Waldbrand in der Eifel: Wenn Landwirte bei Hürtgenwald mit Traktoren helfen

Im Hürtgenwald kämpfen 1.400 Einsatzkräfte gegen den größten Waldbrand der NRW-Geschichte. Foto: REUTERS

Waldbrand: So kämpft die Eifel gegen die Flammen

Nach den Waldbränden in Frankreich, Spanien und Griechenland breiten sich Flammen in Deutschland aus. In der Eifel stemmen sich Landwirte, Betriebe und Helfer gegen die Krise. Ein Ortsbesuch.

Wer über die Landstraßen in Richtung des Örtchens Kleinhau fährt, merkt schnell: Nichts ist, wie es sein soll. Über dem Dorf hängt eine Rauchwolke wie eine graue Decke. Der Rauch zieht sich mit jedem Atemzug in die Lungen, die Augen brennen. Die Stille wird immer wieder von Sirenen zerrissen. Die Stimmung dystopisch, die Krise greifbar.

Kleinhau ist zum Mittelpunkt der Krisenbekämpfung geworden, ein Ortsteil der Gemeinde Hürtgenwald. Hier sammelt sich, was gegen das Feuer im umliegenden Wald, der der Gemeinde ihren Namen gab, gebraucht wird: Einsatzkräfte, Fahrzeuge und Material. Nur drei Kilometer Luftlinie entfernt liegt der Ortsteil Gey. Die Feuerwehr ließ ihn am frühen Freitagmorgen evakuieren, weil die Flammen gefährlich nah herangerückt waren. Rund 2000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Wirtschaft von oben

Die „Bordeaux-Option“ in der Eifel

Frankreich hat einen großen Waldbrand mit Schneisen erfolgreich eingedämmt zeigen Satellitenbilder. Auch in Deutschland kommt die Taktik zum Einsatz. von Sebastian Schug

Waldbrand: 300 Hektar in der Eifel, 226.000 Hektar in Spanien

Was in der Eifel passiert, ist ein lokaler Ausnahmezustand – und zugleich Teil einer Lage, die europaweit bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Dürre und Hitze sind in vielen Regionen nicht mehr Ausnahme, sondern eine wiederkehrende Lage. Extreme Hitzewellen und anhaltende Dürre haben das Brandrisiko in weiten Teilen Europas stark ansteigen lassen. Nur 45 Kilometer vom Hürtgenwald im Osten Belgiens brennt seit Freitagabend im Naturschutzgebiet Hohes Venn eine Fläche von 850 Hektar.

Mit Abstand am stärksten von den Feuern betroffen war bislang Spanien. Nach Angaben des Umweltministeriums wurden seit Jahresbeginn mindestens 226.000 Hektar Vegetation zerstört – rund 38 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch Frankreich traf es hart. Die größten Feuer entflammten in der zweiten Juli-Hälfte an der Atlantikküste und breiteten sich anschließend ins Hinterland aus. Besonders stark betroffen war die Region Gironde rund um Bordeaux. Dort wurden die größten Flächen zerstört. Vor rund drei Wochen brannte es bei Bordeaux. Mehr als 200.000 Menschen mussten evakuiert werden, 42.000 Hektar Land verbrannten. Bis in den August 2026 trafen die Brände auch Italien, Portugal und Griechenland besonders stark.

Jetzt der Hürtgenwald. In Kleinhau stehen große Polizeiwagen am Ortseingang, Hubschrauber kreisen über der Landschaft. Auf den Feldern stehen riesige, mit Wasser gefüllte Becken aus dicker, roter Plastikplane; temporäre Wasserspeicher, aus denen die Außenbehälter der Hubschrauber befüllt werden können. Am Samstagmorgen scheint sich die Lage zu beruhigen, in der Eifel atmet man vorsichtig auf. Die Feuerwehr ist „sehr zufrieden“ mit dem bisherigen Erfolg des Löscheinsatzes.

