Mehr als Elvis Presley

Stand: 05.08.2026, 18:10 Uhr

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Frankfurt 05.08.26 Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, öffnet am 5. August die Ausstellung "Mehr als Hessian Mercenaries und Elvis Presley: 250 Jahre transatlantische Beziehungen Hessen – USA“. Hier der Buch-Herausgeber und Kurator Prof. Holger Th. Gräf vom Hessischen Institut für Landesgeschichte copyright: Monika MüllerTagessatz

Kurator Holger Gräf in der neuen Ausstellung mit dem Begleitbuch im Arm. © Monika Müller

Das Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt zeigt eine Ausstellung, die sich mit den 250-jährigen Beziehungen zwischen den USA und Hessen befasst. Dabei geht es nicht nur um hessische Söldner und Elvis Presley.

In Frankfurt ist eine Straße nach Jakob Leisler benannt. Nicht viele wissen, wer er ist. Der Pfarrerssohn, 1640 in Bockenheim geboren, war nach einer Revolution zwei Jahre selbst ernannter Gouverneur der Provinz New York, dann richteten ihn die englischen Kolonialherren 1691 wegen Hochverrats hin. Sein Schicksal ist bis zum 23. September im Institut für Stadtgeschichte in der neuen Ausstellung „Mehr als Hessian Mercenaries und Elvis Presley“ nachzulesen. Sie beleuchtet 250 Jahre transatlantische Beziehungen zwischen Hessen und den USA.

„Es ist eine Ausstellung in einer Ausstellung“, sagte Institutsleiterin Mirjam Sprau vor der Eröffnung am Mittwoch. Im Dormitorium des ehemaligen Karmeliterklosters hängt zurzeit die bis 31. August 2027 verlängerte Ausstellung „Frankfurt Went West“ mit Bildern des Pressefotografen Mickey Bohnacker aus der Nachkriegszeit, die die Amerikanisierung Frankfurts dokumentieren. Davor zeigen nun 24 Ausstellungstafeln die gesamte Bandbreite der hessisch-amerikanischen Beziehungen. Sie reicht von den frühen dynastischen Verflechtungen und religiösen Auswanderungswellen des 18. und 19. Jahrhunderts über den wechselseitigen Kultur- und Wissenstransfer bis zur prägenden Phase der US-Besatzungszeit nach 1945 und darüber hinaus. Die im Ausstellungstitel erwähnten hessischen Söldner, die im Amerikanischen Unabhängigkeitskampf für die englische Krone kämpften, und Elvis Presley, der in Friedberg seinen Militärdienst leistete, sind Themen unter vielen.

Frankfurt ist die erste Station der Wanderausstellung, die Holger Gräf und Christina Stehling vom Hessischen Institut für Landesgeschichte in Marburg kuratiert haben. Sie gehe auf eine interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung zum Thema im November 2025 zurück, wie Gräf sagte. Sie erzählt die wechselseitigen Beziehungen zwischen Hessen und den USA anhand von konkreten Biografien, Fallbeispielen und Unternehmensgeschichten.

Gräf verwies bei der Vorstellung der Schau beispielsweise auf ein Pamphlet, das als Erstes in deutscher Sprache für die Auswanderung nach Amerika warb. Es erschien 1633, mitten im Dreißigjährigen Krieg, in Frankfurt. Er erinnerte etwa an den Gießener Bäckerssohn Christoph Ludwick, der sich 1754 in Philadelphia niederließ und mit seiner Lebkuchenbäckerei zu Wohlstand und Ansehen kam. Da er die amerikanischen Revolutionstruppen mit Gebäck versorgte, beförderte ihn der Oberbefehlshaber und spätere erste US-Präsident George Washington zum „Baker General“.

Ähnlich kurios ist, dass im 18. Jahrhundert Selterswasser aus Niederselters im Taunus in Tonkrügen in die britischen Kolonien und spätere USA exportiert wurde. Vermögende Amerikaner wussten es zu schätzen. Zu der Ausstellung ist unter gleichem Titel auch ein Begleitbuch erschienen.

Programm

Die Ausstellung „Mehr als Hessian Mercenaries und Elvis Presley: 250 Jahre transatlantische Beziehungen Hessen–USA“ ist bis Mittwoch, 23. September, im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, zu sehen.

Führungen mit dem Kurator Holger Gräf werden an diesem Sonntag, 9. August, 15 Uhr, und am Donnerstag, 20. August, 18 Uhr, angeboten. Mehr zum Rahmenprogramm unter: stadtgeschichte-ffm.de