Stand: 18.10.2026, 13:39 Uhr
Kommentare

Im Süden Italiens spitzt sich die Lage zu. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Sprit und Medikamenten ist gefährdet. Auslöser sind Proteste der Lkw-Fahrer.
Lecce – Italien befindet sich im Ausnahmezustand. Im Norden gab es gewalttätige Straßenschlachten von vermummten Jugendlichen. Der Süden des Landes droht unterdessen komplett lahmgelegt zu werden. Ein Streik der Lkw-Fahrer hat drastische Folgen für die Bewohner – und er weitet sich aus.
Besonders in der Urlauber-Region Apulien scheint die Lage zunehmend angespannt. Es häufen sich Fotos von leeren oder halb-leeren Regalen in Supermärkten. Zudem haben viele Tankstellen im Süden des Landes keinen Treibstoff mehr vorrätig. Doch auch in Kalabrien und auf Sizilien wird gestreikt.
Ausnahmezustand in Süd-Italien: LKW-Proteste sorgen für Lieferengpässe
Auslöser dafür ist eine Streik-Aktion der Lkw-Fahrer wegen der hohen Spritpreise. Seit mehreren Tagen demonstrieren Lkw-Fahrer und auch Landwirte in verschiedenen Städten Apuliens. Sie blockieren Straßen an Autobahnmautstellen, auf Ringstraßen und anderen Verkehrsachsen, wie Rai und today.it berichten. Zudem stehen die Proteste auch in Zusammenhang mit Arbeiterprotesten in der Stadt Tarent. Hier soll ein Stahlwerk geschlossen werden.
Seit Montag, 12. Oktober, ist die Zufahrt zur Eni-Raffinerie blockiert. Die drei Regionen Apulien, Basilikata und Kalabrien im Süden Italiens leiden seitdem unter Treibstoffknappheit. Laut Eni hatten schon am 15. Oktober 150 der 270 Eni-Tankstellen in Apulien keinen Sprit mehr. Durch die Blockaden der Straßen sei es zudem schwierig, Treibstoff aus anderen Regionen zu liefern. Auch die Flughäfen Brindisi und Bari haben laut Rai Warnungen herausgegeben: Wegen der Treibstoffknappheit sollen Fluggesellschaften vor der Landung in Apulien an anderen Orten tanken.
Zudem protestieren auch die Bauern. Alle Proteste zusammen führen auch zu Lieferengpässen in den Supermärkten. Besonders frische Produkte, wie Obst und Gemüse, werden teils knapp. In den sozialen Medien häufen sich Fotos von leeren Regalen. Mittlerweile gibt es in Apulien und Kalabrien auch Probleme mit der Medikamentenversorgung. Apotheken seien teils ausverkauft, berichtet Rai.
Proteste in Süd-Italien: Meloni reagiert – Termin zu spät?
Die Protestierenden machen vor allem Verkehrsminister Matteo Salvini für Dieselpreise von um die 2,30 Euro und extrem gestiegene Fährkosten nach Sizilien verantwortlich. Unter anderem verweisen sie auf bereits im April zugesagte Hilfen, die nach Ansicht der Protestierenden noch nicht ausgezahlt wurden. Der Argumentation nach sei es aktuell billiger, die Lkws stehen zu lassen, als zu diesen Preisen zu fahren, berichtet Libero Quotidiano. Ähnlich argumentieren die Landwirte.
Die Regierung von Giorgia Meloni hat einen Runden Tisch für den 27. Oktober einberufen. Für die Protestierenden ist dieser Zeitpunkt zu spät gewählt. Bereits am 20. Oktober will sich das sizilianische Transportunternehmerkomitee mit Verkehrsminister Salvini treffen. Man fordert die Unterzeichnung einer Absichtserklärung. Nur dann werde man die Proteste aussetzen. Man fordert Unterstützung vom Staat im Umfang von mehreren Hundert Millionen Euro.
„Proteste sind legitim und verdienen Respekt … Straßen zu blockieren, um zu verhindern, dass Produkte verteilt werden, ist ein Verbrechen“, schreibt unterdessen Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida via Facebook. Er respektiere zwar die Proteste, halte es aber für „unerträglich“, dass viele Italiener durch die Blockaden Gefahr laufen, leere Geschäfte oder deutlich höhere Preise vorzufinden. „Ich appelliere an alle, für eine sichere Warenversorgung zu sorgen. Andere zu schädigen, um die eigene Position zu schützen, ist unfair“, so Lollobrigida. (Verwendete Quellen: Rai, today.it, Libero Quotidiano) (rjs)