Bescheidene Antwort auf aussergewöhnlichen Sommer – eine Analyse

Massnahmenpaket für Dürre Bescheidene Antwort auf aussergewöhnlichen Sommer

26.08.2026, 19:24

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Der Sommer war aussergewöhnlich, die Reaktion des Bundesrats ist es nicht. Mit gut 70 Millionen Franken für Wald und Landwirtschaft beschliesst er ein Massnahmenpaket, das angesichts des Rekordsommers eher zurückhaltend wirkt.

Vor allem beim Wald ist der Schritt weniger weitreichend, als er auf den ersten Blick wirkt. Der Bund stellt nicht einfach neue Mittel bereit, sondern macht eine umstrittene Kürzung rückgängig. In der Landwirtschaft helfen zusätzliche Kredite zwar gegen akute Liquiditätsprobleme, sie ändern aber wenig an den strukturellen Herausforderungen durch häufigere Trockenperioden. Zudem hatte der Bund Anfang August bereits Massnahmen zur Unterstützung der Landwirtinnen und Landwirte beschlossen.

Kurzfristige Linderung verpufft

Die heute beschlossenen zusätzlichen Mittel sind deshalb eher wie Rasengiessen im Hitzesommer: Kurzfristig mögen sie die Probleme etwas lindern, an deren Ursachen ändern sie jedoch wenig.

Auffällig ist zudem, was fehlt: Für besonders gefährdete Menschen, etwa in Alters- und Pflegeheimen, hat der Bundesrat keine Massnahmen beschlossen. Die Verantwortung für Hitzeschutzmassnahmen sieht Umweltminister Albert Rösti weitgehend bei Kantonen, Städten und Gemeinden. Das Bundesamt für Gesundheit solle abklären, ob es weitere Massnahmen des Bundes brauche.

Rösti in der Defensive

Politisch versuchte Rösti an der Medienkonferenz vor allem, den Vorwurf der Untätigkeit abzuwehren. Er verwies auf die bestehende Klimapolitik des Bundes und zahlreiche bereits beschlossene Gesetze und Massnahmen. Gleichzeitig argumentierte er, Klimapolitik müsse auch mehrheitsfähig sein. Das erste CO₂-Gesetz sei gerade daran gescheitert. Dabei hatte Rösti – damals noch als führender SVP-Politiker – gegen das Gesetz gekämpft.

Trotz aller bestehenden Instrumente dürfte die Schweiz ihre Klimaziele für 2030 verfehlen. Auch die CO₂-Zwischenziele für 2024 wurden knapp verpasst. Die Kritik, der Bundesrat gehe beim Klimaschutz zu langsam vor, dürfte deshalb anhalten.

Der Bundesrat anerkennt zwar die Ernsthaftigkeit der Lage. Seine Antwort darauf bleibt aber vorerst vorsichtig: etwas mehr Geld, weitere Abklärungen, wenige neue Ideen. Angesichts eines historischen Hitzesommers dürfte das vielen als zu wenig erscheinen.

Mirjam Spreiter

Bundeshauskorrespondentin

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Mirjam Spreiter ist Bundeshauskorrespondentin bei SRF. Zuvor war sie Korrespondentin in den Regionen Bern und Freiburg sowie Redaktorin und Reporterin der «Tagesschau». Sie hat an den Universitäten Freiburg, Bern und Berlin Religionswissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Zeitgeschichte studiert.

Tagesschau kompakt, 26.08.2026, 18:00 Uhr; noes