Stand: 02.08.2026, 08:00 Uhr
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Ein kleiner Bereich in München lässt bei Bewohnern wie Besuchern Italien-Flair aufkommen. Damit es dazu kam, musste aber ein großer Fehler bereinigt werden.
Untergiesing-Harlaching – Auch eine Metropole wie München hat viele kleine und versteckte Ecken. Eine davon liegt im Südosten der Stadt. Der Ort erinnert an ein München aus dem 19. Jahrhundert – und sorgt dafür, dass bei Besuchern ein Hauch „Dolce Vita“ aufkommt. Dafür musste jedoch zuvor eine frühere Entscheidung berichtigt werden.

Ort mit „magischem Flair“: Klein-Venedig liegt versteckt im Südosten Münchens
Besagter Ort liegt in Untergiesing, genauer gesagt in der etwas unscheinbar wirkenden Mondstraße. An deren nordwestlichem Ende, an der Ecke zur Voßstraße, blitzt der Auer Mühlbach ein paar Meter an der Oberfläche auf, bevor er den Großteil seines Weges durch die Stadt wieder im Untergrund zurücklegt. An einer Seite des Gewässers stehen urige Gebäude mit Hinterhöfen, die teils direkt am Wasser liegen. Münchens „Klein-Venedig“ wird der kurze Abschnitt des Baches dort genannt. Er verleiht dem Viertel nach Angaben der Stadt „ein magisches Flair“.
Hallo, ich bin Benedikt Strobach, Online-Lokalredakteur bei tz.de.
Als gebürtiger Untergiesinger – der auch immer noch im Viertel lebt – durfte ich die Vorzüge und den Charme des Münchner Südostens jahrzehntelang aus nächster Nähe erleben und lieben lernen. Für tz.de berichte ich über die Themen, die München und Münchner bewegen. Umso mehr freue ich mich, für Sie künftig die aktuellen Entwicklungen aus Ihrem (und meinem) Teil der Stadt im Newsletter „München-Südost“ zusammenzufassen und erklären zu können, was bei Ihnen (und bei mir) vor der Haustür stattfindet.
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Zugegeben: Trotz der schönen Szenerie kommt der kleine Platz natürlich nicht im Ansatz an die weltbekannte italienische Großstadt heran. Aber er erzählt ein besonderes Stück der Stadtgeschichte – auch von einem größeren Fehler der Vergangenheit. Im 19. Jahrhundert war München nämlich regelrecht eine Wasserstadt. Über 50 Stadtbäche durchzogen die Altstadt damals. Deren Netz ist 175 Kilometer lang.
Großteil der Stadtbäche in München wurde einst versiegelt – später erkannte man die „Schande“
Heute sieht man einen Großteil davon aber nicht mehr. Viele Münchner Stadtbäche wurden verrohrt und teilweise mit Betondecken versehen. Denn für die Stadt waren die offenen Bäche damals vor allem Verkehrshindernis, Gefahrenquelle und finanzielle Belastung. Viele Brücken und Stege mussten unterhalten werden. Teilweise wurden die Bachläufe teilweise sogar mit Magerbeton verfüllt.
Jahrzehnte später kam man zu dem Schluss, die Entscheidung sei „eine Schande“, wie es die Stadt selbst auf ihrem Portal „München Tourismus“ bezeichnet. Den Freizeit- und Erholungswert der Stadtbäche hatte man dann erkannt. Die Stadt beauftragte 1981 das Planungs- und Baureferat, ein Konzept für deren Wiederbelebung zu erarbeiten. Die Vorgabe aus dem Stadtentwicklungsplan 1983 lautete: „Oberflächengewässer sind wegen ihrer großen Bedeutung für den ökologischen Ausgleich und die Erholung der Bevölkerung naturnah zu erhalten bzw. zu gestalten und insgesamt zu vermehren. Ihre Wasserqualität ist zu verbessern.“
Auer Mühlbach seit 2000 wieder freigelegt – auch bei Klein-Venedig
Die Folgen dieses Umdenkens kann man heute auch am Auer Mühlbach sehen. Im Jahr 2000 wurden die Betondecken entfernt. Seitdem ist dieser Stadtbach an vielen Stellen wieder direkt erlebbar. Und ein Hauch Italiengefühl kommt in Klein-Venedig, dieser versteckten Stelle an der Mondstraße, sogar auch auf. (Quellen: München Tourismus, eigene Recherche) (bes)