Historischer Schritt: Liechtenstein öffnet den Thron für Fürstentöchter

Liechtenstein ändert die Thronfolge: Neu können auch die Töchter des Fürstenhauses regieren

Bisher durften im Fürstentum Liechtenstein nur die Männer des Hauses auf den Thron. Nun will die kleine Nation mit der Zeit gehen. Bis es eine erste Fürstin geben wird, dürfte es allerdings noch Jahrzehnte dauern.

15.08.2026, 15.52 Uhr

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Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein (Mitte) verkündet die neue Thronfolge: Seine Tochter Prinzessin Marie Caroline (vorne) wird nicht von der neuen Regelung profitieren.

Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein (Mitte) verkündet die neue Thronfolge: Seine Tochter Prinzessin Marie Caroline (vorne) wird nicht von der neuen Regelung profitieren.

Peter Klaunzer / Keystone

An diesem Samstag feiert Liechtenstein den Nationalfeiertag. Und dies mit einer historischen Veränderung: Das Fürstenhaus hat seine Regelung der Thronfolge geändert. In Zukunft werden auch die Töchter regieren können. Bisher war dies nur für die Männer der Familie möglich. Angekündigt hat dies Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein während einer Rede. Der 81-jährige Fürst Hans-Adam II. war wegen der Hitze den öffentlichen Festlichkeiten fern geblieben.

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Die sogenannten Hausgesetzlichen Regelungen des Fürstenhauses Liechtenstein bestehen seit mehr als 400 Jahren in schriftlicher Form und sind auf Verfassungsebene verankert. Teile davon wurden seit seit Jahrzehnten intern diskutiert, sagte Erbprinz Alois. Offenbar auch die Frage der Gleichberechtigung von männlichen und weiblichen Familienmitgliedern. Ende des vergangenen Jahres habe das Fürstenhaus das Thema nochmals in Angriff genommen – und am vergangenen Mittwoch habe es nun die erforderliche Zweidrittelmehrheit der stimmberechtigten Familienmitglieder erhalten.

Mit der Änderung des Familienstatuts «werden alle weiblichen Nachkommen des Fürstenhauses in hausgesetzlichen Fragen mit denselben Mitwirkungsrechten ausgestattet wie die männlichen», erklärte der Erbprinz. Zudem sei die Thronfolge von der männlichen Primogenitur auf die absolute Primogenitur umgestellt worden. Denn bisher wurde der erstgeborene Sohn des Fürsten zum Erbprinzen. Künftig wird nun das erstgeborene Kind zur Thronfolgerin oder zum Thronfolger, unabhängig vom Geschlecht. «Mit einer Novellierung des Hausgesetzes stärkt das Fürstliche Haus Liechtenstein seine langfristige Ausrichtung», schreibt das Fürstenhaus in einer Medienmitteilung.

Mit diesem Entscheid will die liechtensteinische Familie sicherstellen, dass stets die direkten Nachkommen des Fürsten an die Macht kommen, die tatsächlich in Vaduz aufgewachsen und ausgebildet wurden – und nicht mangels eines männlichen Nachkommens etwa ein ferner Verwandter aus dem Ausland zum Zuge kommen könnte. «Mit dieser Gesetzesänderung möchten wir sicherstellen, dass sowohl das Fürstentum Liechtenstein als auch das Fürstenhaus von derjenigen Person regiert wird, die am besten auf diese Aufgabe vorbereitet worden ist», liess sich Erbprinz Alois zitieren. «Das sind grundsätzlich die Söhne und Töchter des Regierers oder der Regiererin, die in Vaduz aufwachsen und von ihrer Jugend an mit den Besonderheiten des Fürstentums und des Fürstenhauses vertraut gemacht werden.»

Bis es zu einer ersten Regentin kommen wird, dürfte es noch einige Jahre dauern. In der Thronfolge ist nach Erbprinz Alois dessen Sohn Prinz Joseph Wenzel als nächster vorgesehen. Auch falls er auf die Aufgabe des Fürsten verzichten würde, käme dann noch nicht die Schwester, Prinzessin Marie Caroline, zum Zug. Das erklärte Alois dem «Liechtensteiner Vaterland». Die neue Regelung trete erst ab der nächsten Generation der Neugeborenen in Kraft, also ab den Enkelkindern von Erbprinz Alois.