Stand: 15.07.2026, 07:01 Uhr
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Nach 20 Jahren verlässt Marcus Bayer den Vorstand des Europäischen Freundeskreises Seligenstadt. Der Verein sucht nun eine würdige Nachfolge.
Seligenstadt – Fast zwei Jahrzehnte lang hat Marcus Bayer die Freundschaft zwischen Seligenstadt und der italienischen Partnerstadt Piedimonte Matese mit Leben gefüllt. Bislang gestaltete er die Vereinsarbeit des Europäischen Freundeskreises Seligenstadt (EFS) als Teil eines dreiköpfigen Vorstandsteams zusammen mit Thorsten Bonifer und Christine Spitzenberg. Jetzt übergibt er seinen Posten in neue Hände – ein Anlass, auf sein Wirken zurückzublicken und nach vorn zu schauen.

Städtepartnerschaft zwischen Seligenstadt und Piedimonte Matese
Die Verbindung zwischen Seligenstadt und Piedimonte Matese, rund 80 Kilometer nordöstlich von Neapel, geht auf die Verehrung des Heiligen Marcellinus zurück. In beiden Städten werden Reliquien des Stadtpatrons verehrt, in der Seligenstädter Basilika außerdem die seines Gefährten, des Heiligen Petrus. Diese gemeinsame religiöse Tradition bildet bis heute das Fundament der Freundschaft. Den Grundstein legte in den 1980er-Jahren Professor Michele Malatesta mit einer Pilgerreise nach Seligenstadt. Daraus entwickelten sich erste persönliche Kontakte. 1986 besuchten Malatesta, Bürgermeister Fabrizio Pepe und Pater Giorgio Seligenstadt. Ein Jahr später reisten Bürgermeister Karl Schmidt und Pfarrer Günter Schröder zum Fest des Heiligen Marcellinus nach Piedimonte Matese. 1989 trug der Chor der Basilika Seligenstadt mit einem Auftritt vor Ort dazu bei, die Verbindung auch kulturell zu vertiefen.
Ein wichtiger Meilenstein war das Jahr 2004. Zum 1700-jährigen Martyrium der Heiligen Marcellinus und Petrus lud Seligenstadt Gäste aus Piedimonte Matese ein. Die herzliche Begegnung weckte den Wunsch, die Freundschaft dauerhaft zu vertiefen. 2008 entstand deshalb in Seligenstadt der Freundeskreis Piedimonte Matese, der später als Arbeitskreis Piedimonte Teil des Europäischen Freundeskreises Seligenstadt wurde. Zu den Initiatoren gehörten Marcus Bayer, Angela Ewers, Horst Happel, Eckhard Musch und Roland Wolf. Ihr Ziel war es, die bestehenden Kontakte zu pflegen, auszubauen und die Städtepartnerschaft auf vielen Ebenen vorzubereiten.
Marcus Bayer, der sich als Vorsitzender verschiedener Vereine auch für die Kultur rund um die Basilika engagiert, war schon als Kind von Piedimonte Matese begeistert. „Als ich 14 Jahre alt war, kam zum ersten Mal eine Gruppe aus Piedimonte zu uns. Es hat mich damals schon so gepackt“, erinnert er sich. Vor allem die Herzlichkeit der italienischen Gäste habe ihn nachhaltig beeindruckt. Sein Engagement versteht Bayer als Selbstverständlichkeit. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder etwas tun muss, sonst funktioniert Gemeinschaft nicht.“ Gleichzeitig sei ihm wichtig, Verantwortung weiterzugeben. „Um etwas richtig machen zu können, braucht man Unterstützung.“
Am 11. September 2010 wurde die Städtepartnerschaft in Seligenstadt besiegelt, ein Jahr später in Piedimonte Matese bestätigt. Seitdem prägen Bürgerreisen, Schüleraustausche und gemeinsame Veranstaltungen die Verbindung. Besonders der vom EFS unterstützte Austausch zwischen dem Einhard-Gymnasium und dem ISISS Piedimonte Matese ermöglicht jungen Menschen, Kultur, Schule und Alltag im Partnerland kennenzulernen. 2025 feierte Seligenstadt das 15. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit rund 50 Gästen aus Italien. Eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern aus Piedimonte Matese nahm innerhalb eines Erasmus-Programms an einer Begegnungswoche teil. Sie besuchten den Unterricht am Einhard-Gymnasium, erkundeten Seligenstadt sowie Heidelberg und das Experiminta-Museum in Frankfurt. Höhepunkte waren der Gottesdienst in der Basilika und die Jubiläumsfeier im Jakobsaal.
Bayer muss nicht lange überlegen, was ihm aus den vergangenen Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist. „Die vielen Freundschaften, die entstanden sind.“ Für ihn sind solche Projekte weit mehr als Symbolpolitik. Sie fördern die Völkerverständigung. Der europäische Gedanke müsse von unten wachsen und jedes einzelne Kind trage dazu bei. Gerade in einer Zeit neuer Herausforderungen für Europa sei es wichtig, junge Menschen in solche Partnerschaften einzubeziehen.
Zukunftspläne und Verstärkung
Nun sucht Bayer jemanden, der ihn unterstützt und langfristig Verantwortung übernimmt. Der EFS handelt im Auftrag der Stadt Seligenstadt und freut sich über Interessierte mit Italienischkenntnissen, Freude an internationaler Zusammenarbeit, organisatorischem Geschick sowie einem Faible für Kultur, Europa, Schule, Reisen und Bürgerbegegnungen. Eines stellt er dabei klar: „Ich scheide nicht aus.“ Auch künftig wolle er sich bei Schüleraustauschen und Reisen einbringen. Schon jetzt stehen die nächsten Etappen fest: Im Mai und September 2026/27 sind weitere Schüleraustausche zwischen der Einhardschule Seligenstadt und dem ISISS Piedimonte geplant, und vom 1. bis 5. Juni 2028 ist eine große Bürgerreise nach Piedimonte Matese vorgesehen.