Linux-Nutzung steigt sprunghaft an, das liegt aber nicht (nur) an Windows-Abtrünnigen

Freies Betriebssystem

Linux-Nutzung steigt sprunghaft an, das liegt aber nicht (nur) an Windows-Abtrünnigen

Laut Statcounter hat das freie Betriebssystem in den USA mehr als 10 Prozent erreicht. Der Zuwachs dürfte aber einen spezifischen Grund haben: KI

Andreas Proschofsky

Eines ist unumstritten: Die Nutzung von Linux am Desktop hat in den vergangenen Jahren konsistent zugelegt. Bewegte sich die Verbreitung des freien Betriebssystems lange im Bereich zwischen 1 bis 2 Prozent, lag sie zuletzt stabil bei mindestens dem doppelten – bei einigen Messungen gar um die fünf Prozent.

Microsoft liebt Linux
Selbst bei Microsoft liebt man Linux mittlerweile. Am Desktop hätte man aber trotzdem, dass lieber Windows genutzt wird.

Ein Wachstum, das für die Welt der freien Software erfreulich ist. Die ganz großen Sorgen muss Microsoft sich um Windows bisher trotzdem nicht machen. Trotz all der Kritik am Windows-10-Aus und der begrenzten Popularität von Windows 11, bewegen sich die Abwanderungstendenzen bislang noch in einem überschaubaren Bereich.

Ein Linux-Sprung?

Umso überraschender kommen die aktuellen Zahlen von Statcounter, zeigen diese doch einen großen Sprung in der Linux-Nutzung: Weltweit soll sie im Juli bei 7,53 Prozent gelegen sein, das wäre fast das Doppelte des Werts vom Mai.

Noch deutlicher zeigt sich dieser Effekt mit einem Fokus auf die USA: Dort weist Statcounter Linux nämlich mittlerweile 11,92 Prozent aus. Weniger stark ausgeprägt ist das Wachstum in anderen Ländern wie Österreich, auch wenn die aktuell 6,21 Prozent ebenfalls nicht zu verachten sind.

Spurensuche

So offensichtlich in den Zahlen die global steigende Nutzung von Linux auch sein mag, ein dermaßen großes Wachstum in einem solch kurzen Zeitraum scheint trotzdem äußerst unrealistisch. Das hat man sich auch bei Windows Latest gedacht und tatsächlich eine nachvollziehbare Erklärung gefunden.

Linux-Verbreitung in den USA
Die Statcounter-Zahlen zeigen einen starken Sprung in der Linux-Nutzung an, dieser dürfte allerdings nicht auf Menschen zurückzuführen sein.

Zunächst muss man dazu wissen, dass Statcounter nicht einzelne Nutzerinnen und Nutzer zählt, sondern die Nutzung – also Webzugriffe über den Browser. Damit sind Systeme, die intensiver verwendet werden, natürlich auch stärker repräsentiert. Zudem müssen das natürlich nicht notwendigerweise menschliche Zugriffe sein, es könnte auch um maschinelle Abfragen gehen.

Nun versuchen Seiten wie Statcounter das natürlich auszufiltern, perfekt gelingt das aber nie. Immerhin investieren die Entwickler – und da geht es derzeit sehr viel um Systeme, die Infos für KI-Dienste einsammeln – viel Zeit darauf, ihre Bots zu tarnen und so etwaige Blockaden zu umgehen.

Theorie

Was sich bei Statcounter also zeigen dürfte, ist eine rasante Zunahme von Bots, die versuchen, sich als Linux-User zu tarnen, damit sie ungehindert Daten abgreifen können – sowohl für KI-Training als auch für die aktive Nutzung durch Agenten. Gerade Agenten könnten in dem Trend eine wichtige Rolle spielen. Stellen sie doch sehr viele Anfragen und werden derzeit vorwiegend von Softwareentwicklern genutzt. Eine Gruppe, die wiederum überdurchschnittlich oft Linux verwendet.

Prüfung

Das mögen alles zwar nur Theorien sein, es gibt aber auch andere Zahlen, die in exakt diese Richtung deuten. So veröffentlicht auch Cloudflare laufend Zahlen zur Internetnutzung und diese fallen zunächst noch beeindruckender aus. An vielen Tagen kommt Linux dort mittlerweile auf mehr als 20 Prozent der Nutzung.

Das allerdings nur, wenn man sowohl menschlichen als auch maschinellen Traffic einbezieht. In dem Moment, wo Bots abgezogen werden, fällt Linux auf unter 5 Prozent. Das ist wiederum eine Größenordnung, die besser zur Entwicklung der vergangenen Jahre passt – und ohnehin nicht zu verachten ist. (Andreas Proschofsky, 5.8.2026)

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