Matthias Kallmeyer und Ena Kaufmann sind seit vielen Jahren befreundet. © Patrick Eickhoff

Zehn Tage standen sie im Rampenlicht der Quellenstadt. Heute sitzen Ena Kaufmann und Matthias Kallmeyer für Grüne und CDU im Stadtparlament – und bleiben trotz harter Debatten befreundet.

Bad Vilbel – Wenn Matthias Kallmeyer und Ena Kaufmann im Schatten an der Orangerie hinter der Stadthalle Platz nehmen, dann werden sie nicht mehr von jedem Spaziergänger angesprochen. Sie lachen. „Das ist auch gut so“, sagt Kallmeyer. Kaufmann ergänzt: „Wir sind unglaublich dankbar für die Zeit als Bad Vilbeler Hessentagspaar. Das war wirklich grandios.“ Das sei eine einmalige und wunderbare Erfahrung gewesen. Doch nun freue man sich auf neue Aufgaben: „Jetzt liegt unser Fokus auf anderen Ehrenämtern.“

Am letzten Tag fand der große Umzug statt. Auch das Hessentagspaar Ena Kaufmann und Matthias Kallmeyer präsentierten sich.

Zum Abschluss des Landesfests fand der große Umzug statt. Auch das Hessentagspaar Ena Kaufmann und Matthias Kallmeyer präsentierte sich. © Nici Merz

Ein kurzer Rückblick: Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass Bad Vilbel Deutschlands größtes Landesfest ausgerichtet hat. Zehn Tage stand die Quellenstadt Kopf. Auch Kaufmann und Kallmeyer eilten von Termin zu Termin, wollten alles aufsaugen und mitnehmen, was geht. Befreundet sind die beiden seit vielen Jahren. Matthias Kallmeyer war bereits Teil des Hessentagspaares für 2020, der coronabedingt ausgefallen ist. Als Betreuerin Verena Eiser ihn fragt, ob er sich vorstellen könne, wieder ein Teil des Hessentagspaares zu sein, stimmt er zu. „Aber ich hatte eine Bedingung“, sagt er und lacht. „Ich habe gesagt, wenn ich es mache, dann nur mit der Ena.“

Verschiedene politische Lager

Das ist jetzt vorbei. Die beiden sind – und das ist keine Überraschung – immer noch befreundet. Auch wenn es sie mittlerweile in andere politische Lager verschlagen hat. Matthias Kallmeyer ist Ortsvorsteher der Kernstadt und Teil der CDU-Fraktion im Bad Vilbeler Stadtparlament. Ena Kaufmann sitzt für die Grünen ebenfalls im Stadtparlament. Beide holten mehr als 4000 Einzelstimmen und damit die viermeisten ihrer jeweiligen Partei. Ein stolzes Ergebnis, besonders für Ena Kaufmann, die erst vor zwei Jahren angefangen hat, sich in der Politik zu engagieren. „Den einen konkreten Auslöser gab es nicht.“ Kaufmann beschäftigt vor allem die Frage, wie Bad Vilbel langfristig eine lebenswerte Stadt für alle bleiben kann. Klimaschutz, eine familienfreundliche und inklusive Stadt sowie bezahlbarer Wohnraum gehören für sie dazu. Dabei geht es ihr auch um eine vorausschauende Stadtentwicklung. Als Beispiel nennt sie die Ladeinfrastruktur im Quellenpark. Bei neu gebauten Häusern fehlten teilweise die Voraussetzungen für spätere Schnellladesäulen; auch Gasheizungen seien in Gebäuden eingebaut worden, die noch keine fünf Jahre alt sind. Für Kaufmann zeigt das, wie wichtig klare Vorgaben bereits bei der Planung neuer Baugebiete sind. „Wir sollten heute mitdenken, wie wir in zehn oder zwanzig Jahren leben wollen“, sagt sie.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Dass sie politisch nicht immer einer Meinung sind, wissen beide. Und sie diskutieren darüber – durchaus leidenschaftlich. Die längsten Gespräche entstehen dabei nicht selten im Auto. „Da hält man vor dem Haus, aber weil das Thema noch nicht fertig ist, geht es immer weiter“, erzählt Kallmeyer und lacht.

Ena Kaufmann würde sich wünschen, dass alle demokratischen Parteien etwas enger zusammenrücken. „Persönlicher Streit bringt niemanden voran. Wir wollen schließlich alle, dass Bad Vilbel lebenswert ist.“ Man müsse dann auch bei gewissen Themen an einem Strang ziehen. „Gerade wenn die Extreme immer stärker werden.“

Mit Blick auf ihre Schwerpunkte und Wünsche in der Kernstadt unterscheiden sich die beiden dann doch. Kallmeyers liegen unter anderem beim Thema Sicherheit und sozialen Angeboten.

Er möchte verhindern, dass Vandalismus überhaupt erst entsteht, und setzt dabei auf eine stärkere Präsenz der Ordnungspolizei – insbesondere in den Abendstunden und am Wochenende. Langfristig wünscht sich der Ortsvorsteher eine Art Innenstadtwache der Ordnungspolizei, um den Bürgerinnen und Bürgern einen direkten Draht für Anliegen in diesem Bereich zu ermöglichen.

Gleichzeitig brauche es mehr Angebote für Jugendliche und Orte, an denen sie sich auch später am Abend treffen können. Auch eine stärkere aufsuchende Sozialarbeit in der Kernstadt gehört für ihn dazu. Auf Punkte der Grünen sei seine Partei eingegangen. „Besonders im Ortsbeirat wird oft sehr frei von der Parteizugehörigkeit diskutiert.“

Deshalb wolle man auch als Ortsbeirat mehr an die Öffentlichkeit gehen. „Wir wollen als gesamter Ortsbeirat Präsenz zeigen. Das gab es so auch noch nicht.“

Wichtiger Austausch

Auch wenn CDU und Grüne bei solchen Fragen unterschiedliche Antworten haben, wollen beide den politischen Austausch nicht aufgeben. Gerade auf kommunaler Ebene gebe es viele Themen, bei denen Parteigrenzen weniger wichtig seien als die gemeinsame Suche nach einer guten Lösung.

Und so kann es passieren, dass Kaufmann und Kallmeyer vor einer Stadtverordnetenversammlung gemeinsam lachen und wenige Minuten später politisch unterschiedliche Positionen vertreten. Für sie ist das kein Widerspruch. Ihre Freundschaft beruht nicht darauf, dass sie immer einer Meinung sind. Sondern darauf, dass sie einander zuhören, widersprechen können und sich trotzdem respektieren.

„Wir haben uns ja trotzdem gern.“