Stand: 21.09.2026, 19:15 Uhr
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Aus dem prophezeiten engen Rennen wurde ein deutlicher Sieg. Die Linkspartei könnte künftig Berlin regieren, wenn sie denn Partner findet. Aber es gibt da zwei Probleme und eine eindringliche Warnung.
München – Das war wohl eine kurze Nacht. Die Stimme der Wahlsiegerin ist noch leicht heiser, als sie am Montag, kurz vor eins, in die Kameras lächelt. Aber die Party-Nachwehen sind schnell weggeräuspert und Elif Eralp hellwach. Es sei ein „Sieg von Solidarität, von Vielfalt, von Demokratie“ gewesen, sagt sie. Die Berliner hätten ihr „ganz klar den Regierungsauftrag gegeben“.

Daran ist nicht zu rütteln. Nachdem es lange so ausgesehen hatte, als werde diese Wahl ein ziemlich knappes Ding, siegte die Linke überraschend deutlich: knapp 26 Prozent, die noch regierende CDU liegt rund sieben Punkte dahinter. Nun könnte die Linke nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern weiter mitregieren, sondern in der Hauptstadt sogar die Regierungschefin stellen. Eralp, gebürtige Münchnerin, will Berlin auf links bürsten.
Dazu braucht sie aber Partner. Und Rot-Grün-Rot, das naheliegende Bündnis, dürfte nicht so leicht zusammenfinden, wie man denken könnte.
Wahlparty der Linken: Clan-Größe und Anti-Israel-Aktivist feiern mit
Schon am Sonntagabend meldete sich der Präsident des Zentralrats der Juden mit einer Warnung. Der Sieg der Linken beunruhige ihn zutiefst, erklärte Josef Schuster und bat Grüne wie SPD darum, nicht mit der Partei zu koalieren. Damit wäre der „fortschreitenden Normalisierung des Judenhasses weiter Vorschub geleistet“. Schuster verwies auf antisemitische Vorfälle, unter anderem habe ein Rapper auf einer Neuköllner Wahlkampfbühne zur Intifada aufgerufen. Bis heute gebe es keine Konsequenzen.
Berlins Linke ist berüchtigt dafür, antisemitische Positionen zumindest zu dulden. Eralp distanziert sich zwar immer wieder davon; gestern gibt sie ein „Sicherheitsversprechen“ ab, für Juden und Palästinenser. Szenen wie die von einer Wahlparty in Neukölln lassen aber daran zweifeln, dass ihre Partei das auch so sieht.
Dort tauchte am Sonntagabend nicht nur die Clan-Größe Issa Remmo auf, sondern auch der Anti-Israel-Aktivist Ibrahim Ibrahim: Er soll unter anderem in der Volksfront für die Befreiung Palästinas aktiv sein, die in der EU als Terrororganisation gilt. Die Linken in Neukölln stört‘s offenbar nicht. Fotos vom Sonntag zeigen ihn mit verschiedenen Politikern, darunter dem Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak. Angeblich flogen Remmo und Ibrahim später von der Party, aber der Eindruck bleibt.
Die Probleme der Linken könnten am Ende noch der CDU nutzen
Die CDU schäumt. Eine Partei mit so einem Umfeld sei „ein Sicherheitsrisiko für Berlin“, sagt Innenexperte Alexander Throm. Sollte die Linke regieren, müsse man die Geheimdienstkooperation mit Berlin überdenken. Auch SPD und Grüne sind schwer irritiert. SPD-Spitzenmann Steffen Krach fordert gar ein Bekenntnis der ganzen Links-Fraktion gegen Antisemitismus. Sonst sei eine Koalition unmöglich.
Es gibt noch eine zweite Hürde, bei der sich Eralp weniger zugänglich zeigt. Um den Wohnungsmarkt zu entspannen, will sie Immobilienkonzerne enteignen – es war das milliardenteuere Kernversprechen ihres Wahlkampfs. Am Montag verweist sie, wie so oft, auf den Volksentscheid von 2021, in dem sich eine Mehrheit der Berliner dafür ausgesprochen hatte. Dass aktuelle Umfragen das Gegenteil zeigen? Wurscht. „Für mich ist ganz klar, dass in einer Regierung vergesellschaftet werden muss.“
Die Grünen wären offen, die SPD skeptisch. Im Bund ist man schon seit einer Weile alarmiert. Kanzler Friedrich Merz kündigte ein Gesetz gegen diese Art von Enteignungen an, Details offen. Sollte Rot-Grün-Rot an der Frage scheitern, hätten die zwei Junior-Partner aber auch noch eine andere Option. Auch mit der CDU gäbe es eine Mehrheit. Die Grünen müssten sich dafür aber arg verbiegen, auch das Vertrauensverhältnis zwischen CDU und SPD gilt als beschädigt. CDU-Spitzenmann Stefan Evers kündigte trotzdem Gespräche an. Der parteiintere Druck, die Linke aus dem Roten Rathaus herauszuhalten, dürfte groß sein.