Erstmals seit 18 Monaten: Union verblüfft mit neuer Qualität

Es ist nicht ganz überliefert, was in der XXL-Länderspielpause beim 1. FC Union Berlin wirklich passiert ist. Na klar, trainiert haben sie in Köpenick. Abläufe einstudiert, versucht, nach den katastrophalen ersten vier Partien den Reset-Knopf zu drücken. Bloß irgendwie die Köpfe einmal kräftig durchlüften. Dass plötzlich aber eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz stehen würde – davon war nicht auszugehen.

Dortmund hatte keine klare Torchance

Nach dem 1:0-Erfolg gegen Aufsteiger Elversberg hat das Team von Trainer Mauro Lustrinelli am Wochenende nachgelegt. Zwar nicht mit dem nächsten Sieg, dafür aber mit einem Achtungserfolg gegen den amtierenden Vizemeister Borussia Dortmund. Nach 90 Minuten, in denen spielerische Höhepunkte rar gesät waren, trennte sich Union von den favorisierten Gästen 0:0. Das torlose Unentschieden zeigte zwar ein weiteres Mal die Schwächen in der Offensive auf, dafür hätte die Abwehrleistung kaum besser sein können. Nicht eine hochkarätige Chance gestattete man dem Champions-League-Teilnehmer, der nach Abpfiff sichtlich frustriert den Heimweg antrat.

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Ärgernis

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„Wir verteidigen inzwischen besser im Verbund. Das ganze Team macht mit, von vorne bis hinten. Die Abstände halten wir ein und laufen konsequent an. Ich freue mich riesig, dass wir heute wieder zu Null gespielt haben, darauf müssen wir aufbauen und das müssen wir auch in die nächsten Spiele mitnehmen“, analysierte Felix Uduokhai nach der Partie. Der Verteidiger hatte nach seinem Wechsel im Sommer von Besiktas Istanbul sportlich grauenvolle Wochen erlebt. Gleich bei seinem Debüt beim Auswärtsspiel in Leverkusen (0:4) war er in kaum einer Aktion auf der Höhe, danach gab es er auch beiden Pleiten gegen Schalke (1:3) und in München (0:7) keine gute Figur ab.

Felix Uduokhai kassierte mit dem 1. FC Union Berlin im zweiten Spiel in Folge kein Gegentor.

Felix Uduokhai kassierte mit dem 1. FC Union Berlin im zweiten Spiel in Folge kein Gegentor.

© IMAGO/Celina Leiers

Am Sonnabend stand er in der Innenverteidigung gemeinsam mit Zeno Van Den Bosch sicher und machte den BVB-Angreifern, allen voran Top-Stürmer Serhou Guirassy, das Leben schwer. Resultat war das zweite Spiel hintereinander ohne Gegentor. Das hatte Union zuletzt im April 2025 geschafft. Seinerzeit hatte die Mannschaft noch unter Ex-Trainer Steffen Baumgart erst mit 1:0 gegen den VfL Wolfsburg gewonnen, eine Woche später beim 0:0 in Leverkusen den vorletzten Schritt auf dem Weg zum damaligen Klassenverbleib gemacht.

Bis dahin wird es in dieser Spielzeit, der jüngsten Euphorie zum Trotz , noch ein ganz weiter Weg. In der gegnerischen Hälfte taten sich die Hausherren äußerst schwer, gefährliche Situationen zu initiieren. Kastriot Imeri, der zur Pause durch Emmanuel Latte Lath ersetzt wurde, Wooyeong Jeong und Tim Skarke strahlten nur wenig Torgefahr aus. Lustrinelli wollte diesbezüglich keine Kritik üben. Wäre es vermessen gewesen, sich ein wenig über einen womöglich verpassten Sieg zu ärgern? „Wir haben alles getan, um das Spiel zu gewinnen“, sagte der Schweizer. „Momentan ist es für mich wichtig, den Fokus darauf zu halten, was wir gut gemacht haben. Ich bin froh, dass im Vergleich zu den ersten Wochen eine ganz andere Organisation auf dem Platz herrscht.“

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Es bleibt also der Weg der kleinen Schritte im Berliner Südosten. Stück für Stück soll die Durchschlagskraft im letzten Drittel zu Chancen und Toren führen. Ein Baustein könnte dafür Mekhi Gray sein. Nach seinem Bundesliga-Debüt gegen Elversberg durfte der 19-Jährige gegen Dortmund nach seiner Einwechslung in der Schlussphase mehr als 20 Minuten mitmischen. Nationalverteidiger Nico Schlotterbeck, einst ebenfalls für Union am Ball, prallte gleich in der ersten Aktion am robusten Angreifer ab. Mit seiner Physis könnte er ein Element in die Offensive einbringen, dass der Lustrinelli-Elf in Abwesenheit des weiterhin nicht einsatzfähigen Andrej Ilic so sehr fehlt.

Unerschrocken in jedem Zweikampf: Mekhi Gray (l.) machte gegen Dortmund sein zweites Bundesliga-Spiel.

Unerschrocken in jedem Zweikampf: Mekhi Gray (l.) machte gegen Dortmund sein zweites Bundesliga-Spiel.

© IMAGO/Celina Leiers

Grays Hereinnahme war aber auch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Weil Aljoscha Kemlein und ganz spät auch Linus Güther ebenfalls noch eingesetzt wurden, standen beim Abpfiff erstmals im achten Bundesliga-Jahr drei Spieler gemeinsam auf dem Feld, die im Nachwuchsleistungszentrum des Vereins ausgebildet worden sind.

Nächstes Spiel beim FC Augsburg

Am nächsten Spieltag (Sonnabend, 15.30 Uhr) gastiert Union auswärts beim FC Augsburg. Der Gegner war mit zwei Siegen und der zwischenzeitlichen Tabellenführung furios in die Saison gestartet, wartet nach der 3:4-Niederlage in Elversberg aber mittlerweile seit vier Partien auf einen Sieg. Gegen einen Kontrahenten weitgehend auf Augenhöhe ist die Hoffnung groß, dass die positive Mini-Serie weiter ausgebaut werden kann.

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