Lang & Schwarz: Jetzt startet der Trade-Republic-Verlierer einen Beruhigungsversuch
Nach dem Aus der Exklusiv-Partnerschaft mit Trade Republic ist der Aktienkurs des Börsenbetreibers kollabiert. Nun nimmt der Vorstand Stellung – und lässt doch Fragen offen.
Nach dem Trade-Republic-Schock steckt der Börsenbetreiber Lang & Schwarz in der Krise. Foto: IMAGO/dreamstime
Bis vor zwei Wochen war die Welt für Lang & Schwarz noch heile. Lange profitierte der Börsenbetreiber von einer Exklusiv-Partnerschaft mit dem Neobroker Trade Republic. Jede Aktienorder, die ein Kunde über die App platzierte, landete letztlich im Handelsraum der Düsseldorfer. Umsätze und Gewinne stiegen deutlich, ebenso der eigene Aktienkurs. Bis Anfang Juli.
Die Folgen bekam das Unternehmen prompt zu spüren. Die Handelsvolumina brachen radikal ein. Gegenüber dem Durchschnitt des laufenden Jahres gingen sie in der Spitze um bis zu 96 zurück, wie öffentlich zugängliche Daten zeigen. Auch der Aktienkurs sank stark: Innerhalb weniger Handelstage verlor das Papier bis zu 45 Prozent an Wert.

Lang & Schwarz
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Als börsennotiertes Unternehmen verschickte Lang & Schwarz zwar am Tag der Trade-Republic-Meldung eine Ad-hoc-Mitteilung. Eigentlich wollte Lang & Schwarz erst auf der Hauptversammlung am 26. August mehr Details zur künftigen Ausrichtung bekanntgeben. In Onlineforen äußern sie ihren Unmut über die spärliche Informationspolitik des Unternehmens.
Hier wächst Lang & Schwarz deutlich
Zwei Wochen hat es gedauert, bis Lang & Schwarz am Donnerstag dann doch eine Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen herausgab. An der Börse kam das gut an: Infolge des Beruhigungsversuchs legte die Aktie immerhin um fünf Prozent zu. Am Freitag setzte sie ihre Erholung fort. Die Kernbotschaft des Vorstandes lautet: Ja, es wird zu Einschnitten kommen – aber das Geschäft ist intakt.
In der Stellungnahme geht Lang & Schwarz auf „die beiden Kernkompetenzen des Geschäftsmodells“ ein. Da sind zum einen ‚strukturierte Papiere‘, sprich: Derivate. Anders als der Aktienhandel ist dieses Segment vom Umsatzeinbruch durch das neue Handelssystem bei Trade Republic nicht betroffen.
Hier betont der Finanzdienstleister sogar ein Wachstum: Im ersten Halbjahr 2026 habe der Bereich mit einem Ergebnis in Höhe von 30 Millionen Euro zum Unternehmenserfolg beigetragen – zehn Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Sprung resultiere auch daraus, dass Lang & Schwarz die Zahl der selbst emittierten, eigenen Produkte um gut 66 Prozent auf 75.000 steigern konnte. Allerdings: Lang & Schwarz gesteht auch selbst ein, dass Derivate zwar „margenstark“, gleichzeitig jedoch ein „Nischenprodukt“ sind.

Lang & Schwarz
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Wichtiger dürfte also sein, wie es im Aktienhandel weitergeht. Dafür ist das zweite Standbein wichtig, das Market-Making. Beim Market Making stellen Intermediäre wie Lang & Schwarz Kauf- und Verkaufskurse von Wertpapieren, bringen also beide Seiten bei einer Aktientransaktion zusammen. Sie verdienen dabei am Spread, der Differenz zwischen An- und Verkaufskurs.
Noch viele offene Fragen
Bereits im März hatte Lang & Schwarz in einer Ad-hoc-Meldung darüber informiert, an einem zusätzlichen Handelsmodell zu arbeiten, in dem „mehrere namhafte Wertpapierdienstleistungsunternehmen“ eingebunden sein sollen. Von Lang & Schwarz heißt es auf Anfrage, man erhoffe sich davon „einen positiven Beitrag zur Geschäftsentwicklung“.
Nun liefert Lang & Schwarz ein paar weitere Informationen dazu – die allerdings noch immer sehr vage sind. Das Unternehmen sei einer von mehreren Anbietern eines neuen Multi-Market-Maker-Modells. Damit will der Börsenbetreiber „zusätzliche Marktpotenziale […] erschließen und die Ertragsbasis des Market-Making-Geschäfts langfristig […] verbreitern“. Was das konkret bedeutet, bleibt weiterhin offen.
Neu ist zwar der Hinweis, dass das Projekt laut Plan bis Jahresende umgesetzt sein soll. In der Praxis ist eben noch nichts spruchreif. Noch würde der Deal verhandelt, außerdem stünde noch eine mögliche Genehmigung durch die Finanzaufsicht aus. Die Frage ist aber, ob dieses Timing zu halten ist – und inwiefern das neue Modell der Krise ertragsseitig überhaupt entgegenwirken kann.
Lang & Schwarz gesteht selbst ein: Der Wegfall vorheriger Orderströme werde „voraussichtlich nicht vollständig ersetzt werden können“. Auch darauf hatte Lang & Schwarz seine Aktionäre in einer weiteren Ad-hoc-Mitteilung Anfang Juli bereits eingeschworen. Da hieß es, man peile im laufenden Jahr ein Handelsergebnis an, das über dem Wert aus 2024 liege, also mehr als 109 Millionen Euro. Manche Szenekenner halten dies für zu optimistisch.
Allerdings: Die neue Handelsära bei Trade Republic führt bei Lang & Schwarz nicht nur zu sinkenden Umsätzen, sondern auch zu wohl geringeren Ausgaben auf der anderen Seite. Bislang zahlte der Börsenbetreiber eine Rückvergütung für weitergeleitete Orders an den Neobroker. Diese Praxis ist in Deutschland seit Juli verboten und auch der Grund für die Systemumstellung.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 16. Juli. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.

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