So früh startete die Traubenlese im Burgund noch nie

Lesebeginn zwei Wochen früher

Im Burgund wurde ein 470 Jahre alter Rekord gebrochen

Der Reife-Boost an den heissen Tagen anfangs August erforderte einen schnellen Erntebeginn der Sorte Chardonnay im Burgund. Wegen der Hitze wurde Mitte August noch vor dem Morgengrauen gelesen. Eine Premiere im Burgund.

Publiziert: vor 58 Minuten

Darum gehts

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  • Auf der Domaine Leflaive im Burgund startete die Lese in den Spitzenlagen am 13. August um fünf Uhr morgens
  • In den ersten Augustwochen reiften die Trauben unerwartet schnell
  • Seit 2000 sorgten bereits zehn extrem heisse Jahre für eine frühe Lese im Burgund
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Ursula GeigerRedaktorin Wein

Noch nie mussten die Erntehelfer so früh aus den Federn. Am 13. August um fünf Uhr morgens leuchteten Flutlichter und Stirnlampen in der Spitzenlage Bienvenues-Bâtard-Montrachet der Domaine Leflaive in Puligny-Montrachet, Burgund. Hier wachsen die Chardonnay-Trauben für einen der berühmtesten weissen Burgunder der Region. Die Lese im Strahl der Lampen sei eine Premiere, erklärt Gutsleiter Brice de La Morandière im Telefonat mit Blick. 

Er ist zufrieden. Der frühe Arbeitsbeginn schlug zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Chardonnay-Trauben kamen kühl in die Kelter, was für die Weinqualität essenziell ist, und dem Leseteam blieb die grösste Hitze am Nachmittag erspart. Jetzt, eine Woche später, herrscht bei den rund 60 Erntehelferinnen und -helfern courant normal – es wird wieder tagsüber geerntet.

Trauben schalteten den Reifeturbo

Die Ernte in den frühen Morgenstunden habe einen positiven Effekt für beide Seiten gehabt, erklärt Gutsleiter de La Morandière: «Die Arbeit bei künstlichem Licht erforderte mehr Aufmerksamkeit bei der Arbeit, keine reife Traube hängt mehr in den Zeilen. Die Equipe hat einen super Job gemacht. Zudem profitierten die Leute von den freien Nachmittagen und organisierten Pétanque-Turniere.»

Glaubte man zunächst, die Hitze verlangsamte die Reife der Trauben, ging es anfangs August so schnell, dass in manchen Lagen schon beinahe überstürzt mit der Lese begonnen werden musste. Den richtigen Lesezeitpunkt festzulegen, ist eine penible Sache: Der Zuckergehalt muss stimmen, der Säuregehalt aber auch, sonst werden die Weine breit und es fehlt ihnen an Frische.

Keine Vorschusslorbeeren

Brice de La Morandière ist zufrieden mit den Trauben. Die Qualität der Moste sei gut bis sehr gut, bei weniger Menge. Mehr Prognosen möchte er nicht abgeben und meint: «Man sollte einen Jahrgang nie im Moment der Ernte bewerten. Es dauert zwei Jahre, bis sich herauskristallisiert, wie sich die Weine entwickeln werden.»

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Nur einmal wurde im Burgund so früh mit der Lese begonnen. Das war am 15. August im Jahr 1556. Aktuell beobachten nicht nur Klimaforscher, sondern auch Historiker das Verlagern der Traubenernte im Burgund vom Herbst – ab der ersten Septemberwoche – in die Sommermonate. Historiker Thomas Labbé wertete die Weinlese-Daten aus, die an der Côte d'Or bis zurück ins Jahr 1354 aufgezeichnet sind, und veröffentlichte das Ergebnis in der Zeitschrift «Climate of the Past».

Demnach traten zwischen 1354 und 1719 Hitzejahre und die damit verbundenen frühen Ernten im Durchschnitt einmal alle 17 Jahre auf. Danach nahm die Häufigkeit ab. Nur noch alle 53 Jahre verursachten Hitzesommer eine frühe Ernte. Nach 1988 verkürzte sich der Abstand auf alle fünf Jahre. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gab es dem Forscher zufolge bereits zehn Extremjahre.