Lavendel aus der Altmark: Wie eine Landwirtin aus Osterburg auf lila Landwirtschaft setzt

Eine Hollywoodschaukel in einem Lavendelfeld

AUDIO: Leidenschaft Lavendel: Wieso eine Osterburgerin das duftende Kraut professionell anbaut (3 Min)

Vom Blütenfeld zum Öl

Stand: 05.10.2026 22:03 Uhr

Während Lavendel in vielen Gärten längst heimisch ist, setzt Aileen Maasdorff in Osterburg auf den professionellen Anbau. Aus den Blüten gewinnt sie Lavendelöl, Hydrolat und weitere Produkte. Noch ist das Projekt ein Nebenerwerb, doch die Landwirtin sieht großes Potenzial.

von Katharina Häckl, MDR SACHSEN-ANHALT

Dem Lavendel auf Aileen Maasdorffs Feld am Stadtrand von Osterburg sieht man es an: Die ursprünglich mediterrane Pflanze fühlt sich mittlerweile auch in Sachsen-Anhalt wohl. "Wir sind im fünften Jahr", sagt die Landwirtin im Nebenerwerb freudig. "Dem Lavendel geht es prächtig. Ich kann mir gut vorstellen, dass – wenn man die Fläche erweitert – wir an diesen Punkt kommen, dass sich das Vorhaben trägt, weil wir genug Öl produzieren."

Maasdorff: Mitmischen auf dem Lavendel-Markt

Lavendelöl ist gefragt als Rohstoff für ätherische Substanzen, für Kosmetik und Waschmittel. Doch die Mengen, die Aileen Maasdorff in Osterburg bislang erwirtschaftet, sind zu gering, um in diesem Markt mitzumischen: Mehrere hundert Liter pro Jahr würden ihr interessierte Unternehmen abkaufen; Aileen knackt in diesem Jahr vermutlich erstmals die Zehn-Liter-Marke. Für einen Liter Öl braucht es 450 Kilogramm Lavendel; Aileen bewirtschaftet im Moment einen Hektar.

Mit Schnee bedeckter Thymian

Ernte traditionell per Hand

Und zwar bislang so, wie es die originalen Traditionen sind: Sie schneidet den aus Frankreich stammenden Lavendel per Hand mit der Sichel. Dafür hat sie immer Anfang Juli etwa eine bis zwei Wochen Zeit. Die geernteten Stiele mit Blüten werden zu Sträußchen zusammengebunden und kopfüber auf den Trockenboden gehängt. Sind die Pflanzen nach etwa zwei Wochen abgetrocknet, wird aus ihnen Öl destilliert.

Was ist Lavendel und wo kommt er ursprünglich her?

Lavendel ist eine Pflanze mit violetten Blüten und einem intensiven, leicht herben Duft. Er wird vor allem wegen seiner beruhigenden Wirkung geschätzt und oft für Duftöle, Tees oder Badezusätze verwendet. Ursprünglich stammt Lavendel aus dem Mittelmeerraum. Heimisch ist er vor allem in Südfrankreich, Spanien, Italien und Teilen des Balkans. Dort wächst er wild an trockenen, sonnigen Hängen und auf kargen Böden. Heute wird Lavendel aber in vielen Teilen Europas angebaut. Besonders bekannt sind die Lavendelfelder in der Provence in Frankreich.

Von der Pflanze zum Öl

Dazu werden die Pflanzen mit Wasserdampf behandelt, der das Öl aus den Blüten holt. "Dann geht das Ganze in einen Kondensator und wird wieder heruntergekühlt. Und wenn aus Dampf durch Temperatursenkung wieder ein neuer Aggregatzustand entsteht, ist der flüssig. Und das fang ich auf." Dabei entstehen pures Lavendelöl und das so genannte Hydrolat. Den Unterschied kann man sich vorstellen wie den zwischen Eau de Parfum und Eau de Toilette.

Aileen Maasdorff an einem Tisch vor Kräutern

Setzt auf Lavendel: Aileen Maasdorff alias Living Mamsell

Das Öl bietet "Living Mamsell", wie sich Aileen Maasdorff in Sachen Lavendel nennt, pur an oder als Stick. Die Emulsion abends links und rechts auf die Schläfe gestrichen, sagt die Osterburgerin, und es verschwänden Einschlafprobleme genauso wie Spannungen in der Muskulatur. Klassiker wie Lavendelblüten in Säckchen oder tütenweise Blüten für Getränke, Salate, Potpourris bietet sie an. Das aufgefallenste Produkt in ihrer Palette aber ist Lavendel-Gin. Der sei gut in Mixgetränken im Sommer zu genießen, sagt Maasdorff und lacht. Es gebe aber in jeder Saison nur eine "kleine, feine Auflage".

Das wurmt mich natürlich sehr, aber nicht dahingehend, dass ich sage: Ich gebe auf. Aileen Maasdorf, liebt Lavendel

Lavendel-Anbau noch ein Nebenjob

Als sie vor fünf Jahren mit dem Lavendel-Anbau begann, sagt Aileen Maasdorff, hatte sie sich mehr erhofft, schnelleren spürbaren Erfolg. Noch kann sie vom Lavendel nicht leben, hat einen Vollzeit-Büro-Job. "Das wurmt mich natürlich sehr, aber nicht dahingehend, dass ich sage: Ich gebe auf", so Maasdorff. Sie müsse sich einfach besser aufstellen. "Weil ich felsenfest nach wie vor von Herzen überzeugt bin, dass es eine wundervolle Sache ist, die getragen werden möchte und sollte auch. Weil das ein Riesen-Mehrwert ist und ich daran glaub, dass das die Zukunft auch der Landwirtschaft hier sein kann."

Aileen Maasdorff ist in einer konventionellen Landwirtsfamilie groß geworden und hatte als junge Erwachsene den Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Den Hektar, auf dem jetzt ihr Lavendel wächst, hatte ihr Vater ihr zur Verfügung gestellt.

"Viel gelernt": Mehr Lavendel aus Osterburg denkbar

Trotz einiger Rückschläge – zum Beispiel der nahezu komplett entfallenen Ernte 2024 – will sie an ihrem Traum, vom Lavendel-Anbau und der -verarbeitung leben zu können, festhalten. In den vergangenen fünf Jahren habe sie viel gelernt, betont sie. So entwickelte sie gemeinsam mit einem Stahlbauer aus dem benachbarten Krumke eine Räbelmaschine. Mit der werden die Blüten besonders schonend von den Stielen getrennt. So wäre mehr Lavendel in kürzerer Zeit zu verarbeiten.

Lavendelplätzchen auf einem Teller, daneben stehen Lavendelöl und Lavendelsalz

Die Landwirtin hält es für möglich, in den nächsten fünf Jahren "an diesen Break-Even-Point zu kommen", dass sich der Lavendel-Anbau trägt. Dann will Aileen Maasdorff ihre Produkte nicht mehr nur über die Direktvermarktung an den Kunden bringen, sondern jene Unternehmen beliefern, denen sie heute aus quantitativen Gründen noch einen Korb geben muss.

MDR (Cornelia Winkler; Norma Düsekow)