Rollt er bald durch die Stadt? Der Hingucker vom SWT-Betriebshof: Das hat es mit dem Bus-Oldtimer auf sich
Trier · Ein Leser hat auf dem Stadtwerke-Betriebshof in Euren Großes entdeckt: einen historischen Oberleitungsgelenkbus. Was ist das für ein Fahrzeug? Und rollt es bald als Attraktion durch Trier?
05.10.2026 , 22:02 Uhr
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Der historische Oberleitungs-Gelenkbus früher und heute
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Foto: TV/Harald Jansen
Die Mail kommt diese Tage rein. Er sei Volksfreund-Leser, schreibt der Absender, weniger in Print, meist online, aber das, so findet er, tue ja eigentlich nichts zur Sache.
Er jedenfalls wende sich in einer Sache an die Redaktion, von der er gar nicht wisse, ob die dafür überhaupt zuständig sei, fragen aber wolle er dennoch mal.
Es gehe um Folgendes: Mit dem Rad sei er neulich an der Luxemburger Straße unterwegs gewesen, vom Baumarkt weiter in Richtung Zewen, dabei am Betriebshof der Stadtwerke vorbeigeradelt – und beim Blick durch den Grundstückszaun sei ihm dort etwas ins Auge gefallen: Neben mehreren Stadtbussen habe dort ein „echter Hingucker“ geparkt, scheinbar ein alter Oberleitungsbus.
Ein Oldtimer-Bus als Attraktion in der Römerstadt?
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Mehr als 100 Jahre Trierer Verkehrsgeschichte
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Foto: SWT/Archiv
Der Mann fragt: „Können Sie herausfinden, warum der dort steht, plant man vielleicht, den Bus für Attraktionsfahrten bereitzumachen?“ Das, so glaubt der Trierer, würde bei vielen Menschen in der Stadt sicher auf großes Interesse stoßen …
Eine Frau, die Antworten auf solche Fragen hat, ist Nina Traut. Sie arbeitet in der Presseabteilung der Stadtwerke und ist dort Expertin für den Bereich Busse. Also, Frau Traut, sagen Sie mal, um was für ein Fahrzeug handelt es sich da eigentlich genau?
Das, so schreibt sie dem Volksfreund, das sei ein Bus der Reihe Henschel HS 160 OSL. 64 Jahre alt und der einzige Oldtimer-Bus der Stadtwerke. Gebaut wurde er einst in Kassel, lässt sich recherchieren, und zwar in den dortigen Henschel-Werken, die inzwischen längst Geschichte und in verschiedenen Nachfolgeunternehmen aufgegangen sind. Neben dem Gelenkbus, wie er heute im Besitz der Stadtwerke ist, fertigten sie dort in Nordhessen einst auch noch Solo-Oberleitungsbusse.
Durch Trier, so ist es dem Magazin „Omnibusspiegel“ indes zu entnehmen, rollten einst sechs Henschel HS 160 OSL, allesamt aus den Baujahren 1962 und 1963 mit gut 16 Metern Länge und Platz für 172 Fahrgäste. Bis 1970 dienten die Busse in der Römerstadt auf verschiedenen Linien als Nachfolger der früheren Straßenbahn – bis dahin vollelektrisch wohlgemerkt.
Später rüstete man den Henschel in Trier zum Dieselbus um
Das änderte sich: „Bei Einstellung des Obusbetriebs 1970“, heißt es im „Omnibusspiegel“, seien die Fahrzeuge mit „Büssing Unterflurmotoren“ ausgestattet worden und damit noch viele Jahre als Dieselbusse in Trier unterwegs gewesen.
Doch zurück zum Modell vom SWT-Betriebshof in Euren: Warum steht der historische Bus momentan eigentlich dort? Das, schreibt Nina Traut, habe den Hintergrund, dass in der Bus-Abstellhalle derzeit die Elektroladeinfrastruktur ausgebaut werde, sodass die sonst darin geparkten Fahrzeuge dieser Tage mal unter freiem Himmel stehen müssten.
Der Henschel-Oldtimer tut sich inzwischen schwer damit, Berge hinaufzukommen
Und was ist dran an der Frage, dem Wunsch des Lesers, inwiefern der Henschel in Zukunft wieder öfter mal eine Tour durch die Stadt drehen könnte? Da keine Ersatzteile mehr verfügbar seien, antwortet die Stadtwerke-Sprecherin, „hegen und pflegen wir das Fahrzeug“. Das bedeute auch, dass man den Bus nur noch „sehr ausgewählt“ für Sonderfahrten innerhalb Triers einsetze. Denn: Große Steigungen könne das Gefährt nicht mehr bewältigen.
Aber, so fügt Nina Traut hinzu: „Auf Anfrage prüfen wir gerne, ob wir eine Sonderfahrt ermöglichen können.“ Übrigens, auch das teilt die Pressesprecherin noch mit, in „ÖPNV-Kreisen“ gehe man davon aus, dass aktuell noch elf Henschel-Fahrzeuge HS 160 OSL in Deutschland erhalten seien.