Blick auf den Waldbrand im Hürtgenwald Foto: Angelika Melcher

Aber es gibt einen Unsicherheitsfaktor: „Wir haben einen frischen, böigen Wind hier im Hürtgenwald, das könnte noch einmal so ein Punkt sein, der die Lage wieder verschärft“, sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen. Die Kräfte würden im Laufe des Tages noch einmal deutlich erhöht. Um die Mittagszeit würden voraussichtlich zehn, elf Hubschrauber gleichzeitig im Einsatz sein. Man wolle mit der Brandbekämpfung jetzt immer mehr zur Mitte des Waldbrands vorstoßen, sagt er. „Soweit das halt möglich ist unter den Rahmenbedingungen: Wir sind auf einer Munitionsverdachtsfläche.“ Im Hürtgenwald liegen Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg, weil dort Ende 1944 im Zuge des Vorrückens der Alliierten eine der blutigsten Schlachten an der Westfront stattgefunden hatte.

Landwirte als Einsatzreserve

Viel Unterstützung kommt aus der Landwirtschaft. Landwirte bringen mit Tankwagen Wasser heran. Zahlreiche Bauern sind mit Traktoren, Wasserfässern und schwerem Gerät im Einsatz. Sie bewässern Felder, ziehen Schneisen und pflügen Äcker um, damit die Flammen nicht auf weitere Flächen überspringen. Durch das Umgraben entstehen breite Erdstreifen, auf denen sich Feuer deutlich schlechter ausbreitet.

Hürtgenwald-Gey: Fahrzeuge unterschiedlicher Einsatzkräfte sind auf dem Weg, den Waldbrand zu bekämpfen. Foto: Volker Danisch/dpa

Neben Traktoren und Tankwagen steht in Kleinhau Gerät, das hier sonst nicht zum Einsatz kommt. Kettenfahrzeuge der Bundeswehr helfen, Wege freizuräumen und Schneisen zu ziehen. So gelangen Kräfte und Material überhaupt dorthin, wo gelöscht werden muss.

Zugleich sollen die Schneisen eine Ausbreitung der Flammen auf bislang nicht betroffene Teile des Waldes verhindern.

Unternehmen im Ausnahmezustand – und doch im Normalbetrieb

Auch die Betriebe in der Region stehen im Schatten des Brandes – manche ganz konkret, andere eher indirekt. Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus der Nähe sagt, viele Details bekomme man „nur übers Internet“ mit, aber vor Ort sei unübersehbar, was los ist: Feuerwehr, Rettungshubschrauber, Löschhubschrauber.

Kampf gegen die Flammen: Die Bevölkerung unterstützt nach Kräften mit. Foto: Harald Tittel/dpa

Der Betrieb laufe grundsätzlich geregelt weiter, doch Rauch und Windrichtung wechselten – und weil die Feuerzone nur rund einen Kilometer Luftlinie entfernt sei, habe man Vorsorge getroffen: Aus Hallen seien wichtige Dinge herausgefahren worden, Lieferungen habe man vorgezogen, die IT habe zusätzliche Datensicherungen gefahren. Nicht, weil man erwarte, dass das Feuer überspringt – sondern weil man sich nicht leisten kann, unvorbereitet zu sein.

Daneben gibt es Betriebe, bei denen sich der Brand im Alltag bislang weniger niederschlägt: Ein Papiermaschinen-Hersteller in Hürtgenwald-Horm betont, der Betrieb sei nicht eingestellt worden. Und ein Windkraftunternehmen in der Region berichtet ebenfalls von keinen Arbeitseinschränkungen – verweist aber darauf, dass man im Service besonders aufmerksam sei, wenn es um Brandschutz in der Nähe von Anlagen geht.

In der Eifel ist das Feuer an diesem Wochenende ein Ausnahmezustand. Aber schon jetzt ist klar: Die Brandgefahr wird zu einer Daueraufgabe – und zur neuen Normalität. Für Gemeinden, Einsatzkräfte und Unternehmen.

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